“Nein, Bonaparte! Dich zu lieben, ist ferner nicht mehr möglich. Du machst es zu arg. Du thust gerade das Gegentheil von dem, wessen die Moral, die Tugend und Vernunft zu Dir sich versahen. Viele Tausende in Deutschland, die enthusiastisch an Dir hingen, deren Idol du mehrere Jahre hindurch warst, können nicht anders, sie müssen … eingestehn, daß Du nicht einmahl ein außerordentlicher Mann, sondern ein ganz gemeiner Heuchler, ein platter Narr, Summa Summarum, ein Bösewicht geworden bist. … Betrogene Liebe verwandelt sich mit Recht in bittern unversöhnlichen Haß.“ Mit diesen harten Worten wandte sich der preußische Spätaufklärer Hans von Held in seinem 1804 anonym publizierten „Sendschreiben an Bonaparte“ enttäuscht an Napoleon.
Noch ein Jahr zuvor hatte Held in der „Minerva“, einer der einflussreichsten Zeitschriften der deutschen Spätaufklärung, die geplante Englandinvasion, zu der Napoleon seine Armeen an der Kanalküste versammelt hatte, freudig begrüßt. Held kann hier exemplarisch für die enormen Wandlungen stehen, denen das Napoleon-Bild in der deutschen Öffentlichkeit zwischen Spätaufklärung und Befreiungskriegen unterworfen war.





