„Die Chance, zwei Museumsneubauten in einem Gartendenkmal zu platzieren, war Anlass zueiner besonders sorgfältigen Prüfung der Rahmenbedingungen“, betonte Oberbürgermeister HiIgen. Vor dem Hintergrund des zwischen Stadt und Land geschlossenen Kulturvertrags seien die Neubauvorhaben Leuchttürme bei der Neuordnung der Museumslandschaft Kassel. „Die Stadt Kassel will das Thema Grimm unter musealen, kulturwirtschaftlichen, wissenschaftlichen und baulichen Aspekten neu positionieren. Diese große Herausforderung erfordert sorgfältige Vorbereitung mit gutachterlicher Unterstützung“, sagte Hilgen. Nach den langen Diskussionen über mögliche Standorte sei es zunächst wichtig gewesen, ein inhaltliches Konzept für das Brüder Grimm-Museum und die geplante Grimm-Welt zu erarbeiten. Das Grimm-Konzept war am 21. Mai 2010 vorgestellt worden. Dabei wurde deutlich, dass das Palais Bellevue, bisher Standort des Brüder Grimm-Museums, wegen der zu erwartenden Besucherzahlen von 80.000 bis 120.000 im Jahr nicht die notwendige räumliche Perspektive bietet. Die Investitionskosten für den Neubau bezifferte Hilgen mit 18,2 Millionen Euro.
Für ein vom Brüder Grimm-Museum und dem Tapetenmuseum gemeinsam genutztes Gebäude auf dem Weinberg waren im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens die städtebaulichen Auswirkungen anhand eines Baumassenmodells geprüft worden. „Dabei zeigte sich, dass ein massiver Baukörper, wie er für ein einziges Gebäude notwendig wäre, an dieser Stelle nicht möglich ist“, hoben Oberbürgermeister Hilgen und Ministerin Kühne-Hörmann hervor. „Außerdem sind die beiden Museen sowohl funktional als auch thematisch zu unterschiedlich“, ergänzte der Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel, Prof. Dr. Bernd Küster. Gemeinsam genutzte funktionale Bereiche, wie zum Beispiel Veranstaltungsräume oder Cafeteria, hätten zudem den Finanzierungsrahmen gesprengt. Im Lenkungsausschuss habe man vor diesem Hintergrund rasch Einvernehmen darüber erzielt, die zur Diskussion stehenden Standorte mittels gutachterlicher Stellungnahme zu prüfen.
Für den Bau des städtischen Brüder Grimm-Museums ist ein fester Zeitrahmen vorgegeben, nachdem der Hessische Minister für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, Dieter Posch, zugesagt hat, sechs Millionen Euro aus dem EFRE-Strukturfonds der Europäischen Union zur Finanzierung beizutragen. Dieser Fonds läuft von 2007 bis 2013. Das Brüder Grimm-Museum soll nach den Worten von Oberbürgermeister Hilgen 2014 eröffnet werden. Zunächst müssten die städtischen Gremien über den Vorschlag beraten: Im Magistrat werde die Vorlage zur Standortentscheidung und die Auslobung eines Architektenwettbewerbs am 17. Dezember 2010 behandelt; die Stadtverordnetenversammlung werde am 4. Februar 2011 darüber beraten. Ministerin Kühne-Hörmann ergänzte zu dem auf 11,5 Millionen Euro veranschlagten Tapetenmuseum: „Da für dieses Grundstück, anders als beim Brüder Grimm-Museum, noch kein Baurecht gegeben ist, muss hier als erster Schritt das Bebauungsplanverfahren als planungsrechtliche Grundlage für den Museumsneubau bis zur vorgezogenen Bürgerbeteiligung durchgeführt und nach Abschluss des vorgesehenen Architektenwettbewerbs fortgesetzt werden. Mit dem Baubeginn ist nach realistischer Einschätzung 2013 zu rechnen, mit der Fertigstellung 2015.“





