Zu den repräsentativsten Anwesen in Augsburg gehörten die Fuggerhäuser am ehemaligen Weinmarkt, an der heutigen Maximilianstraße 36–38. Diese in Nord-Süd-Richtung verlaufende Achse zwischen Rathaus und St. Ulrich und Afra, deren Bild seit der Zeit um 1600 durch die drei monumentalen Brunnenanlagen mit Augustus, Merkur und Herkules geprägt wird, war immer wieder Schauplatz wichtiger historischer Ereignisse, die Fuggerhäuser das Ziel hoher Besuche und der Ort prunkvoller Feste.
Nachdem Jakob Fugger bereits 1511/12 zwei Häuser am Weinmarkt erworben hatte, kaufte er bald benachbarte Anwesen hinzu. Unter Nutzung der alten Bausubstanz entstand zwischen 1512 und 1515 eine Gesamtanlage mit drei Höfen, die bis 1523 weiter ausgebaut wurde. Die fast 68 Meter lange dreigeschossige Fassade war ursprünglich mit figürlichen Szenen und Landschaftsfresken von Hans Burgkmair (1473–1531) geschmückt. Nach der Entfernung der Originalbemalung 1761 wurde der Zyklus 1860 bis 1863 durch den Münchner Dekorationsmaler Ferdinand Wagner erneuert. Wie die wenigen erhaltenen Reste der ehemals luxuriösen Innenausstattung (Holzdecken, Kamine, Ledertapeten) wurden jedoch auch diese historistischen Fresken 1944 zerstört. Das Ensemble der Fuggerhäuser wurde zwischen 1949 und 1951 in vereinfachter Form wiedererrichtet.
Einen Abglanz von Reichtum, Lebensgefühl und Geschmack des 16. Jahrhunderts vermittelt heute noch der Damenhof im Westen der Fuggerhäuser, dessen Arkaden mit ihren dünnen Rotmarmorsäulen die Formensprache der italienischen Renaissance aufnehmen. Ursprünglich war auch dieser Innenhof vollständig mit Figuren, szenischen Darstellungen und Grotesken von Hans Burgkmair ausgemalt. Davon zeugen heute nur noch die (größtenteils rekonstruierten) Ornamentmalereien in den Zwickeln der Arkaden.
Von einem weiteren selbstbewußten Bau, den Jakob, Ulrich und Georg Fugger schon zwischen 1490 und 1495 wohl durch Burkhard Engelberg, den Baumeister der Benediktiner-kirche St. Ulrich und Afra, errichten und reich ausstatten ließen, haben sich nach der Zerstörung 1944 nur wenige Überreste erhalten. Am ehemaligen Rindermarkt im Zentrum der Stadt gelegen, erstreckte sich der Komplex aus Geschäfts- und Wohntrakten von der Annastraße bis hin zur Philippine-Welser-Straße. Im Haus am Rindermarkt befand sich die Goldene Schreibstube, der Sitz der zentralen Buchhaltung und Verwaltung des Großunternehmens. Ein 1950 rekonstruierter Flacherker im heutigen Mettlochgäßchen erinnert daran. Aus dem alten Baubestand des Fuggerhauses stammen lediglich die spätgotischen, stark restaurierten Portale, die im Westen und Osten in den Neubau des 20. Jahrhunderts inte?griert wurden. Von Stabwerk gerahmt, präsentieren die Supraporten (Wandfelder über der Tür) stolz das Fuggersche Lilienwappen mit Helmzier, die Löwen als Schildhalter markieren den hohen Anspruch der Auftraggeber.





