Es handelt sich um überraschend häufige Funde an steinzeitlichen Ausgrabungsstätten Eurasiens: Stücke aus Birken-Pech, das von unseren Vorfahren einst durch ein Erhitzungsverfahren aus der harzreichen Rinde der Bäume gewonnen wurde. Sie setzten diese zähflüssige Masse als eine Art Klebstoff ein, um etwa Steinklingen an Speeren zu befestigen. Um die Substanz für den Einsatz in geschmeidiger Konsistenz zu halten, wurde es offenbar gekaut. Dies bezeugen Zahnabdrücke, die auf vielen gefundenen Birkenpech-Stücken entdeckt wurden. Solche einstigen Kau-Massen wurden auch schon vor 30 Jahren an der archäologischen Stätte Huseby Klev auf der Insel Orust in der Nähe von Göteborg gefunden. Sie wurden dabei im Zusammenhang mit Überresten von Steinwerkzeugen und weiteren menschlichen Spuren entdeckt, die auf ein Alter von rund 9700 Jahren datiert wurden.
Bereits zuvor sind Forscher auf die Idee gekommen, das uralte Kaumaterial von Huseby Klev als eine Quelle für alte DNA zu nutzen. Dabei hofften sie vor allem, dass sich über den Speichel genetische Spuren der Menschen auf das Material übertragen haben und darin konserviert wurden. Dies bestätigte sich: Sie konnten anhand der rund 10.000 Jahre alten Kaumassen Einblicke in das Erbgut von drei Personen gewinnen, bei denen es sich den Merkmalen der Zahnabdrücke zufolge um Teenager gehandelt hat. Anhand dieser ältesten bekannten DNA einstiger Skandinavier ergaben sich Hinweise auf die Verwandtschaftsbeziehungen dieser Jäger und Sammler zu anderen Bevölkerungsgruppen in Europa.
Nahrung und Mundgesundheit auf der Spur
Im Rahmen der aktuellen Studie hat das internationale Forscherteam nun ausgelotet, inwieweit sich in dem Kaumaterial auch genetische Spuren von Nahrungsmitteln erhalten haben. Außerdem machten sie sich auf die Suche nach genetischen Relikten der Mundflora – der nützlichen oder schädlichen Mikroorganismen, die einst auf Zähnen und Zahnfleisch lebten. Grundsätzlich ergaben die Untersuchungen zunächst: „Der gekaute Mastix von Huseby Klev enthält tatsächlich eine Fülle von DNA-Sequenzen, die von Bakterien stammen und auch von pflanzlichen und tierischen Geweben, die zuvor gekaut wurden“, sagt Erst-Autor Emrah Kırdök von der türkischen Universität Mersin, der schon an den vorhergehenden Untersuchungen an der Universität Stockholm beteiligt war.
Was die pflanzlichen und tierischen Spuren betrifft, identifizierte das Team unter anderem Haselnuss, Hirsch, Forelle, Rotfuchs und verschiedene Vogelarten. Die genetischen Befunde passen dabei zu fossilen Überresten, die am Ausgrabungsort entdeckt wurden. Es handelte sich demnach um Substanzen, die die Menschen vor dem Pech-Kauen gegessen haben oder für deren Bearbeitung sie ihre Zähne zu Hilfe nahmen, erklären die Forschenden.





