Es kam einer Sensation gleich, als das umfangreiche Expeditionstagebuch des jungen Zeichners 2013 im South Australian Museum in Adelaide wiederentdeckt wurde. 1944 war es über Weidenbachs Nachfahren in das Museum gelangt – und dann für lange Zeit in Vergessenheit geraten. In einem umfangreichen Kollaborationsprojekt wurde es in den letzten zehn Jahren erschlossen und liegt nun in einer von der Ägyptologin Susanne Binder herausgegebenen, ausführlich kommentierten Edition vor.
Bei der Lepsius-Expedition handelt es sich um kein unerforschtes Feld. Die Teilnehmer brachten von der dreijährigen Forschungsreise Aufzeichnungen und Notizbücher, Zeichnungen, Gibsabgüsse, Briefe, altägyptische Kunstgegenstände sowie eine umfangreiche Naturaliensammlung mit, die sich heute in den Archiven verschiedener Institutionen in Berlin befinden. Dieses Material wurde in den letzten 150 Jahren umfassend aufgearbeitet. Was kann Weidenbachs Tagebuch als neue Quelle zur Expedition da noch bieten?
Weidenbachs Aufzeichnungen ermöglichen durchaus einen neuen Blick auf die Forschungsreise. Es ist die Perspektive eines jungen Deutschen, der in Ägypten auf eine völlig fremde Welt traf und möglichst jeden Moment festzuhalten versuchte. So ergeben sich bei der Lektüre vor allem interessante Einblicke in den Alltag und Ablauf der Expedition, etwa in wirtschaftliche Fragen, die Reiseorganisation und Hierarchien. Akribisch protokollierte Weidenbach Details wie Uhrzeiten und Temperaturen, dokumentierte Kosten für Transporttiere oder Lebensmittel. Fast täglich notierte er, was es zu essen gab. Außerdem erwähnte er Namen der einheimischen Helfer und den Umgang mit diesen vor Ort. So macht sein Tagebuch auch sichtbar, dass der Erfolg der Expedition noch weiteren Menschen zu verdanken war, die bislang unbekannt waren.





