Um die Mitte des 12. Jahrhunderts, überliefert ist das Jahr 1147, entstand dort, wo das Flüßchen Neglinnaja in die Moskwa floß, eine hölzerne Burg, die später zur Hauptstadt des Landes wurde: Moskwa – Moskau, mit einer Stadtburg bzw. Zitadelle, deren Name “Kreml” weltbekannt, aber nicht eindeutig bestimmt ist, denn auch die Zitadellen anderer russischer Städte werden als “Kreml” bezeichnet. Aus späterer Zeit, als Moskau bereits das “Dritte Rom” genannt wurde, ist eine Gründungslegende überliefert, die – wohl bewußt am “alten” Rom orientiert – von Mord und Blutvergießen bei der Gründung dieser Stadt berichtet.
Ein Blick auf den ersten handwerklich gut gezeichneten Plan des Kreml zeigt seinen Zustand zu Beginn des 17. Jahrhunderts und läßt erkennen, wie weit die moderne Vorstellung vom Kreml sich von seiner historisch gewachsenen Gestalt unterscheidet. Das sumpfige Flüßchen Neglinnaja ist im 19. Jahrhundert umgeleitet und zu einer Parkanlage umgestaltet worden. Der Wassergraben an der Ostseite, dort wo heute das Lenin-Mausoleum steht, ist ein Werk italienischer Festungsbaumeister des 16. Jahrhunderts. Sie trennten den Kreml, der bereits von turmbewehrten Mauern umgeben war, durch einen tiefen, mit Ziegeln ausgemauerten und von Mauern eingefaßten Graben noch zusätzlich von der Stadt ab. So war die Zitadelle von allen drei Seiten geschützt – jedenfalls vor Angreifern ohne Belagerungsartillerie. Ein solcher Schutz war auch dringend notwendig, denn aus der Steppe drohte stets Gefahr: Noch 1571 wurde die Stadt samt Kreml von den Krimtataren überfallartig angegriffen und niedergebrannt. Der deutsche Söldner Heinrich von Staden hat die Katastrophe beschrieben und merkte an, daß man danach nicht einmal mehr einen Pfahl gefunden habe, an dem man sein Pferd hätte anbinden können.
Lange Zeit stand Moskau im Schatten der großen Städte und Residenzen Nordost-Rußlands, vor allem der Zentren Susdal und Wladimir. Doch nach der systematischen Zerstörung der russischen Städtelandschaft im Mongolensturm von 1238 bis 1241 und dem folgendem Wiederaufbau haben energische und skrupellose Fürsten die neuen Chancen, die sich ihnen unter der mongolischen Fremdherrschaft boten, genutzt. Die Moskauer Fürsten paßten sich der neuen Situation an und arbeiteten für die mongolische Besatzungsmacht, wurden sogar deren Beauftragte (Baskaken) für das Sammeln und Abliefern des Tributs in der “Goldenen Horde”. Dabei scheint Bestechung und Unterschlagung sowohl beim Eintreiben in den russischen Fürstentümern als auch beim Abrechnen in der Goldenen Horde eine große Rolle gespielt zu haben; nicht ohne Grund ist Fürst Iwan I. (1325–1341) unter dem Beinahmen “Kalita” – Geldsack – bekannt geworden. Um den Metropoliten von ganz Rußland – der bis zur Zerstörung der Hauptstadt Kiew dort residiert hatte und später nach Nordosten, in die Stadt Wladimir, umgesiedelt war – nach Moskau zu locken, ließ Iwan 1326/27 die erste Steinkirche des Kreml, die Marien-Kathedrale (Uspenski sobor) errichten. Metropolit Pjotr übersiedelte nach Moskau, residierte dort unter dem Schutz Iwans I., starb 1326 und wurde in der Marien-Kathedrale bestattet. Sie ist später zur Hauptkirche der russischen Orthodoxie und Metropolit Peter zum Schutzheiligen der Stadt Moskau geworden.





