Beethoven war schon vor seinem Umzug in Wien gewesen. 1787 erbat sich der hochbegabte 17-Jährige bei Mozart kompositorische Anregungen; dessen Einfluss ist denn auch in Frühwerken nicht zu überhören. Fünf Jahre später kam er wieder, um von Joseph Haydn zu lernen, doch es fehlte an einem gemeinsamen Grundverständnis über Musik und Komposition. Er habe „nie etwas von ihm gelernt“, soll sich der Schüler über Haydn einmal pikiert geäußert haben.
Noch ahnte Beethoven nicht, dass er in Wien bis an sein Lebensende 1827 bleiben würde. Er wechselte ständig seine Wohnorte und Feriendomizile, von der Innenstadt an den Stadtrand oder darüber hinaus und wieder zurück. So kann man heute in Wien und Umgebung gleich drei Beethoven-Museen besichtigen, die in den gut erhaltenen Wohnungen eingerichtet wurden: das Museum in Heiligenstadt im nördlichen Bezirk Döbling, das Beethoven Pasqualatihaus an der Mölker Bastei im Zentrum – beide firmieren unter dem Dach des Wien Museums – sowie das Beethovenhaus im Kurstädtchen Baden bei Wien.
Heimisch fühlte sich Beethoven an der Donau nie. Die Wiener Gesellschaft blieb dem menschenscheuen Rheinländer auch dann noch fremd, als sie ihn als Komponisten und Pianisten feierte und er die Unterstützung reicher adliger Musikliebhaber genießen konnte, die ihn aller finanziellen Sorgen entledigte. Er arbeitete wie besessen, innerhalb von 20 Jahren komponierte er in Wien 20 seiner 32 Klaviersonaten und sechs seiner neun Symphonien.
Doch die Gesundheit machte ihm zunehmend zu schaffen. 1802 zog er auf ärztlichen Rat hin von der Innenstadt in den damals noch außerhalb Wiens gelegenen Kurort Heiligenstadt, der für seine Schwefelwasserquelle bekannt war. Die Hoffnung auf Heilung erfüllte sich nicht. Heiligenstadt war Ausgangspunkt seines erfolglosen Kampfes gegen die fortschreitende Taubheit und andere Krankheiten, die er durch seine Alkoholsucht noch verschärfte. Kuraufenthalte und häufige Spaziergänge an der frischen Luft brachten immerhin zeitweilige Erholung und neue Kraft für die Arbeit: „Mein unglückseliges Gehör plagt mich hier nicht. Ist es doch, als ob jeder Baum zu mir spräche.“
Das Museum in der Probusgasse 6, seinem früheren Wohnort in Heiligenstadt, ist ein modern gestalteter Ausstellungsparcours, der in sechs Themenbereichen gegliedert Beethovens Wiener Jahre erzählt. Im sogenannten Erinnerungsspeicher wird Besuchern eine Fülle von handschriftlichen Skizzenbüchern, Briefen, Konversationsnotizen und Alltagsgegenständen präsentiert. In dem ehemaligen, umgebauten Bauernhaus mit dem idyllischen Innenhof verfasste Beethoven auch sein „Heiligenstädter Testament“, einen an seine Brüder adressierten Abschiedsbrief voller Verzweiflung und Zukunftsangst, den er aber nie zur Post brachte. Das Museum präsentiert eine Kopie davon, denn das Original befindet sich in der Staats- und Universitätsbibliothek in Hamburg.





