Der Rückblick beginnt mit der Klostermedizin im Frühmittelalter. Abt Otmar, der Gründer des Klosters St. Gallen richtete im 8. Jahrhundert das erste Lepraspital auf Schweizer Gebiet ein. Die Sorge um die Kranken stand in der Ordensregel der Benediktiner an oberster Stelle. Mit dem Aufblühen der Städte im Hochmittelalter übernahmen diese eine wichtige Rolle in der medizinischen Versorgung der Bevölkerung. Spitäler wurden gebaut und Stadtärzte angestellt. Auch Hebammen, Apotheker und Wundärzte spielten eine wichtige Rolle. Daneben gab es viele weitere Heilpersonen auf dem Gesundheitsmarkt der Frühen Neuzeit (1500–1800).
Im 19. Jahrhundert begann im Kanton St.Gallen der Ausbau des modernen Gesundheitswesens, wie wir es heute kennen – mit der Hauptstadt als wichtiges Zentrum. Ein Meilenstein war die Eröffnung des Kantonsspitals 1873. In St.Gallen stand zudem der erste Röntgenapparat der Schweiz. Er wurde 1897 im Sanitätsgeschäft Hausmann installiert. Das 20. Jahrhundert ist wiederum geprägt von rasantem Fortschritt und einer wachsenden Spezialisierung. Bedeutende Erfindungen und Entdeckungen haben die Medizin laufend bereichert und die Heilungschancen verbessert.
Im 19. Jahrhundert stellte die Industrialisierung und Verstädterung Staat und Behörden vor enorme Herausforderungen. Die Verbesserung der Hygiene und die Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung für die wachsende Bevölkerung wurden immer dringlicher. Zu den einflussreichen Persönlichkeiten zählte damals Dr. Laurenz Sonderegger, der sich für den Bau des St. Galler Kantonsspitals einsetzte und als Präsident der Schweizerischen Sanitätskommission wirkte.
Wie in früheren Jahrhunderten die Pest, die Lepra oder die Pocken gefürchtete Krankheiten waren, so drohten im 19. Jahrhundert die Tuberkulose sowie Cholera- und Typhus-Epidemien. Letzteren begegnete man mit der Verbesserung der Wasserversorgung, in St.Gallen mit dem Bau der Bodensee-Zuleitung, und mit dem Ausbau der Kanalisation. Gegen die gefährlichen Pocken gab es bereits Impfungen. So wie dies die ersten Impfgegner auf den Plan rief, fand die Entwicklung der naturwissenschaftlichen Medizin im 19. Jahrhundert in der Homöopathie einen Gegenpart.
Mit dem Blick in die Geschichte will die Ausstellung das Verständnis für die heutigen Entwicklungen im Gesundheitswesen fördern. Die Begegnung mit der Vergangenheit ermöglicht eine kritische Würdigung der Errungenschaften sowie der spezifischen Situation in St. Gallen. Die Ausstellung möchte dabei ein breites Publikum ansprechen und die vielen Facetten des Themas anschaulich vermitteln. Das gilt auch für das Rahmenprogramm der Ausstellung. Es bietet eine breite Palette von Veranstaltungen – auch für Familien und für Kinder.
Neben Exponaten aus der museumseigenen Sammlung können in der Ausstellung so wertvolle Unikate und aussergewöhnliche Raritäten aus anderen Sammmlungen präsentiert werden – von der frühmittelalterlichen Handschrift des «St.Galler Botanicus» mit der Beschreibung von Heilpflanzen, über ein Syphilis-Rezept aus der Hand von Vadian und der kostbaren fürstäbtischen Reiseapotheke aus dem 18. Jahrhundert bis zum Fläschchen Penicillin aus der ersten Lieferung in die Schweiz 1945.





