Eine mit einer ausführlichen Einleitung versehene Edition der Briefe der schwedischen Prinzessin bietet nun umfassende Einblicke in Annas Lebensgeschichte, ihre Überzeugungen und ihre vielfältigen Interessen. Ihre Briefe schrieb Anna auf Schwedisch, Deutsch und Polnisch. Die Edition erschließt die gesamte Korrespondenz durch Regesten in deutscher Sprache.
Die überlieferten Briefe zeichnen das Bild einer Frau, die regen Anteil an den politischen Ereignissen ihrer Zeit nahm. Anna war eng verbunden mit ihrem älteren Bruder Sigismund. Nachdem er 1587 zum König von Polen gewählt worden war, begleitete sie ihn in sein neues Königreich. In der folgenden Zeit spielte die Prinzessin, die zeit ihres Lebens ledig blieb, eine bedeutende Rolle als seine Beraterin und Vertraute. Dass Anna unverheiratet und zugleich belesen und charakterstark war, erregte beim traditionell eingestellten Adel jedoch Missgunst.
Zudem war Annas Leben in besonderem Maße von konfessionellen Spannungen geprägt: Zunächst katholisch erzogen, trat sie 1583 zur lutherischen Kirche über und blieb dieser Entscheidung bis zu ihrem Tod treu. Dies rief beim katholischen Adel in Polen besonderen Unmut hervor.
Neben ihren politischen und familiären Aufgaben widmete sich Anna mit großem Interesse der Botanik. Eigene gesundheitliche Probleme brachten sie früh dazu, sich mit Pflanzenheilkunde zu befassen. Anna unterhielt Kontakte zu Ärzten und Botanikern, sie fertigte Herbarien an, wirkte an der Herausgabe zweier botanischer Werke mit und legte eigene Gärten an.
Die Briefedition ist für die Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit eine wertvolle Quelle. Sie macht nicht nur politische Netzwerke und Entwicklungen der Zeit sichtbar, sondern dokumentiert auch den Alltag, die Handlungsräume und Interessen einer adligen Frau, deren Leben von den Umbrüchen des damaligen Europa geprägt war.





