Es war die bis dahin größte Schlacht der Menschheitsgeschichte, der endgültige Schlussstrich unter der Herrschaft Napoleons in Deutschland und ein Angelpunkt deutscher Identitätsbildung und nationaler Einigung. Doch wie erlebte der einfache Soldat die Völkerschlacht bei Leipzig? Zum 200. Jahrestag der Schlacht gelingt dem Zeitbrücke Verlag unter dem Titel: „1813 – Der Rekrut“ eine würdige Hörbuchumsetzung des historischen Romans „Histoire d’un conscrit de 1813“, der 1864 von den französischen Autoren Emile Erckmann und Alexandre Chatrian veröffentlicht wurde. Nachdem die „Grande Armée“ in den Weiten Russlands nahezu vollständig untergegangen ist, müssen in kurzer Zeit 300.000 neue Soldaten ausgehoben werden. Unter ihnen ist der Uhrmacherlehrling Josef Bertha, der seine Heimatstadt Phalsbourg in Lothringen verlassen muss und in der Armee Napoleons an den Schlachten bei Großgörschen und Leipzig teilnimmt. Zunächst konzentriert sich die Erzählung auf das Elend der unter den dauernden Konskriptionen leidenden Bevölkerung, bis dann die Berichte über Gefechte, Soldatenalltag und Lazarettleben dominieren. Die Erzählweise gibt die Perspektive des einfachen Infanteristen wider und ist frei von jeglichem Kriegspathos. Die technische Umsetzung ist bis auf zwei kleine Aufnahmefehler in der vorliegenden Version einwandfrei, und die Stimme Ben Münchows passt hervorragend zum jugendlichen Bertha. Bei dem Versuch, dem Hörbuch durch Imitation von Akzenten und Stimmveränderung einen hörspielartigen Charakter zu geben, schießt Münchow jedoch gelegentlich über das Ziel hinaus.
Trotz des Unterbaus aus Veteranenerinnerungen und Kriegsberichten bleibt „1813 – Der Rekrut“ ein Roman: Die historische Genauigkeit tritt hinter die Dramaturgie zurück. So begegnet Bertha auf dem Schlachtfeld von Großgörschen zufällig sowohl Blücher als auch Napoleon, letzterem sogar gleich zweimal. Interessante Details, wie der Versuch Berthas, der Konskription durch das Trinken einer ganzen Flasche Essig zu entgehen oder die Darstellung von sogenannten Konskriptionsziehungen – der Vorgehensweise beim Auslosen der einzuziehenden Rekruten – könnten jedoch durchaus historische Realität abbilden und verhelfen dem Hörbuch zu seiner dichten Atmosphäre. Einen unmittelbareren Einblick bietet der Roman in die Mentalität republikanischer französischer Kreise um das Jahr 1864: Besonders seine geradezu antimilitaristische Botschaft und die Frage, wann ein Krieg gerechtfertigt ist und wann nicht, sind vor dem Hintergrund des heraufziehenden Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 bemerkenswert.
Rezension: Alexander Tullius





