Nach dem Ersten Weltkrieg geriet die ostpreußische Landwirtschaft in eine wirtschaftliche Notlage. Aufgrund der durch den Versailler Vertrag festgelegten Gebietsabtretungen war sie nun vom Absatzmarkt des Mutterlands abgetrennt. Die kleine, aber politisch sehr einflussreiche Gruppe von preußischen Rittergutsbesitzern forderte daher spezielle Notprogramme. Unterstützung fanden sie in der Person des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, der nicht ganz unbefangen war. Finanziert mit Hilfe der Großindustrie, überließ ihm sein ostpreußischer Freundeskreis das Gut Neudeck zum 80. Geburtstag als Schenkung. Kurz darauf, am 21. Dezember 1927, wurden in einer von Hindenburg geleiteten Sitzung mit Reichskanzler Wilhelm Marx, dem preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun sowie allen Reichsministern die Eckpunkte für ein Ostpreußenprogramm festgelegt. 75 Millionen Reichsmark sollten der angeschlagenen Landwirtschaft Ostpreußens wieder auf die Beine helfen. Die Ostpreußenhilfe bildete die Initialzündung für die spätere, auf das ostelbische Deutschland ausgeweitete Osthilfe.
Die Verabredungen hatten weitreichende Konsequenzen: Im späteren Osthilfe-Skandal traten seit 1932 Unregelmäßigkeiten bei der Mittelvergabe zutage, die auch hohe Zahlungen an Hindenburg nahestehende Junkerfamilien betrafen. Nicht zuletzt, so wird vermutet, gab Hindenburg seine Ablehnung gegenüber einer Kanzlerschaft Hitlers auf, um weitere Enthüllungen um seine Person zu verhindern.





