Die Landesausstellung (documenta-Halle, Du-Ry-Str. 1/Friedrichsplatz, 34117 Kassel, Tel.: 0561/5218690) wird veranstaltet vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien fördert die Landesausstellung aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. DAMALS ist Kooperationspartner der Ausstellung und widmet das Titelthema des Maihefts den Brüdern Grimm.
Rund sieben Jahre wohnten Jacob und Wilhelm Grimm mit ihrer Schwester Lotte am Wilhelmshöher Tor in Kassel. In dieser Zeit arbeiteten sie unter anderem an den Deutschen Sagen sowie der zweiten Auflage der Kinder- und Hausmärchen. Die 1943 vollständig ausgebrannte Wohnung wird derzeit vom Fraunhofer Institut für Grafische Datenverarbeitung (IGD) in Darmstadt für die Hessische Landesausstellung EXPEDITION GRIMM in 3D rekonstruiert.
Die virtuelle Rekonstruktion wird im Kino-Saal der documenta-Halle erlebbar sein. Komplett berührungslos, allein durch seine Körperbewegungen steuert jeweils ein Besucher den Kameraflug durch die einzelnen Räume, während ein Brieftext Wilhelm Grimms zum Gesehenen vorgelesen wird. Alle anderen Personen im Saal können den Rundgang auf der großen Leinwand mitverfolgen und beispielsweise einen Blick in das Arbeitszimmer von Jacob Grimm werfen oder durch Lottes Stube gehen. „Dank einer akribischen Vorarbeit und Auswertung der vorhandenen Materialien konnten wir eine in ihrer Genauigkeit bislang einmalige Rekonstruktion der Wohnung erstellen“, erklärte Dr. Thorsten Smidt, Kurator der Landesausstellung.
Als Grundlage für die Rekonstruktion dienten originale Skizzen, Archivmaterialien und Baupläne, darunter zahlreiche Zeichnungen des Malerbruders Ludwig Emil Grimm sowie Briefe der Brüder oder Aufzeichnungen im Gedankenbuch von Wilhelm Grimm. So konnte der Schreibtisch der Grimms, der heute im Germanischen Nationalmuseum im Nürnberg steht, ebenso detailgetreu in 3D abgebildet werden wie die biedermeierlichen Tapeten und sogar die Profile von Türen und Fenstern. Nicht mehr rekonstruierbare Bereiche sind dagegen weiß dargestellt und es wird lediglich eine „Schatten-Möblierung“ angedeutet.
Die bauhistorischen Recherchen hat Dipl.-Ing. Christian Presche aus Kassel vorgenommen. Die Realisierung der Rekonstruktion erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IGD, das sich auf die Digitalisierung von Kulturgütern in 3D spezialisiert hat. „Das Spannende für uns war die Aufgabe, ein komplettes 3D-Modell aus sehr unterschiedlichen Daten wie Grundrissen, Fotos und Möbeln zu entwickeln und auch mit den nicht vorhandenen Daten und unbekannten Stellen umzugehen“, erläuterte Dr. Uli Bockholt, Abteilungsleiter „Virtuelle und Erweiterte Realität“ am Fraunhofer IGD. Dem Team sei es gelungen, die Steuerung derart einfach zu gestalten, dass sie von jedermann leicht nachvollzogen und benutzt werden könne. Für die Umsetzung wurde das am Fraunhofer IGD entwickelte Virtual Reality System eingesetzt, mit dem die rekonstruierten 3D-Modelle interaktiv erlebbar werden.





