Max von Oppenheim wurde am 15. Juli 1860 in eine der führenden deutschen Bankiersdynastien hineingeboren. Sein Vater Albert war Erbe des 1789 gegründeten Bankhauses Sal. Oppenheim jr. & Cie., das sich damals auf der Höhe seiner Entwicklung befand. Früher als andere Bankiers hatten die Oppenheims die Möglichkeiten erkannt, die sich aus der in Deutschland in den 1830er Jahren einsetzenden Industrialisierung ergaben. An der Gründung von Eisenbahnlinien, Versicherungen, Großbanken, Bergbau-, Maschinenbau- und Hüttenunternehmen waren sie in vorderster Linie beteiligt. Als karitative Wohltäter und Mäzene lebte die Familie Oppenheim zudem die klassischen Bürgertugenden. Politisch zählten ihre Mitglieder bis zur Revolution von 1848 zu den rheinischen Liberalen, die vom König Reformen in Wirtschaft und Gesellschaft forderten, insbesondere die Stellung der preußischen Juden betreffend, zu denen sie gehörten.
Max von Oppenheims Mutter Paula, geborene Engels, entstammte einem alten Kölner Kaufmannsgeschlecht. Kurz vor der Eheschließung 1858 nahm Albert Oppenheim den katholischen Glauben seiner Braut an und folgte damit der gängigen Tendenz der Oppenheims zur Assimilation. Zum wirtschaftlichen Erfolg der Familie kam 1867 der gesellschaftliche Glanz des Freiherrentitels hinzu. Die Beziehungen in der Familie scheinen warmherzig und eng gewesen zu sein. Der Vater widmete sich neben dem Bankgeschäft vor allem dem Ausbau der ererbten Gemäldesammlung. Sein Ruf als Kunstkenner und -sammler reichte bald über die Grenzen seiner Vaterstadt hinaus.
Unternehmender Schwung, ein Hang zu Geselligkeit, Großzügigkeit, Liebe zu Kunst und Kultur, Weltläufigkeit, ein Gefühl von Sicherheit und ein belastbares Selbstbewusstsein waren die prägenden Elemente, die Max von Oppenheim durch Familie und Erziehung mit auf den Weg bekam. „Ich war immer stolz, ein Oppenheim gewesen zu sein und immer stolz auf unser Bankhaus in Köln, das von Anfang an in so vornehmer Weise geblüht hat und das so viel zu der wirtschaftlichen und damit auch kulturellen Entwicklung der westlichen preussischen Provinzen beigetragen hat“, schrieb er 1935 seinem Neffen Waldemar.
Für seinen Sohn plante Albert von Oppenheim ganz selbstverständlich eine Ausbildung als Nachfolger in der Bank. Max hatte andere Vorstellungen. Seit der Halbwüchsige eine Ausgabe von „1001 Nacht“ gelesen hatte, ließ ihn der Gedanke nicht los, „Forschungsreisender im islamischen Orient zu werden“. Nicht minder begeisterten ihn die Abenteuer und Reisebeschreibungen der deutschen Afrikaforscher. Was seine Eltern zunächst wohl als jugendliche Flausen einstuften, reifte mit den Jahren zum ernsthaften Ziel. Der Vater war entsetzt, als Max nicht von seinen „tragischen Passionen“ lassen wollte. Es begann ein jahrelanges Kräftemessen. Als Kompromiss einigte man sich auf ein Jurastudium. In Straßburg, wo sich Max von Oppenheim immatrikulierte, verbrachte er jedoch mehr Zeit mit seinen Corpsbrüdern der Verbindung „Palatia“ als im Hörsaal.





