Dieser Weg war dem damals 43-jährigen Brandt nicht vorgezeichnet. Nach seiner Emigration nach Skandinavien und seinem Kampf gegen Nazi-Deutschland machte sich der gebürtige Lübecker erst nach dem Zweiten Weltkrieg die in Ruinen liegende Stadt Berlin zum Lebensmittelpunkt. Dort begann sein Aufstieg als Schützling des damaligen Regierenden Bürgermeisters Ernst Reuter. Zu seinem Amtsantritt sprach sich Willy Brandt für eine Verbesserung des Zusammenlebens der Bürgerinnen und Bürger in der gespaltenen Stadt aus. So sollte der öffentliche Personennahverkehr etwa unabhängig von den Sektorengrenzen fahren.
Um die Wiedervereinigung des geteilten Deutschland voranzutreiben, schlug Brandt vor, Berlin wieder zur Hauptstadt zu machen – eine Forderung, die in Bonn freilich auf taube Ohren stieß. Die Berlin-Krise prägte zweifellos seine beiden Amtszeiten als West-Berliner Bürgermeister. Sie ebnete Willy Brandt aber auch den Weg zur bundespolitischen Bühne, an dessen Ende die Kanzlerschaft stand.





