Der Unmut unter den armen Schichten der Bevölkerung eskalierte spätestens Anfang 1525 zu einem breiten gewalttätigen Konflikt. Zunächst waren die Fürsten und kirchlichen Herrschaften überrascht von den Ereignissen und machten Zugeständnisse.
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„Uf den hailigen cristag am abent vor“, heißt es in der Chronik der Reichsabtei Heggbach, „seint etlich pauren zue Baltringen im wirtshauß gesessen … und hond uf die hl. nacht geratgeschlaget, wie sie ire sachen wellent anfahen.“ Mit „ire sachen“ waren die Beschwerden der Bauern gemeint. Die Heggbacher Äbtissin hatte bereits einen Wink erhalten, „rechenbuecher, schultbrief und zinßbrief“ in Sicherheit zu bringen, da die Sache eskalieren könnte.
Vorerst trafen sich die Bauern in den Wirtshäusern. Bald saßen ihrer Dutzende beieinander. Noch fielen sie nicht auf, in der Fasnetzeit kam man halt zusammen, so auch im Jahr 1525. Als sich zu den Baltringern Bauern aus den umliegenden Dörfern gesellten, konnten die Treffen nur noch unter freiem Himmel abgehalten werden. Nun nahmen auch die Behörden Notiz.
Erstmals werden die Anliegen öffentlich vorgebracht
Daraufhin wagten die Baltringer den Schritt in die Öffentlichkeit. Sie wählten einen Anführer: Ulrich Schmid trug nicht nur diesen Namen, er war auch Schmied im benachbarten Sulmingen. Er galt als besonnen und sollte mit der Obrigkeit Verhandlungen aufnehmen.
Die Gegenseite vertrat der Schwäbische Bund, ein Zusammenschluss der oberen Stände. Dem Bündnis gehörten Fürsten und Reichsklöster, hoher Adel und Klerus sowie bald auch sämtliche Reichsstädte in Oberschwaben an. Am 16. Februar übergab Schmid, 10 000 Bauern in seinem Rücken, die gesammelten Beschwerden von rund 300 Dörfern. Sebastian Lotzer, ein Bürger der freien Reichsstadt Memmingen, ursprünglich Kürschner, später Laienprediger, hatte sie zu Papier gebracht – um, wie der St. Galler Theologe Johannes Kessler (1502–1574) es ausdrückte, „die sach nach vermügen Gottes wort ußzusprechen.“ Der Kaplan der Weißenhorner St. Leonhardskirche, Nicolaus Thoman, berichtet in seiner „Weißenhorner Historie“: „Am ersten was ir [der Baltringer] clag und furnemen gegen iren herren und oberkayten, sy weren beschwert mit diensten und der laybaygenschaft“. In der Folge der Ereignisse „zugen die edelleut, was nit gut, fest sutz hetten, davon an ir gwarsam, desgleichen die prelaten auß den clostern, die briester, yder an sein gewarsame. Eß waren feine buberlach.“
Thoman, der als Kaplan eigentlich auf Seiten des Klerus stand, hatte für die feudalen Herren kein gutes Wort übrig: „Buberlach“, abgefeimte Buben, schimpfte er sie. Noch schlimmer waren für Thoman die von Luthers Lehre bestärkten Bauern: Diese seien „des tewfels gaist“ und „wöllten das evangelium und gotzwort aufrichten, des lang under der banck gelegen, das wollten sy herfurziechen.“
Nicht nur beide Seiten lagen über Kreuz. Sie waren auch untereinander uneins. Der gemäßigte Lotzer berief sich auf göttliches Recht, wie es die Bibel vorsah. Dienste und Abgaben sollten auf ein erträgliches Maß reduziert werden, die Linderung der allgemeinen Not Vorrang vor Partikularinteressen haben. Gewalt lehnten Lotzer und Schmid ab, anders als der radikale Teil der Bauern. Die Grundherrschaft wollten beide nicht komplett aufheben, wohl aber die Leibeigenschaft. Auch im Schwäbischen Bund gab es moderate und extreme Positionen. Vor allem der unnachgiebige Leonhard von Eck (1480–1550), engster Berater und Kanzler Herzog Wilhelms IV. von Bayern (1508–1550), drang auf eine gewaltsame Lösung.
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Inzwischen hatten die Bauern weiter aufgerüstet. Im Allgäu und am Bodensee bildeten sich nach dem Vorbild der Baltringer bewaffnete Haufen. In Memmingen schlossen sich alle zur „Christlichen Vereinigung“ zusammen. Das Bündnis wurde mit einem Eid feierlich beschworen. Als Handlungsgerüst einigte man sich auf ein Programm, die „Zwölf Artikel“. Federführend war Sebastian Lotzer. Der Lutheraner Kessler beschreibt ihn als „an geschriftglerter“ und „guoten, geschickten schriber“, der sich „ain kainem hof nach in kainer kanzly ie geuebt, ja nie kaines notarien substitut gewesen“.
Ein konkreter Verfasser der „Zwölf Artikel“ wird nirgends erwähnt, der Historiker und Bauernkrieg-Experte Horst Buszello sieht jedoch „Lotzers gestaltende und ordnende Hand“ dahinter. Die „Zwölf Artikel“ sind durch Bibelzitate untermauert und enthalten Forderungen, die sich an die beiden höheren Stände richten: Pfarrer sollen abgesetzt und von der Gemeinde gewählt, die Leibeigenschaft aufgehoben, Frondienste und Abgaben reduziert, Jagen und Fischen erlaubt, Wald und Weide frei zugänglich, privatisiertes Allmendeland an die Dorfgemeinschaft zurückgegeben und der Willkür feudaler Richter per fester Buß- und Gebührenordnung ein Riegel vorgeschoben werden.
Politisches Programm wird zum Bestseller
Eine erste Fassung der „Zwölf Artikel“ wurde um den 20. März 1525 in Augsburg gedruckt. In den nächsten beiden Monaten erschienen zwei Dutzend Auflagen, von Worms bis Regensburg und von Zwickau bis Zürich. Die so entstandenen 25 000 Exemplare fanden in der Südhälfte des Heiligen Römischen Reichs rasche Verbreitung.
Am 24. März übermittelte eine Abordnung der Christlichen Vereinigung die „Zwölf Artikel“ an den Schwäbischen Bund. Einen Tag später trafen sich Vertreter beider Lager in Ulm. Heraus kam ein Waffenstillstand, der bis zum 2. April gelten sollte. Leonhard von Eck hintertrieb den Frieden. Der Kanzler erschien persönlich in Ulm, in seinem Gefolge ein Heer des Schwäbischen Bundes. Tags darauf ging Schemmerberg in Flammen auf.
Ende des Monats waren die Verhandlungen endgültig gescheitert. „Zahllose weitere Schlösser und Burgen, zugleich Symbole der feudalen Herrschaft“, so schildert die Historikerin Claudia Ulbrich den oberschwäbischen Aufstand, „wurden gestürmt und zerstört. Klöster wurden geplündert, Paramente, Reliquien, Bibliotheken und Archive verwüstet.“ Nach Schemmerberg überfielen die Bauern auch die Prämonstratenserabtei Schussenried bei Biberach.
Eskalation der Gewalt: die Bluttat von Weinsberg
Sehr bald setzte sich der Aufruhr in weiteren Regionen fort, vom Elsass über Südbaden, das Bodenseeufer, den Schwarzwald, das Neckar- und Taubertal bis in den Odenwald, nach Unter- und Oberfranken. Am 19. April geriet erstmals eine größere Stadt in die Hände der Empörer. Hohenloher Bauern nahmen Heilbronn ein. Zwei Tage zuvor war es am Osterwochenende zu einem schweren Zwischenfall gekommen. Beim Sturm der zum „Hellen Haufen“ vereinigten Odenwälder und Hohenloher Bauern auf die Burg Weinsberg in der Nähe von Heilbronn starben zahlreiche Verteidiger. Ein Geistlicher wurde erstochen.
Im Verlauf der Kämpfe geriet auch eine Reihe Adliger in Gefangenschaft. Unter ihnen war Graf Ludwig von Helfenstein, als Habsburger Obervogt höchster erzherzöglicher Beamter in Württemberg. Auf seinem Weg nach Weinsberg hatte Helfenstein zuvor zahlreiche Bauern niedergemetzelt und damit gedroht, Aufrührer künftig zu verbrennen.
Am Ostermontag wurde Rache genommen: „Unten im Felde zwischen Weinßpergk und Heillbrun haben die Pawren in dem Pewrischen Auffruhr Graff Ludowigen von Helffenstein durch die Spisse gejagt und umbbracht“, heißt es in den Erinnerungen des lutherischen Theologen Daniel Greser (1504 –1591). Neben Helfenstein starben 15 weitere Opfer, alle mit einem „von“ im Namen.
„Wir haben sie zusammengestochen, daß eine Lust war“, lässt Goethe in seinem Drama „Götz von Berlichingen“ (1773) einen Bauernführer, Georg Metzler, die Ereignisse auf den Punkt bringen.
Zu denjenigen, die Gewalt weiter ablehnten, zählte „ein feiner geschickhter Mann unn Schreiber, alß mann ungeuerlich einen im Rath finden sollt“: Wendel Hipler. Der so Charakterisierte hatte einen ähnlichen Aufstieg wie Sebastian Lotzer in Oberschwaben hinter sich, vom Feldschreiber zum Anführer der Hohenloher. Die Beschreibung Hiplers stammt vom echten Götz von Berlichingen, der den mit dem „Hellen Haufen“ verbündeten „Schwarzen Haufen“ anführte.
Hipler und Berlichingen sahen mehr Gemeinsamkeiten als Gegensätze zwischen den ländlichen Ständen, denen die Agrarkrise schwer zugesetzt hatte. In ihrer gemeinsam verfassten Amorbacher Erklärung schwächten sie die „Zwölf Artikel“ ab und strebten ein Bündnis zwischen Adel und Bauernstand an. Doch ist die Rolle Berlichingens, der wiederholt die Seiten wechselte, umstritten; mal wird er als Anführer wider Willen – von den Bauern gezwungen –, mal als Verräter bezeichnet.
Hipler wollte wie Berlichingen in erster Linie den Klerus bekämpfen. Er verurteilte die Oster-Exzesse, deren Folgen er bereits ahnte. Als „Weinsberger Bluttat“ ging das Gemetzel in die Geschichte ein. Sie veranlasste Luther zu seiner Schrift „Wider die Mordischen und Reubischen Rotten der Bawren“ (1525) und lieferte dem Schwäbischen Bund einen Vorwand, fortan noch brutaler gegen die Bauern vorzugehen.
Die Kämpfe setzten sich nach Ostern weiter fort. Als nächste bedeutende Stadt fiel Stuttgart an die Aufständischen. Anfang Mai folgten, in Wiederaufnahme der „Bundschuh“-Tradition, Erhebungen im Markgräfler Land, im Breisgau, im Kraichgau sowie, bereits zum zweiten Mal, im Allgäu. In Würzburg übernahmen oppositionelle Bauern und Städter die Macht, konnten aber die Festung Marienberg, in der sich der Fürstbischof verschanzt hatte, nicht einnehmen.
Am weitesten gedieh der Widerstand in Württemberg, ein Jahrzehnt zuvor bereits Wirkstätte des „Armen Konrad“. Die Bauern und Städter im Herzogtum marschierten zusammen. Ihren Landesherrn akzeptierten sie weiter als Souverän, verlangten aber eine Vertretung im Landtag. Künftig sollte Herzog Ulrich gemeinsam mit einem Ausschuss regieren, bestehend aus je vier Bauern, Bürgern und Adligen.
Die Frage stellt sich, ob die Aufständischen imstande waren, die Rebellion in eine allgemeine Revolution münden zu lassen. Horst Buszello stellt die Gegenfrage: „Hätte die Summe aller erwarteten Neuerungen die überkommene Ordnung grundlegend, qualitativ verändert?“ Und beantwortet sie mit „nein“: Im Ideengut der Aufstände erkennt Buszello eine „bloße Übernahme oder Weiterführung schon vorhandener politischer Ideen“.
Auch in den Städten steigt die Unzufriedenheit
Nicht in Buszellos Raster passen die Vorgänge in Tirol. In der Grafschaft wie im angrenzenden Fürstbistum Brixen verbündeten sich, unter Führung Michael Gaismairs, Bauern und Städter. Nicht nur seine bäuerliche Herkunft prädestinierte Gaismair für seine Aufgabe. In seiner beruflichen Karriere hatte er zuvor sämtliche Stände durchlaufen: als Schreiber im Bergbauzentrum Schwaz, als Sekretär des höchsten Tiroler Beamten Leonhard von Völs und des Brixener Fürstbischofs Sebastian Sprenz.
Generell begehrten neben den Bauern vor allem Städter auf. Bei den Erhebungen in Oberschwaben, Franken und Tirol stellten sie sogar die Anführer: Sebastian Lotzer, ursprünglich Kürschner, später Schriftgelehrter, war Memminger Bürger; Wendel Hipler, Sekretär dreier Grafen von Hohenlohe, besaß vermutlich das Bürgerrecht in Öhringen; Michael Gaismair stammte von einem großen Bauernhof bei Sterzing, arbeitete als Schreiber und war Brixener Bürger.
Obwohl die wirtschaftliche Lage in den Städten besser war als auf dem Land, wuchs auch dort die Schar der Unzufriedenen. Ähnlich wie auf dem Land bot sich auch in den Städten kein einheitliches Bild. Nicht jeder, der innerhalb der Mauern lebte, besaß ein Haus oder das Bürgerrecht. Je länger die Pest-Epidemien zurücklagen – die Bevölkerungszahl wuchs wieder, damit stiegen die Preise, und die Löhne sanken –, wurde die Situation für die ärmeren Volksschichten wieder prekärer.
Die Frontenbildung vor allem zwischen Städtern und Klerus verdeutlicht ein Konflikt in der Kleinstadt Brixen, unterhalb des Brennerpasses gelegen. Die durchaus wohlhabenden Wirte dort wollten sich nicht damit abfinden, dass der Klerus sich in den Weinhandel in Stadt und Umland einmischte.
Ursprünglich verdienten die Gaststätten gut: Brixens günstige Lage an der Achse Augsburg–Venedig zog viele Fuhrleute und Händler an. Nun aber verkaufte das Kloster Neustift, das 82 Weingärten besaß, den Wein nicht nur, sondern schenkte ihn auch in improvisierten Schänken oder auf Volksfesten aus. Und das deutlich unter dem Preis, der in Gaststuben verlangt wurde.
Mehrfach kam es im Frühjahr 1525 zu Tumulten in Brixen, denen sich auch die Gäste der Wirte anschlossen. Neben Städtern waren viele Bauern aus dem Fürstbistum und dem Tiroler Umland unter ihnen – ein Musterbeispiel für eine „gemeinsame Frontstellung von innerstädtischer Opposition und Bauern gegen obrigkeitliche Ansprüche“, wie sie der Siegener Wirtschaftshistoriker Ulf Dirlmeier ausmachte.
Sturm auf das Kloster Neustift bei Brixen
Letztlich verliefen die Proteste im Sand. Die Wut aber blieb. Es bedurfte nur noch eines Ventils, sie zum Ausbruch kommen zu lassen. Am 9. Mai 1525 begann die Erhebung im Fürstentum Brixen und in der Grafschaft Tirol. Das reiche Neustift war eines der ersten Ziele der Aufständischen. Unter jenen waren zahlreiche Brixner Ackerbürger wie Peter Lanz, die in der Stadt wohnten, ihren Haupterwerb aber durch Landwirtschaft bestritten. Auch Lanz war in Neustift verschuldet.
Die Situation unmittelbar vor dem Sturm auf das Kloster schildert ein zeitgenössischer Chronist, der Brixener Dompropst Gregor Angerer. Nach seinem im Original auf Latein abgefassten Bericht „versammelten sich aus den Gerichten an Eisack und Rienz mehrere Scharen aus der übelsten Hefe“ und „berieten wegen eines Überfalls auf den Klerus … Derweilen kam ein vor Neid und Bösartigkeit platzender Mann, der Brixener Bürger Peter Lanz, auf den Einfall, unser Kloster anzugreifen. Diesem Plan stimmten die Aufständischen zu“.
Der Aufstand weitete sich rasch aus. Er kam erst zum Stillstand, als der österreichische Erzherzog Ferdinand, jüngerer Bruder und späterer Nachfolger Kaiser Karls V., einen außerordentlichen Landtag einberief, auf dem die gesammelten Beschwerden der Bauern und Städter verhandelt werden sollten.
Der Innsbrucker Landtag im Juni und Juli 1525 zeigt die politische Dimension des Aufstands. Drei Stände waren dort repräsentiert: Bauerntum (mehr als 200 Delegierte!), Bürgertum und Adel. Der Klerus blieb ausgeschlossen. Die große Mehrheit des Volkes ebenfalls: Nur wer einen Hof oder ein Haus besaß, durfte in Innsbruck teilnehmen.
Erzherzog Ferdinand beweist sein Verhandlungsgeschick
Diese soziale Diskrepanz machte sich Ferdinand zunutze. Anfangs isoliert, mit nur dem Adel als einziger Elite an seiner Seite, schaffte es der erst 22-Jährige mit großem Verhandlungsgeschick, die unteren Stände zu spalten. Schließlich gab es unter den Bürgern und Bauern Wohlhabende und Ärmere; solche, die den Besitzstand wahren wollten und andere, die auf ein besseres Leben hofften – kurz gesagt: gemäßigte und radikale Vertreter.
Gleichwohl befand sich Ferdinand in der Defensive. Verhandelt wurde in Ausschüssen von jeweils 16 Bauern, Städtern und Adligen; abgestimmt nicht wie zuvor getrennt nach Stand oder Kurie, sondern en bloc. Stimmen waren nicht gewichtet, jetzt zählte jede Stimme einzeln und gleich viel. Insgesamt 96 Artikel, basierend auf den Beschwerden der Bauern und Städter, standen zur Diskussion; drei Viertel fanden den Weg in die neue Landesordnung.
Bei den Abstimmungen kam es zu wechselnden Allianzen zwischen Bauern, Bürgertum und auch Adel. Etwas vereinfacht gesagt: Geld stimmte mit Geld, Arme blieben außen vor. Die Privilegien der Geistlichkeit, da waren sich die drei übrigen Stände einig, wurden abgeschafft, Dienste und Abgaben gemindert.
Der kontrovers, aber friedlich verlaufene Landtag geriet zu einer Sternstunde in vorparlamentarischer Demokratie. Die beiden unteren wurden den beiden oberen Ständen rechtlich gleichgestellt. Doch nur wohlhabende Bauern und Bürger profitierten von den Beschlüssen. Für landlose Bauern, Tagelöhner, städtische Arbeiter oder Handlanger – die große Bevölkerungsmehrheit – ergaben sich weder ökonomische noch soziale Verbesserungen.
Doch konnten Ferdinand und die Vertreter der Stände „das Rad der Zeit nicht ohne weiteres zurückdrehen“, stellt der Innsbrucker Rechtshistoriker Martin Schennach fest. Auch wenn in der nächstfolgenden Landesordnung dem Klerus wieder politisches Mitspracherecht zugestanden wurde, blieb Tirol fortschrittlich: Es gab keine Revision oder gar Rücknahme von Freiheitsrechten.
Nicht auf dem Innsbrucker Landtag anwesend war Michael Gaismair. Er blieb in Brixen, wo er das Fürstbistum als Statthalter des Erzherzogs regierte. Gaismair war enttäuscht, da das ursprüngliche Ziel der Aufständischen, eine gottgegebene durch eine egalitäre Ordnung zu ersetzen, nicht erreicht wurde. In der Folge kam es zum Bruch mit Ferdinand.
Im Schweizer Exil skizzierte Gaismair dann seine eigene Landesordnung: den Entwurf einer Republik, in der nur Bauern und Städter etwas zu sagen hatten und weder Eliten wie Adel oder Klerus und auch kein Monarch vorgesehen waren. Gaismair fiel 1532 in Padua einem von Habsburg beauftragten Mörder zum Opfer.
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