Auf der einen Seite Brahe, adliger Abstammung, ungeduldig, cholerisch. Und auf der anderen Seite der Schwabe Kepler, aus ärmlichen Verhältnissen stammend und infolge einer Pockeninfektion stark kurzsichtig. Was er durch das Fernrohr nicht erkennen konnte, machte er als Mathematiker wieder wett. Brahe, so heißt es, habe aber die Arbeit des Jüngeren torpediert, indem er ihm absichtlich wichtige Ergebnisse vorenthielt. Oft kam es zu Streit.
Als Tycho Brahe 1601 starb, wurde Kepler Brahes Nachfolger am kaiserlichen Hof. Die ungeklärten Umstände von Brahes Tod führten noch in jüngster Zeit zu wilden Spekulationen, Kepler habe den Astronomen mittels Gift ins Jenseits befördert. Dass Brahe aber bei einem Festbankett Rudolfs II. durch Harnverhaltung einen Blasenriss erlitt, kann man Kepler schlecht anlasten, höchstens der höfischen Etikette, die es verbot, sich vor dem Kaiser von der Tafel zu erheben.





