Vom Meer abgeschnitten
Um die Konföderierten während des US-Bürgerkriegs zu schwächen, initiierte Abraham Lincoln ab 1861 eine großangelegte Seeblockade. Mehrere hundert Dampf- und Segelschiffe patrouillierten vor den Küsten der US-Südstaaten und den größten Häfen und verhinderten so, dass von See aus Nachschub geliefert werden konnte. Mit einer Gesamtlänge von mehr als 5500 Kilometern und 180 Häfen war diese Blockadelinie die längste jemals versuchte.
Allerdings: Nicht immer und überall gelang es der Marine der Nordstaaten und den von ihnen anheuerten zivilen Schiffen, ein Durchbrechen der Linie zu verhindern. Die eigens dafür akquirierten Blockadebrecher waren schnelle, moderne Dampfschiffe britischer Bauart, die auf den damals noch britischen Karibikinseln Fracht aufnahmen und bei Nacht in Richtung US-Küste aufbrachen.
“Dieser Fund ist eine große Sache”
Das Wrack eines dieser Blockadebrecher haben Unterwasser-Archäologen nun vor der Küste von North Carolina entdeckt. Es ist der erste Fund eines dieser legendären Schiffe seit Jahrzehnten, wie die Archäologen berichten. Entdeckt wurde das noch gut erhaltene eiserne Dampfschiff bei einer Sonar-Kartierung. Es liegt gut 40 Kilometer stromabwärts des Orts Wilmington.
“Einen neuen Blockadebrecher zu entdecken ist eine große Sache”, erklärt Billy Ray Morris, Leiter der Unterwasser-Archäologie beim North Carolina Department of Natural and Cultural Resources. “Und der Erhaltungszustand dieses Wracks gehört zu den besten, die wir jemals gefunden haben. Wie die Archäologen berichten, gehörte dieses Schiff Mitte 1860er zu den Blockadebrechern, die den konföderierten Seehafen von Wilmington durch die Blockade hindurch mit Gütern versorgten.
Name des Schiffes noch nicht bekannt
Der an der Mündung des Cape Fear Flusses gelegene Hafen von Wilmington war damals einer der wichtigsten der Südstaaten und ein Zentrum des Baumwollexports. Starke Befestigungen schützten den Hafen gegen Angriffe, bis 1865 die Nordstaaten den Kampf um das vorgelagerte Fort Fisher gewannen und Wilmington als einer der letzten noch offenen Häfen vom Meer abgeschnitten wurde.
Schon länger ist bekannt, dass drei Blockadebrecher während der Kämpfe in diesem Gebiet versenkt wurden: die “Agnes E. Fry”, die “Spunkie” und die “Georgianna McCaw”. Ob es sich bei dem nun entdeckten Wrack um eines dieser Schiffe handelt oder um welches, ist noch nicht bekannt. Bisher konnten per Sonar nur der Umrisse der Schiffshülle aufgezeichnet werden. Weitere Untersuchungen des Wracks sollen nun folgen.





