Was hatten sie sich wohl zu sagen, als sich Simone de Beauvoir mit ihrem guten Freund Alberto Giacometti traf? Ob sich Bertolt Brecht und Jean-Paul Sartre bei einer pazifistischen Veranstaltung in Belgien wohl persönlich kennenlernten? Diesen Fragen geht Hans Peter Hertig nach und beschreibt in zwölf Begegnungen die Beziehungen von 13 verschiedenen Persönlichkeiten aus Literatur, Theater, Film, Fotografie, der bildenden Kunst, Kulturtheorie, Philosophie, Tanz und Musik zueinander. Diese Bekanntschaften entstanden zufällig, durch Freundschaften oder bei der Realisierung gemeinsamer Projekte in den USA oder Europa zwischen 1930 und 1960. Auch beschreibt der Autor die politischen, sozialen und kulturellen Hintergründe der jeweiligen Begegnungen. Hertig ist kein Historiker oder Kulturwissenschaftler (er studierte Chemie und Sozialwissenschaft), doch das Buch ist sehr gut recherchiert und für ein „kultursensibles“ Publikum empfehlenswert. Eine Besonderheit sind die QR-Codes, die die Leser mit der Handykamera scannen können, um zum Beispiel direkt zu einer Rede von Simone de Beauvoir weitergeleitet zu werden. Dadurch ist das Buch ein multimediales Erlebnis. Es unterstreicht den Nutzen der kulturhistorischen Interdisziplinarität – ein spezielles Anliegen des Autors.
Das Buch beginnt mit einem Treffen zwischen Norman Mailer und Arthur Miller, geht über John Houston, Jean-Paul Sartre, Bertolt Brecht, Walter Benjamin und Hannah Arendt zu Simone de Beauvoir, Alberto Giacometti, Henri Cartier-Bresson und George Balanchine, und endet schließlich mit einer Begegnung zwischen Igor Strawinsky und Duke Ellington. Die erste Begegnung zwischen den amerikanischen Schriftstellern Norman Mailer und Arthur Miller, die eine Zeit lang im selben Haus in Brooklyn lebten, war rein zufällig und flüchtig. Besonders gut verstanden sich die Männer nicht, da sie sich jedoch in einem ähnlichen kulturellen Milieu bewegten, trafen sie sich noch häufiger, zum Beispiel bei einer Internationalen Friedenskonferenz 1949, oder als Mailer eine Biografie über Marylin Monroe schrieb – zu diesem Zeitpunkt die Ehefrau von Miller.
Ein weiteres Kapitel beschreibt das skurrile Treffen zwischen dem amerikanischen Regisseur John Houston und dem französischen Philosophen Jean-Paul Sartre in Irland. Bei dieser Begegnung sollte das Drehbuch, das Sartre für Houstons Film über Sigmund Freud geschrieben hatte, gekürzt werden – denn Sartres erste Fassung hätte einen Film von über acht Stunden Länge ergeben. Es war eine Begegnung voller Missverständnisse und sprachlicher wie kultureller Barrieren, die in tiefer gegenseitiger Abneigung endete. Einige Monate nach dem misslungenen Treffen sandte Sartre eine überarbeitete Version des Drehbuchs an Houston – doch diese war noch länger. Den Film drehte Houston trotzdem; Hollywoods Drehbuchautoren kürzten Sartres Version auf eine akzeptable Länge, der Name des Philosophen ist im Abspann nicht zu finden.





