Bücher Revolution in Europa Dieses Buch von dem an der schottischen Universität Stirling lehrenden Mike Rapport ist für Leser gedacht, die sich Geschichte erzählen lassen wollen – spannungsvoll aufbereitet, mit vielen Augenzeugenberichten, die anekdotisch zugespitzt Ereignisse erhellen, angereichert durch zeitgenössische Illustrationen und zugleich auf verlässlicher wissenschaftlicher Grundlage. Dass es ursprünglich für den englischen Sprachraum geschrieben wurde, tritt hervor, wenn etwa versichert wird, es sei nicht richtig, „die deutsche Geschichte als einen Strom zu betrachten, der unaufhaltsam auf die nationalsozialistischen Gaskammern zuströmt“. Der Autor entwirft ein gesamteuropäisches Panorama der Revolution und ihrer Vorgeschichte. Frankreich und die Habsburgermonarchie, Preußen und die italienischen Staaten stehen im Mittelpunkt, doch auch jene Staaten, die nicht revolutionär erschüttert wurden, werden betrachtet. Die Forschungsliteratur berücksichtigt Rapport unterschiedlich stark: Vor allem zu Frankreich werden auch speziellere Studien genannt, für den
Mike Rapport, 1848. Revolution in Europa. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2011, 446 Seiten, € 34,95. Weitere Literatur Matthias Schulz, Das 19. Jahrhundert (1789 –1914). W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2011, 290 Seiten, € 22,–. Joachim Bark/Hans-Christoph von Nayhauss, Profile deutscher Kulturepochen. Klassik, Romantik, Restauration 1789 –1848. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2011, 336 Seiten, € 14,90.
deutschen Raum dominiert die ältere Überblicksliteratur. Zur Erzählung gehört, dem zeitlichen Ablauf des Geschehens zu folgen. Die sieben Kapitel tragen Überschriften, die den Stil des Buches charakterisieren: „Ein Wald von Bajonetten“, „Der Zusammenbruch“, und dann folgen Sprachbilder, welche die Revolution als eine Folge der Jahreszeiten ausweist: „Völkerfrühling“, „Glutroter Sommer“, „Herbst der Gegenrevolution“ und „Winterzeit der Revolution“. Nur der „Schluss“ fällt aus dieser Bilderkette, vielleicht weil der Autor nahelegt, von den „liberalen Revolutionen von 1848“ eine Brücke zu den „Revolutionen von 1989 in Mittel- und Osteuropa“ zu schlagen. In den chronologischen Erzählfluss, der nach Staaten gegliedert ist, sind vergleichende Betrachtungen zu wichtigen Problemfeldern der Revolution eingefügt. So werden die Rolle der Bauern dargelegt, der Widerstreit der nationalen Bewegungen oder die Beteiligung von Frauen an der Revolution. Ausführlich werden auch die Anläufe zur Juden-Emanzipation und die antijüdischen Bewegungen, die mit dieser Revolution verbunden waren, geschildert. Die Frage nach den Wirkungen der Revolution beantwortet der Autor ambivalent: Vieles scheiterte, doch der Eintritt der vielen in die Politik war nicht mehr rückgängig zu machen, und die Gewinne der Bauern blieben dauerhaft gesichert. Er greift auf Lewis Namiers Bild von der Revolution als dem „Saat-Beet der Geschichte“ zurück: Die nationalen Gegensätze und die Spannung zwischen politischer Freiheit und sozialer Gerechtigkeit standen damals auf der Tagesordnung der Geschichte und verschwanden nicht mehr von der Agenda.





