Was er dann bietet, ist eine kurzgefaßte Darstellung, konzentriert auf Politik, Krieg und Geist, gruppiert um die Leuchttürme Homer, Thales, Themi-stokles, Perikles, Platon, Alexander, Scipio Africanus, Caesar, Cicero, Augustus, Paulus und Augustinus, geschrieben mit der Absicht, „eine ausgewogene, behutsame Perspektive auf die abendländische Kultur wiederzugewinnen“. Das ist eher aus der amerikanischen Wahrnehmung gedacht, wo die „Bedeutung der griechisch-römischen Antike als Grundlage dieser Kultur“ im Streit zwischen dem Kanon einer Leitkultur und den Ansprüchen von race, gender und minorities massiver Kritik ausgesetzt ist. Hierzulande ist man wohl insofern einen Schritt weiter, als das antike Erbe in seiner traditionellen Gestalt weitgehend vergessen, als Anregung aber weiter wirksam ist.
Um es als Stachel und Herausforderung zum Denken neu zu entdecken, bietet Richard leider nur wenige Ansätze, dafür profunde Einsichten wie diese: „Wie die Hebräer, so unterschieden sich auch die Griechen von anderen Völkern.“ Richards Anliegen berührt durchaus sympathisch, er hat viel recherchiert und schreibt lesbar. Dennoch: Auch ein nicht allzu anspruchsvoller Leser sollte sich im Jahr 2006 nicht zufriedengeben mit windschiefen Merksätzen wie „Themistokles, Führer des demokratischen Athen während der Perserkriege, rettete die griechische Zivilisation, indem er die persische Invasion Griechenlands verhinderte.“
Rezension: Walter, Uwe





