Die Liebieghaus Skulpturensammlung in Frankfurt zeigt in der Antikenausstellung „Zurück zur Klassik. Ein neuer Blick auf das alte Griechenland“ noch bis zum 26. Mai 2013 beeindruckende altgriechische Kunstwerke. Anhand von rund 80 herausragenden Arbeiten, darunter Bronzeskulpturen, Vasen, Malereien, Terrakotten sowie bemalte, figürliche Gefäße bietet das großangelegte Ausstellungs- und Forschungsprojekt einen neuen Zugang zur Kunst- und Kulturgeschichte der griechischen Klassik im 5. und 4. Jahrhundert vor Christus. Originale Meisterwerke der griechischen Bronzeplastik und Malerei – darunter spektakuläre Neufunde aus Porticello und Brindisi – ermöglichen ein anderes, unverfälschtes Bild der klassischen Kunst. Neben zahlreichen Leihgaben aus internationalen Sammlungen, u. a. aus Berlin, London, New York, Paris, Rom und St. Petersburg, lassen die unter Berücksichtigung neuester wissenschaftlicher und technologischer Aspekte entwickelten Rekonstruktionen der berühmten Statue eines Riace-Kriegers (460–450 v. Chr) sowie des bekannten, farbenprächtigen Jagdfrieses von Vergina von der Grabfassade des Makedonen-Königs Philipp II. (um 320 v.Chr.) das ursprüngliche Aussehen weltberühmter Originale wiedererstehen. Die zur Ausstellung erschienene Publikation bietet einen differenzierten Überblick über die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur griechischen Klassik. Die fünf Hauptkapitel orientieren sich am Ausstellungskonzept und führen narrativ und kontextbildend durch die Kunstgattungen und ihre Epochen zurück zur ursprünglichen altgriechischen Kunst. Im ersten Abschnitt wird die „andere“, verfremdete Klassik vorgestellt, gefolgt von der Schaffensperiode zur Zeit der Perserkriege und der Frühen Klassik. Das dritte, sehr umfangreiche Kapitel befasst sich mit den klassischen Skulpturen, das darauffolgende mit der klassischen Malerei der griechischen Antike. Ein weiterer Abschnitt befasst sich in mehreren Abhandlungen mit Theorie und Technik der Bronzeskulptur. Der letzte Teil des Buches enthält den eigentlichen Katalog zur Ausstellung. Detailliert werden darin die einzelnen Objekte ikonographisch und historisch erläutert. So etwa die bronzene Statue eines Faustkämpfers aus dem 4. oder 3. Jahrhundert v. Chr., welche die Titelfigur der Ausstellung und des Katalogs ist, der marmorne Kopf des Herakles aus dem Zeustempel von Olympia aus dem 5. vorchristlichen Jahrhundert oder eine attisch-rotfigurige Bauchamphora, deren klassische Farben jedem Griechenland-Urlauber bekannt sein dürften. Der aufwendig gestaltete Katalog ist mehr als nur ein Begleitbuch zur Ausstellung. Dank seiner guten Strukturierung ermöglicht er dem Leser ein spannendes und lehrreiches Studium der klassischen Antike und ihrer richtungsweisenden Ästhetik. Die hervorragende Qualität der Abbildungen sowie Detailvergrößerungen ermöglichen eine Bildungserfahrung der besonderen Art und eröffnen eine optische Dimension, die manchem Ausstellungsbesucher verborgen bleiben mag.
Rezension: Christian Volkholz





