Ein erster Versuch scheiterte 1559 nach nur vier Jahren: Die Portugiesen, die die Bucht von Rio de Janeiro für sich beanspruchten, vertrieben die Hugenotten gewaltsam. Aber schon Anfang 1562 liefen erneut zwei Schiffe von Le Havre aus, dieses Mal in Richtung Nordamerika. Das Kommando führte Jean Ribault, ein hervorragender Seemann und überzeugter Hugenotte. Veranlasst hatte die Fahrt Admiral Gaspard de Coligny, der Führer der französischen Protestanten, der besorgt war hinsichtlich der Sicherheit seiner Glaubensbrüder. Nicht ohne Grund: Drei Tage nachdem die Schiffe in See gestochen waren, begann in Vassy (Normandie) mit einem Blutbad der erste Hugenottenkrieg; ihm sollten bis zum Ende des Jahrhunderts sieben weitere folgen. Die Hugenotten suchten eine sichere neue Heimstatt. Zudem sollten sie Land, das kein anderer europäischer Herrscher beanspruchte, für die Anlage einer Kolonie ausfindig machen und für die französische Krone in Besitz nehmen. An Bord befand sich auch eine Reihe abenteuerlustiger junger Adliger. Zumindest nominell waren alle Protestanten, doch trieb sie gleichermaßen die Hoffnung an, in Amerika ihr Glück machen zu können.
Am 30. April 1562 erreichten sie die Küste Floridas. Auf einer Erkundungsfahrt nach Norden stießen die Franzosen am heutigen Port Royal (South Carolina) auf einen großen Naturhafen und gingen an Land. Mit kleinen Geschenken wie Messern, Glasperlen und Spiegelchen gelang es, zwei Indianer an Bord zu locken: Man wollte sie kidnappen, denn Katharina von Medici, Königinmutter und Regentin für ihren unmündigen Sohn Karl IX., hatte Ribault beauftragt, einen oder mehrere nordamerikanische „Wilde“ zurückzubringen; allerdings gelang den beiden Kriegern eines Nachts die Flucht.
Für eine Koloniegründung schien der Platz nahezu ideal. Die Wälder waren voll von Wild, vor allem Trut- und Rebhühnern, Schwarzbären, Luchsen und ungewöhnlich großen Hirschen. Um bis zur Rückkehr mit neuen Kolonisten den Platz zu sichern, beschloss Ribault, einen Teil seiner Mannschaft zurückzulassen. Dafür meldeten sich reichlich Freiwillige, denn die Männer hatten phantastische Vorstellungen von den Reichtümern, die in diesem Landstrich zu finden wären. Schließlich blieben 30 Mann. Sie bauten ein kleines Fort, das sie zu Ehren des französischen Königs Karl IX. „La Caroline“ nannten.
Doch bald litten sie Hunger. Unter der Mannschaft befand sich niemand, der mit Ackerbau vertraut war, und so waren die Männer, als sie ihre geringen Vorräte aufgebraucht hatten und da sie die natürlichen Nahrungsquellen des fremden Landes nicht zu nutzen wussten, von den Lebensmittellieferungen der umwohnenden Indianer abhängig. Diese gaben auch, was sie erübrigen konnten. Da die Indianer aber Subsistenzwirtschaft betrieben, also nur für den eigenen Verbrauch produzierten, konnten sie die Franzosen nicht auf Dauer miternähren. Hinzu kam, dass es bis zur Ernte noch mehrere Wochen hin war. Die Männer sahen keinen Ausweg mehr, und so beschlossen sie, unter einem neuen Kommandanten – den ersten, sich allzu herrisch Gebärdenden lösten sie durch eine Meuterei ab – eine Brigantine zu bauen und damit die Heimreise zu unternehmen. Das waghalsige Unternehmen gelang. Allerdings verfielen die Männer, als der wenige Proviant aufgezehrt war, dem Kannibalismus: Sie töteten einen Gefährten, den sie durch Los bestimmten; sein Fleisch erhielt die Übrigen am Leben.





