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Aschaffenburg: Wozu diente das 2400 Jahre alte Ufer-Bauwerk?
Geschichte & Archäologie

Aschaffenburg: Wozu diente das 2400 Jahre alte Ufer-Bauwerk?

Blick auf einen Teil der eisenzeitlichen Konstruktion am Aschaffenburger Mainufer. Sie ist in ihrer Komplexität, Qualität und dem guten Erhaltungszustand bislang einzigartig. · Foto: © Björn Friedrich/ Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Rätsel um Eisenzeit-Bau: Im Frühjahr 2026 haben Archäologen in Aschaffenburg ein komplexes und gut erhaltenes Bauwerk aus Holz und Steinmauern am Mainufer entdeckt. Jetzt wurden die ersten Holzbalken geborgen und untersucht. Dies verrät, woher das Holz für die mächtigen Eichenbalken stammte und wie es bearbeitet wurde. Auch neue Vermutungen zum Zweck dieser großen Konstruktion am Flussufer gibt es.
Autor
Nadja Podbregar
08. September 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Geschichte & Archäologie

Schon vor rund 2400 Jahren war Aschaffenburg durch seine Lage am Main ein Ort mit erheblicher strategischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Archäologische Funde im Bereich der Aschaffenburger Altstadt stützen dies, liefern aber nur wenig Auskunft über die Größe und Struktur der einstigen Besiedlung. Im Frühjahr 2026 änderte sich dies jedoch: Bei Bauarbeiten am Aschaffenburger Mainufer entdeckten Arbeiter eine komplexe Konstruktion aus Holzbalken und Trockenmauern, die sich als Bauwerk aus der Eisenzeit erwies. Durch sein Alter, die Bauweise und seinen hervorragenden Erhaltungszustand ist dieser Fund deutschlandweit einzigartig.

Ursprung des Holzes geklärt

Seither haben Archäologen und Wissenschaftler weiterer Fachdisziplinen das Holzbauwerk aus der Keltenzeit weiter freigelegt, untersucht und rund ein Drittel der Balken geborgen. Dafür mussten die alten Eichenbalken zunächst vorsichtig mithilfe eines eigens dafür entwickelten Verfahrens aus dem Bauwerk gelöst werden. Eine stetige Befeuchtung mit Wasser sorgte dafür, dass das 2400 Jahre alte Holz dabei nicht austrocknete. Dann hob ein Kran die jeweils 200 bis 250 Kilogramm schweren und drei bis vier Meter langen Balken aus der Baugrube. Nach ihrer Säuberung werden die Balken nun nass gelagert, Forschende erstellen 3D-Laserscans und führen genauere Analysen durch.

Schon jetzt gibt es jedoch einige neue Erkenntnisse. So haben Datierungen des Holzes ergeben, dass die Eichen für diese Holzbalken zwischen 372 und 352 vor Christus im Spessart gefällt wurden. Bei der Säuberung der Balken traten zudem gut erkennbare Bearbeitungsspuren zutage, die von eisenzeitlichem Werkzeug wie Beilen und Dechseln stammen. Sie geben schon jetzt tiefe Einblicke in die angewendeten Handwerkstechniken, wie das Landesamt für Denkmalschutz in Bayern berichtet. Parallel zu den Untersuchungen der Holzbalken haben Forschende auch Proben der Bodenschichten und Pflanzenreste am Fundort genommen. Diese werden aktuell noch analysiert.

Hafenanlage, Schutzbau oder Bollwerk zur Abschreckung?

Schon jetzt ist jedoch klar: Die eisenzeitliche Anlage am Mainufer zeugt von erstaunlichem handwerklichem und bautechnischem Wissen. Denn die Holzkonstruktion musste an den feuchten, teils schlammigen Untergrund des Flussufers angepasst werden, was aufwendig war. „Ein solches Bauwerk entstand nicht nebenbei. Es brauchte viele Menschen, eine gute Planung und viel Arbeit“, sagt Stefanie Berg, Leiterin der Abteilung Bodendenkmalpflege am Landesamt für Denkmalschutz. „Die Eichen wurden im Spessart gefällt, bearbeitet und ebenso wie das Steinmaterial auf dem Main bis hierhin transportiert. Vor Ort errichtete man die Trockenmauern und passte die schweren Balken genau in die Konstruktion ein.“

Wer ein solches Bauwerk errichtete, musste demnach viele Menschen, Material und handwerkliches Können mobilisieren. Doch wozu diente es? „Wozu die Anlage diente, wissen wir noch nicht. Wir vermuten, dass es den Zugang vom Main hinauf zur Siedlung schützte“, sagt Berg. „Unmittelbar vor dem großen Bauwerk aus Trockenmauern und der aufwendigen Holzbalkenkonstruktion lag zum Fluss hin eine hölzerne Plattform. Vielleicht legten hier Boote an und Waren und Lasten wurden aus- und umgeladen.“ Denkbar ist auch, dass das Holzbauwerk als Bollwerk gegen Angriffe vom Fluss aus dienen sollte – oder auch als Abschreckung gegenüber potenziellen Angreifern. „Das Bauwerk dürfte vom Main aus weithin sichtbar gewesen sein. Es machte deutlich: Hier oben liegt ein bedeutender Ort. Und einer, den seine Bewohner zu schützen wussten“, sagt Berg.

Die genaueren Untersuchungen des Bauwerks und seiner Komponenten haben erst begonnen. Dennoch liefert der Fund schon jetzt eine Fülle neuer Informationen über das eisenzeitliche Aschaffenburg und seine Zeit. Man darf gespannt sein, welche Einblicke die Analyseergebnisse demnächst noch bieten werden.

Quelle: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

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