Der Friedhof lag gegenüber der Altstadt am nördlichen Ufer des Neckars, in der Nähe eines Kohorten-Kastells für Fuß- und Reitersoldaten sowie der zugehörigen Zivilsiedlung (vicus ). Gemäß den strengen zeitgenössischen Vorschriften wurden die Toten außerhalb der Siedlungsgrenzen bestattet. Dabei folgte man einer Sitte, deren prominentestes Vorbild die Via Appia bei Rom ist: Die Gräber lagen an einer stark frequentierten Straße. Hier ist es eine Fernverbindung, die zunächst zum Hauptort Lopodunum (Ladenburg) und weiter zur Provinzhauptstadt Mogontiacum (Mainz) führte.
Beiderseits der Straße wurden zwischen 80 und 190 n. Chr. auf einer Länge von etwa 500 Metern Bestattungen angelegt. Bei den meisten Gräbern handelt es sich um Brandgräber; das heißt, dass die Toten auf einem Scheiterhaufen eingeäschert und danach in einer Grabgrube bestattet wurden. Die Art der Deponierung des sogenannten Leichenbrandes – etwa in Urnen aus Ton, Glas oder Stein – und die Ausstattung der Gräber mit Beigaben lassen eine Vielzahl unterschiedlicher Bräuche erkennen. Deren Ursprung liegt teils im griechisch-römischen Totenkult, teils in keltischen oder germanischen Bestattungssitten. An der selten praktizierten Sitte der Körperbestattung haben Gräber von Neugeborenen einen hohen Anteil. Damit wird eine durch schriftliche Quellen bezeugte Scheu bestätigt, verstorbene Säuglinge dem Scheiterhaufen zu überantworten.
Zum Friedhof gehörten außerdem steinerne Grabbauten, Scheiterhaufenplätze, Opferdepots und Haustier-Bestattungen. Von der oberirdischen Kennzeichnung der Grabstätten sind Fragmente steinerner Stelen erhalten. Mehrere der Reliefs zeigen verstorbene Kavalleristen, die sich – bedient von einem Mundschenken – auf einem Speisesofa darstellen ließen. Unterhalb der Szene wurde jeweils das von einem Knecht geführte Reitpferd abgebildet.
Die Grabausstattungen zeigen, dass sich die Bewohner des vicus sehr schnell an die Gepflogenheiten römischer Kultur angepasst hatten. Die Häufigkeit und Qualität von Importgütern deutet ferner an, dass man sich eines überdurchschnittlichen Wohlstandes erfreute.
Die wissenschaftliche Bearbeitung der geborgenen Beigaben war interdisziplinär angelegt: Zur Projektgruppe gehörten neben Archäologen auch Anthropologen, Zoolo-gen, Botaniker, Chemiker, Epigraphiker und Numismatiker. Diese Vorarbeiten bieten die seltene Chance, die Lebensbe-dingungen in einem Kastellort der mittleren römischen Kaiserzeit genauer zu untersuchen.





