Der berüchtigte Pirat Blackbeard hieß eigentlich Edward Teach oder Thatch und wurde um 1680 in England geboren. Nachdem er einige Zeit an Kaperfahrten im Auftrag der englischen Krone beteiligt war, machte sich der Freibeuter selbstständig und schloss sich Piraten in der Karibik an. Im Jahr 1717 eroberten sie ein französisches Sklavenschiff, das in “Queen Anne’s Revenge” umgetauft und zum Flaggschiff unter Blackbeards Kommando umfunktioniert wurde. Rund ein Jahr lang machten Blackbeard und seine Mannschaft mit diesem Schiff die amerikanische Küste und die Karibik unsicher. Im Mai 1718 leitete Blackbeard eine Blockade des Hafens von Charleston, die er erst nach einer Lösegeldzahlung beendete.
Woher stammte die Kohle im Wrack?
Kurz darauf endete die Geschichte der Queen Anne’s Revenge jedoch: Das Flaggschiff Blackbeards lief beim Versuch, den Hafen Beaufort in North Carolina zu erreichen, auf Grund und sank. Erst im Jahr 1996 wurde das Wrack des Schiffs wiederentdeckt und wird seitdem immer wieder von Unterwasserarchäologen untersucht. Unter den im Wrack gefundenen Objekten sind neben den Schiffskanonen und anderer Ausrüstung auch Goldkörnchen, Glasperlen und – seltsamerweise – hunderte Stücke Kohle. Diese waren über das gesamte Schiffswrack verstreut. Da die Queen Anne’s Revenge ein Segelschiff war, konnte dieser Brennstoff nicht dem Antrieb des Piratenschiffs gedient haben.
“Es gibt durchaus Gründe, warum auch Segelschiffe damals Kohle an Bord hatten”, erklärt James Hower von der University of Kentucky. So wurde Kohle unter anderem für die Zubereitung der Mahlzeiten oder auch zum Heizen an Bord verwendet. Die große Menge der im Schiffswrack gefundenen Kohle war allerdings in diesem Zusammenhang sehr ungewöhnlich. “Wir wollten daher wissen, woher diese Kohle im Wrack gekommen sein könnte, denn in dieser Ära gab es in Amerika noch kaum Kohleabbau in größeren Stil”, erklärt Hower. “Wir mussten daher auch herausfinden, ob die Kohlen überhaupt aus dem Schiff stammt.”
Anthrazitkohle wirft Fragen auf
Hower und sein Team haben daher vier Proben der vom Meeresgrund geborgenen Kohlestücke näher Untersucht. Die chemischen Analysen ergaben, dass sich die Kohleproben in ihrer Beschaffenheit und Zusammensetzung deutlich voneinander unterscheiden. Einige Proben waren Steinkohle mit einem Kohlenstoffanteil von 87 bis 90 Prozent und einem geringen Gehalt an flüchtigen Substanzen. Bei anderen Proben handelte es sich dagegen um die deutlich härtere, kompaktere Anthrazitkohle, die zu mehr als 90 Prozent aus Kohlenstoff besteht, wie die Forscher berichten.
Das aber wirft einige Fragen auf: “Steinkohle mit wenig flüchtigen Anteilen findet sich unter anderem in Virginia”, erklärt Hower. “Diese Kohle war gut zum Kochen geeignet und wurde später auf Dampfschiffen genutzt, weil sie beim Verbrennen nur wenig Rauch abgibt.” Die qualitativ hochwertigere Anthrazitkohle ist dagegen deutlich seltener und kommt in den USA nur in der Appalachen-Region von Pennsylvania vor. “Im 19. und 20. Jahrhundert wäre die einfachste Erklärung für beide Arten von Kohlestücken der Kohleabbau in den Appalachen. Aber in der Zeit von Blackbeard gab es diese Abbaugebiete noch nicht”, erklärt Hower. Europäische Siedler entdeckten diese Vorkommen von Anthrazitkohle erst in den späten 1760er Jahren. Zur Zeit des Piraten wurde Anthrazitkohle primär in Europa abgebaut.





