Fatales Ende einer Expedition
Der britische Marineoffizier John Franklin brach im Jahr 1845 mit den Schiffen HMS Erebus und HMS Terror auf, um die Nordwestpassage zu erforschen. Ziel war es, einen schiffbaren Durchlass vom Atlantik in den Pazifik zu finden – und damit eine arktische Abkürzung zwischen den beiden Meeren. Doch die Franklin-Expedition endete in einer Katastrophe: Die Schiffe steckten im Eis fest, Mannschaft und Schiffe blieben verschollen.
Erst Jahre später entdeckte eine Suchexpedition auf King William Island in der kanadischen Arktis Gräber und schriftliche Aufzeichnungen, die Franklins Tod am 11. Juni 1847 belegen. In einer im darauffolgenden April unter einem Steinhaufen hinterlassenen Notiz berichten die stellvertretenden Expeditionsleiter, dass die 105 noch lebenden Männer die beiden Schiffe aufgegeben haben und sich nun zu Fuß nach Süden durchschlagen wollen. Das jedoch endete tödlich – die Männer blieben im Eis verschollen, ebenso ihre beiden Schiffe HMS Erebus und HMS Terror.
Zweites Wrack gefunden
Seit mehreren Jahren führen Expeditionen der kanadischen Regierung und einiger Non-Profit-Organisationen eine gezielte Suche nach den Wracks der beiden Schiffe in der Nordwestpassage durch. Im Jahr 2014 gab es einen ersten Erfolg: Die Unterwasser-Archäologen fanden das Wrack der HMS Erebus am Meeresgrund in einer Bucht der Queen Maud Bay – und damit sehr viel weiter südlich als erwartet.
Jetzt könnte die Suchexpedition auch das zweite Schiff der gescheiterten Franklin-Expedition aufgespürt haben. Auch dieses Wrack liegt viele weiter südlich als erwartet, am Südende der Victoria Strait in einer Bucht der King William Insel. Entdeckt wurde es nur deshalb, weil ein Innuit sechs Jahre zuvor in dieser Gegend ein langes Holzstück aus dem Wasser ragen sah – ähnlich einem alten Mast. Eines der Suchschiffe ging der Sache nach und wurde fündig.
Aufrecht und mit geschlossenen Luken
Das Schiffswrack liegt in 24 Metern Tiefe fast aufrecht auf dem Meeresgrund und ist bemerkenswert gut erhalten, wie Adrian Schimnowski von der Arctic Research Foundation berichtet. Die drei Masten sind zwar gebrochen, aber noch aufrecht, alle Luken sind geschlossen und sogar die Fenster der Kapitänskajüte sind noch intakt. “Wenn man dieses Schiff heben könnte und das Wasser herauspumpen, dann würde es wahrscheinlich sogar noch schwimmen”, sagte Schimnowski gegenüber der Zeitung “The Guardian”.
Noch steht die offizielle Identifizierung des Wracks aus. Doch das Aussehen des Schiffs und ein über Deck aufragender Schornstein sprechen nach Ansicht der Forscher dafür, dass es sich um das verschollene Schiff HMS Terror der Franklin-Expedition handelt. Mit Hilfe eines Tauchroboters gelangen sogar erste Aufnahmen aus dem Inneren des Wracks unter anderem aus der Schiffsmesse, einigen Kabinen und einer Speisekammer. Zu sehen sind leere Regale, Tische, ein Schreibtisch mit einer offenen Schublade und zwei Weinflaschen. An der Außenseite des Wracks wurde ein langes, dickes Tau entdeckt, bei dem es sich um ein Ankertau handeln könnte.





