Der Kreuzer “Karlsruhe” wurde während der Weimarer Republik im Jahr 1927 in den Dienst gestellt und war nach einem Umbau Teil der deutschen Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg. Das Schiff war 174 Meter lang, verfügte über neun Kanonen und erreichte mit seinen dampfgetriebenen Turbinen eine Höchstgeschwindigkeit von rund 30 Knoten. Am 9. April 1940 nahm der Kreuzer an der Operation “Weserübung” teil, in deren Verlauf das Schiff die Landung deutscher Truppen im norwegischen Kristiansand unterstützen sollte.
Zufallsfund am Unterseekabel
Doch als die Karlsruhe in den Fjord einlief, der der Stadt Kristiansand vorgelagert war, geriet sie unter Beschuss. Zunächst durch Flak von der norwegischen Festung Odderøy, die aber die Eroberung von Kristiansand durch die deutschen Truppen nicht verhindern konnte. Dann allerdings wurde die Karlsruhe von dem Torpedo eines britischen Unterseeboots getroffen und so schwer beschädigt, dass ihr Kapitän anordnete, das Schiff zu versenken. “Das Schicksal der Karlsruhe wird in den Geschichtsbüchern geschildert, aber niemand wusste genau, wo das Schiff gesunken ist”, erklärt der Archäologe Frode Kvalø vom norwegischen Marinemuseum. “Sie ist das einzige große deutsche Kriegsschiff, das bei einem Angriff auf Norwegen mit unbekannter Position verloren ging.”
Doch vor drei Jahren stießen Mitarbeiter des norwegischen Stromkonzerns Stattnet bei der Inspektion eines Seekabels zwischen Norwegen und Dänemark zufällig auf ein unbekanntes Schiffswrack. Es lag nur rund 15 Meter vom Unterseekabel entfernt in 490 Meter Tiefe auf dem Grund des Skagerraks. Um welches Schiff es sich handelte, blieb jedoch zunächst unklar. Im Sommer 2020 bot eine Fahrt mit einem Erkundungsschiff dem Stattnet-Ingenieur Ole Petter Hobberstad gemeinsam mit den Archäologen die Chance, mehr über das Wrack herauszufinden. Mit multibeam-Echoloten und einem ferngesteuerten Tauchroboter nahmen sie das gesunkene Schiff erstmals näher in Augenschein.

Aufrecht und noch immer bedrohlich
Schon die ersten Aufnahmen des Tauchroboters waren spektakulär: “Als die Aufnahmen uns zeigten, dass das Schiff torpediert worden war, wussten wir, dass es aus dem Krieg stammen musste”, sagt Hobberstad. “Und als dann die Kanonen auf dem Bildschirm sichtbar wurden, war uns klar, dass es sich um ein sehr großes Kriegsschiff handeln musste.” Nähere Untersuchungen bestätigten dann, dass sie das Wrack der Karlsruhe gefunden hatten. “Nach all diesen Jahren wissen wir nun endlich, wo die letzte Ruhestätte dieses einst so wichtigen Kriegsschiffs liegt”, sagt Kvalø. In den Aufnahmen des Tauchroboters sind ihre Aufbauten und Kanonen gut zu erkennen und ermöglichen eine eindeutige Identifizierung.





