Zwischen der Bewunderung für die Selbstbehauptung der Germanen und dem Respekt vor der Disziplin und Zivilisation der Römer konnte sich die Archäologie der wilhelminischen Zeit nur schwer entscheiden. Wilhelm II., von der Antike fasziniert, ließ sich persönlich über den Verlauf der Xantener Grabungen informieren. Für den Kaiser war die Altertumskunde nicht zuletzt ein Mittel zur Selbstdarstellung und Legitimation der eigenen Herrschaft. Auch die bürgerliche Gesellschaft am Ende des „langen 19. Jahrhunderts“ war begierig darauf zu erfahren, was die Archäologen bei ihren Ausgrabungen im In- und Ausland gefunden hatten. Große Sammlungen und Museen entstanden. In Malerei, Bildhauerei, Literatur, Schauspiel und Musik wurde die Antike als Teil einer nationalen Identität vereinnahmt.
Im LVR-RömerMuseum erzählen reich geschmückte Bauteile, Waffen, Brennöfen, ausgezeichnet erhaltene Keramik und viele weitere, zum Teil erstmals ausgestellte Exponate vom Leben der Legionäre an der Grenze des Römischen Reiches. Doch der Blick richtet sich auch auf die Menschen, die an den Grabungen beteiligt waren, auf ihr Leben und die Methoden der Archäologie vor 100 Jahren. Die Ausstellung gibt der damaligen Archäologie und ihrer vielfältigen Rezeption Stimme und Gesicht – als Blick in eine Epoche, die mit dem Ausbruch des Krieges abrupt ein Ende finden sollte. Gleichzeitig war es der Beginn der modernen wissenschaftlichen Archäologie.





