Die Schlacht von Salamis ist gleichermaßen Symbol und Bestätigung kulturpolitischer Gemeinplätze geworden. Zu ihnen gehören vor allem die Überlegenheit der griechischen Zivilisation über die orientalischen Barbaren, die Perser als Feind im Osten und Xerxes als brutaler und anmaßender Tyrann. Bis heute gipfelt das negative Bild des Xerxes als zentraler Schlüsselfigur im tiefen Fall des schier allmächtigen Großkönigs. Doch wird diese Charakterisierung dem historischen Xerxes gerecht? Warum führte er weit weg von seinen Residenzen einen Krieg in Griechenland? Ist seine Motivation aus der Perspektive des persischen Großreichs und im Rahmen seiner Kultur nicht nachvollziehbar? Die letzte Frage ist besonders schwierig zu beantworten, da es keine historischen Quellen der Perser gibt, die ihre Sicht auf die Griechen vermitteln. Für die Geschichte des Perserreichs ist man überwiegend auf die Darstellungen der antiken griechischen Historiker angewiesen, die ideologisch gefärbt waren. Es ist schwierig, sich von ihrer gräkozentrischen Sicht zu lösen und einem altpersischen Verständnis gerecht zu werden.
Der Begründer des persischen Großreichs war Kyros der Große (II.) aus der Familie der Achämeniden. Im 6. Jahrhundert v. Chr. unterwarf er in schneller Folge von Persien aus die medischen Nachbarn, das Lyderreich des sagenhaften Kroisos und das neubabylonische Reich Nabonids. Sein Nachfolger Kambyses setzte diese Eroberungspolitik fort und unterwarf 524 v. Chr. Ägypten. Politische Gegner am persischen Hof nutzten die Abwesenheit des Großkönigs und beseitigten seinen Sohn. Auf dem eiligen Rückweg aus Ägypten verunglückte Kambyses und starb. In Persien hatte inzwischen der Priester Gaumata die Regierung übernommen und führte sie erfolgreich für zwei Jahre. Seine Politik ging auf Kosten der alten Adelshäuser, von denen sich daher sieben Vertreter um den jungen Dareios zu einem Putsch vereinten. Sie stürzten Gaumata 521 v. Chr. und erhoben Dareios zum neuen Großkönig.
Nachdem Dareios Aufstände in beinahe allen Reichsteilen niedergeschlagen hatte, festigte er seine Herrschaft durch tiefgreifende Reformen, vor allem in der Organisation des Heeres, in der Verwaltung und in der Rechtsprechung. So konnte er das große Vielvölkerreich als eine politisch geschlossene Einheit etablieren. Gleichzeitig stellte er sich in die Tradition der achämenidischen Königslegitimation, das heißt, er demonstrierte die Rechtmäßigkeit seiner Herrschaft durch die erfolgreiche Erweiterung des Reichs. 516 v. Chr. gliederte er wohl Nordindien seinem Reich an, 513 v. Chr. zog er über den Hellespont gegen Makedonien und die thrakischen Skythen. Während der Skythenzug beinahe zu einem Desaster geworden wäre, gelang 512 v. Chr. die Eroberung Makedoniens, so dass sich die weitere Expansion des Reichs nach Westen anbot.
Dareios war über die wirtschaftlichen und strategischen Vorzüge Griechenlands genau informiert. Griechische Gelehrte, Ärzte, Händler und Gesandte an seinem Hof hatten ausführliche Berichte geliefert. Angeblich entsandte der König eine Expedition unter Führung seines griechischen Leibarztes Demokedes von Kroton nach Griechenland, um diese Aussagen zu überprüfen und die taktischen Voraussetzungen für eine Eroberung zu erkunden. Den Anlass dazu gab schließlich der Aufstand verschiedener griechischer Städte in Kleinasien, die zum Perserreich gehörten. Im Ionischen Aufstand (498 – 494 v. Chr.) unter Führung des Aristagoras von Milet gelang es diesen kleinasiatischen Städten, die militärische Unterstützung von Athen und Eretria zu gewinnen. 494 v. Chr. entsandte Dareios sein Heer unter der Führung des Strategen Mardonios nach Kleinasien, der die Erhebung niederschlug und die von den Städten gewünschte „demokratische“ Selbstverwaltung installierte. Es blieb nur noch, Athen und Eretria für die Unterstützung der Aufständischen zu bestrafen. Der Ionische Aufstand hatte Dareios gezeigt, dass Griechenland keine geschlossene politische Größe war, sondern aus einzelnen Gemeinwesen bestand, allen voran den Konkurrenten Athen und Sparta…





