In der Stunde seines größten Triumphs lag Robert Ballard bereits im Bett. Es war kurz nach Mitternacht, als der Schiffskoch der „Knorr“ an seine Kabinentür klopfte und ihn bat, doch einmal in den Leitstand zu kommen. Also legte Ballard seine Einschlaflektüre zur Seite und begab sich zu dem Team, das die Bilder überwachte, die der Forschungsschlitten „Argo“, den die „Knorr“ in 3800 Metern Tiefe hinter sich herzog, an das Mutterschiff übertrug. Tagelang hatten die Forscher auf ihren Monitoren nichts als sandigen Meeresboden gesehen. Jetzt hatten sie etwas Vielversprechendes entdeckt.
Ballard war ein Kind der See. In Kalifornien aufgewachsen, verbrachte er seine Jugend mit Schwimmen, Angeln und Tauchen. Als der High-School-Abschluss näher rückte, besorgte ihm sein Vater, der als Chefingenieur von North American Aviation gut vernetzt war, einen Praktikumsplatz an der „Scripps Institution of Oceanography“ in San Diego – einem der weltweit führenden Zentren für die Erforschung der Meere. Danach war klar: Ballard wollte Ozeanographie studieren. Das Fach ließ sich jedoch nur als Graduiertenstudiengang belegen. Daher schrieb er sich in Santa Barbara für Geologie und Chemie ein und absolvierte nebenbei die für Studenten obligatorische Ausbildung zum Reserveoffizier. Nach seinem ersten Abschluss bewarb er sich dann für das Graduiertenprogramm von Scripps – und wurde abgelehnt.
Also setzte Ballard seine Studien auf Hawaii fort – und tat etwas sehr Folgenreiches: Um zu vermeiden, zum Militärdienst in Vietnam eingezogen zu werden, wechselte er als Reserveoffizier von der Army zur Navy – die ihn allerdings prompt zum aktiven Dienst verpflichtete.
Als angehender Meeresforscher wurde Ballard jedoch nicht nach Vietnam, sondern zum Office of Naval Research in Boston beordert. Als Verbindungsoffizier sollte er den Kontakt zu zivilen Forschungseinrichtungen pflegen, vor allem dem „Woods Hole Oceanographic Institute“ – dem großen Konkurrenten von Scripps an der Ostküste. Schnell knüpfte er Kontakte zu den Forschern. Und lernte „Alvin“ kennen: das einzige Forschungs-U-Boot im ganzen Land. Es gehörte der Navy, wurde aber von Woods Hole betrieben – und hatte sich bereits bewährt: 1966 hatte es eine nach einem Flugzeugabsturz vor der spanischen Küste verloren gegangene Wasserstoffbombe wiedergefunden.
Neben seiner Arbeit kam Ballard in Kontakt zu den „Boston Sea Rovers“, einem der ältesten Tauchklubs der Welt, dessen Treffen Pioniere der Szene wie Jacques Piccard und Jacques-Yves Cousteau besuchten. Geleitet wurde der exklusive Club von Melville Bell Grosvenor, einem Enkel des Erfinders Alexander Graham Bell – und Chefredakteur des „National Geographic“-Magazins.
1969 fiel Ballards Stelle Sparmaßnahmen zum Opfer. Doch die von ihm aufgebauten Kontakte bewährten sich: Er bekam eine Stelle im „Alvin“-Team von Woods Hole. In der Folge nahm Ballard unter anderem am FAMOUS-Projekt zur Erforschung des Mittelatlantischen Rückens teil – und knüpfte dabei neue wertvolle Kontakte zu den Wissenschaftlern des französischen Meeresforschungsinstituts IFREMER um Jean-Louis Michel.





