Im Fokus der Ausstellung stehen allerdings nicht die Zaren, sondern fünf Frauen. Es handelt sich bei ihnen um die weiblichen Protagonisten von fünf Eheverbindungen zwischen den Häusern Romanow und Württemberg. Drei von ihnen sind im Stuttgarter Stadtbild bis heute als Namensgeber für Gymnasien, Kindergärten oder Hospitäler bekannt: Katharina und Olga, russische Großfürstinnen und württembergische Königinnen, sowie Herzogin Wera. Zusammen mit Sophie Dorothee von Württemberg (der späteren Zarin Maria Fjodorowna) und Charlotte Marie von Württemberg (der späteren russischen Großfürstin Elena Pawlowna) haben diese Frauen die enge dynastische Beziehung zwischen den Romanows und dem Haus Württemberg zwischen den Jahren 1776 und 1912 besonders geprägt.
Prunk, Pracht und Politik – gezeigt werden die Schätze aus der russisch-deutschen Verbindung, darunter Möbel, Galakleider, Schmuck, Gemälde, Gold und Silber. Es gibt aber auch Raum für private Zeugnisse, die ein persönliches Licht auf die Frauen werfen, wie Briefe, Tagebücher oder Reiseberichte. Von den knapp 600 Ausstellungsstücken stammen rund 200 Objekte aus Russland. Zum Teil handelt es sich bei den Leihgaben um Exponate, die Russland bisher noch nie verlassen haben, so zum Beispiel das Krönungskleid von Maria Fjodorowna, das seit 1776 in der Schatzkammer des Kremls aufbewahrt wurde.
Die Ausstellung beleuchtet die Handlungsmöglichkeiten der Frauen in ihrem jeweiligen historischen Kontext. Ihre Position und die Zugehörigkeit zu zwei Kulturen machten sie zu Vermittlerinnen zwischen Württemberg und Russland. Mit Hilfe ihrer Bildung, ihres Wohlstands und ihres sozialen Engagements konnten sie die Verhältnisse in ihrer jeweils neuen Heimat in besonderer Weise mitgestalten.
„Im Vordergrund steht das Erlebnis“, so Fritz Fischer, Kurator und Leiter der Abteilung Kunst- und Kulturgeschichte des Landesmuseums über die Inszenierung der Schau. Die Ausstellungsstücke werden nicht museal in Szene gesetzt, sondern in ihrem ursprünglichen Zusammenhang präsentiert. Die Ausstellung arbeitet sparsam mit Überschriften und ergänzenden Texten. Jeder Besucher erhält ein Taschenbuch mit Objektbeschreibungen und Zwischentexten, das ihn durch die Ausstellung begleitet und zusätzliche Informationen zu den Exponaten gibt.
Für die fünf Frauen stehen fünf von Szenographin Valentine Koppenhöfer prächtig dekorierte Räume. Sie zeugen vom sozialen Engagement der Frauen, von deren Wertschätzung der Wissenschaft, Dichtung, Musik oder Bildenden Kunst aber auch von Heimweh und Alltag. Die Räume beleuchten den hohen Stellenwert der orthodoxen Liturgie, den Glanz des repräsentativen Lebens am Hofe und die Selbstinszenierung der weiblichen Hauptfiguren. Im Hintergrund erhält der Besucher aber immer auch Einblicke in die Welt jenseits der höfischen Pracht, in der Not, Krieg und Armut herrschen. Hier möchte die Ausstellung einen Zugang öffnen zu den politischen Hintergründen und dem gesellschaftlichen Wandel der Zeit. Die Ausstellung schließt mit einem Ausblick auf das Ende der Monarchie in Russland und Württemberg.





