Das Örtchen Strängnäs, unweit der heutigen schwedischen Hauptstadt Stockholm ge‧legen, war am 6. Juni 1523 Schauplatz einer Königswahl mit weitreichenden Konsequenzen. In Anwesenheit von politischen Vertretern der mächtigen Hansestadt Lübeck kürten die schwedischen Stände Gustav Eriksson Wasa, den Spross einer der vornehmsten Familien des Reichs, zum schwedischen König. Eine Wahl, die den Grundstein für Schwedens Aufstieg zur vorherrschenden Macht in Nordeuropa legen sollte.
Seit 1397 hatte Schweden zusammen mit Norwegen unter der Herrschaft der dänischen Könige gestanden. Dieses auch als Kalmarer Union bezeichnete politische Gebilde reichte von Island über die gesamte skandinavische Halbinsel bis in die unwirtlichen Waldgebiete Finnlands. Ein über weite Strecken dünnbesiedeltes, aber in seiner Ausdehnung gewaltiges Territorium, dessen politisches Zentrum um den Ostseeausgang herum lag: Der dänische König regierte zu beiden Seiten des Öresunds. Zwar standen ihm in einigen Angelegenheiten der jeweiligen Teilkönigreiche ein schwedischer und ein norwegischer Reichsrat zur Seite, doch setzte der König vornehmlich seine eigenen Interessen durch. Unmut über die Bevormundung war namentlich in Schweden während des 15. Jahrhunderts immer wieder zum Ausdruck gebracht worden. Der Drang nach Unabhängigkeit entlud sich in zahlreichen bürgerkriegsähnlichen Aufständen, an denen vor allem die streitbaren Freibauern und Bergleute Zentralschwedens beteiligt waren. Zeitweilig kam es zur Einsetzung von Reichsverwesern (riksföreståndre) aus der angesehenen Familie der Sture, die sich jedoch nicht auf Dauer als schwedische Könige etablieren konnten.
Die Wahl von Strängnäs bedeutete mehr als die endgültige Unabhängigkeit der schwedischen Krone von der dänisch dominierten Union, sie war der Beginn einer Zeit der inneren Neuordnung eines noch mittelalterlich geprägten Reichs, das, von wenigen einheimischen Adligen, Kirchenfürsten und deutsche Hanse-Kauf-leuten beherrscht, nun in ein neues Zeitalter blickte. Zwei große Entwicklungen warfen damals ihre Schatten auch auf Nordeuropa: die von Martin Luther angestoßene Reformation des religiösen Lebens und der kirchlichen Organisation sowie die Entstehung des frühmodernen Staates mit einer effizienten Verwaltung, einem stehenden Heer und einem „absolutistischen“ Herrscher.
Zu Beginn der Herrschaft Gustavs I., wie der Wasa-König fortan genannt wurde, mussten die inneren Wunden geheilt werden, welche die Jahrzehnte des Bürgerkriegs zwischen Unionsanhängern und Separatisten geschlagen hatten. Der Riss ging quer durch die adlige Führungsschicht – nur die in Schweden politisch mitspracheberechtigten Bergleute und freien Bauern hatten in den unruhigen Zeiten fast immer zu dem schwedischen Reichsverweser gehalten und zuletzt auch Partei für Gustav Wasa ergriffen. In Dänemark hatte der ebenfalls 1523 gekrönte neue Monarch, Friedrich I., unmissverständlich deutlich gemacht, dass er die Union mit Schweden erneuern wollte. Sein zur Flucht gezwungener Vorgänger Christian II. lebte im Exil und stellte mit seinen Thronansprüchen für Dänemark-Norwegen wie für Schweden weiterhin eine Bedrohung dar: In den Augen vieler Zeitgenossen galten sowohl Friedrich I. von Dänemark als auch Gustav I. von Schweden als illegitime Thronräuber.





