Es gilt als das erste Großreich der Weltgeschichte: Im Verlauf des ersten Jahrtausends v. Chr. erreichte das assyrische Imperium durch seine aggressive Eroberungspolitik enorme Ausmaße. Auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung erstreckte es sich vom Persischen Golf im Osten bis nach Zentralanatolien im Nordwesten und Ägypten im Süden. Somit gehörte auch das alte Israel zum Machtbereich der Assyrer. Dort führte ihr Herrschaftsanspruch zu massiven Konflikten, die die Geschichte des jüdischen Volkes nachhaltig prägen sollten. Ein wichtiges Ereignis, von dem sowohl die Bibel als auch assyrische Quellen berichten, war dabei die Rebellion des Königs Hiskia. Er herrschte am Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. über das Königreich Juda, das die Region westlich des Toten Meeres und die Stadt Jerusalem umfasste.
Gescheiterte Rebellion
Hiskia wurde von den Assyrern zunächst als ein tributpflichtiger Vasall toleriert. Doch dann sah der judäische König die Chance, die Fremdherrschaft abzuschütteln und führte einen Aufstand an. Daraufhin entsandte der assyrische Herrscher Sanherib im Jahre 701 v. Chr. eine Streitmacht, um die Region wieder unter seine Kontrolle zu bringen. Der Straffeldzug traf das Königreich Juda hart und es kam schließlich zu einer Belagerung Jerusalems. Der Bibel zufolge soll die Stadt zwar auf wundersame Weise von der Eroberung verschont geblieben sein. Letztlich konnten die Assyrer aber dennoch die Kontrolle über die Region zurückgewinnen.
Wie die israelische Altertumsbehörde berichtet, waren bisher nur archäologische Spuren dieser Geschehnisse aus dem judäischen Tiefland bekannt. Doch nun gibt es erstmals auch Hinweise auf diese Ära aus dem Bereich um Jerusalem. Die Entdeckungen stammen dabei aus einem Baugebiet im südlich gelegenen Stadtviertel Arnona. „Wir haben Überreste eines bedeutenden königlichen Verwaltungszentrums aus der Zeit von König Hiskia und vielleicht sogar aus der Regierungszeit seines Vaters, König Ahas, entdeckt“, sagt Grabungsleiter Neria Sapir. Es diente den Experten zufolge der Sammlung von Steuereinnahmen aus der Landwirtschaft in der Region um Jerusalem. Wie sie erklären, wurden die Abgaben dabei in der Form von großen Keramikgefäßen geleistet, die mit Öl oder Wein gefüllt waren. “Was wir hier sehen, bildete die wirtschaftliche Grundlage des Königreichs Juda”, sagt Sapir.
Zerstörung und Neubau
Wie sich zeigte, überlagerte an dem auf einer Anhöhe gelegenen Fundort ein Bau einen früheren. Das erste Gebäude stammte aus dem späten 8. Jahrhundert v. Chr. – also aus der Ära der Rebellion unter König Hiskia. Davon zeugen zahlreiche gestempelte Griffe von Keramikgefäßen. Sie waren neben vermutlichen Herkunftsnachweisen auch mit der hebräischen Aufschrift „dem König gehörend“ versehen. Dies bezog sich dabei auf den Herrscher des Königreichs Juda. Den Experten zufolge liegt deshalb nahe, dass es sich bei dem ersten Gebäude um ein Zeugnis des Verwaltungssystems unter dem aufrührerischen König Hiskia gehandelt hat.





