Was aus heutiger Sicht schlicht wirkte, war damals eine Sensation: projizierte, bewegte Fotografien für ein gemeinsames Publikum, nicht länger Einzelbilder im Guckkasten wie bei Edisons Kinetoskop. Der Kinematograph vereinigte Kamera, Kopiergerät und Projektor, lief mit perforiertem 35-mm-Film und machte das bewegte Bild mobil – auf Jahrmärkten, in Varietés und schon bald in eigenen Kinos. In den Wochen nach der Premiere sprach Paris von nichts anderem; Reisevorführer trugen die Neuheit in Europas Städte.
Zeitgenossen schwankten zwischen Staunen und Skepsis: Kunst oder Jahrmarkt? Doch rasch entstanden kleine Komödien wie „L’ Arroseur arrosé“ („Der begossene Gärtner“) und bald auch inszenierte Szenen, Verfolgungsjagden, Trickaufnahmen. Parallel reklamierten die Berliner Brüder Skladanowsky mit ihrem Bioskop (Wintergarten, November 1895) eine eigene Pioniertat – die Anfänge waren vielfach und europäisch. Als Datum brannte sich dennoch der 28. Dezember 1895 ein: der Moment, in dem das Kino als kollektives Erlebnis in die Welt trat – ein neues Medium, das die Wahrnehmung des 20. Jahrhunderts grundlegend veränderte.





