Giza war in der vierten Dynastie des Alten Reichs (2649-2504 v.Chr.) ein großer Begräbnisplatz. Neben den Pyramiden des Mykerinos, des Chephren und des Cheops sowie den drei kleinen Königinnenpyramiden lagen dort auch die Gräber der Elite, die ihnen in der Staatsverwaltung diente. Giza war noch über die vierte Dynastie hinaus Friedhof der Staatsdiener, Handwerker und Priester, die dort ihre „Häuser für die Ewigkeit“ errichteten. Die Hildesheimer Jubiläumsausstellung „GIZA. Am Fuß der großen Pyramiden“ zeigt erstmals die gemeinsamen Funde der Steindorff- und Junker-Grabungen und bettet sie auf diese Weise in ihren ursprünglichen Kontext ein. Dies wurde durch Leihgaben aus Ägypten, Europa und den USA möglich. Eindrucksvoll inszeniert, geben die Fundstücke Einblicke in vier Gräber und ihre Ausstattung.
Die Ausstellung gliedert sich in drei thematisch aufeinander aufbauende Räume. Im ersten Raum werden die Grundlagen, das heißt Ort, Grabform, Grabbau und die damaligen Vorstellungen vom körperlichen Weiterleben nach dem Tod, vermittelt. Die typische Architekturform der Beamtengräber war die Mastaba (arab. „Sitzbank“), die aus einem rechteckigen Oberbau mit geböschten Außenwänden und der von außen zugänglichen Kultkammer, einer unterirdischen Anlage mit Grabschacht sowie einer Sargkammer bestand. Mithilfe eines schachtförmigen Podestes, auf dem die Funde aus der Sargkammer präsentiert werden und einer abgezweigten Sargkamme, findet sich dieses Grundmuster auch in der Ausstellungsarchitektur wider. Der Besucher erlebt auf diese Weise die Entdeckung des Sarges mit Kopfstütze und Schmuck und kann auch die Kultkammer betreten. In der Vorstellungswelt der alten Ägypter von einer neuen, ewigen Daseinsform kam dem Schutz sowie der Erhaltung des Leichnams besondere Bedeutung zu. Als konservatorische Maßnahmen dienten zum einen die Entnahme und separate Bestattung der inneren Organe, zum anderen wurde auch mit Balsamierungen, in Harz getränkte Leinenwicklungen und Auflagen aus Gips experimentiert. Hier zeigen sich erste Schritte zur „klassischen“ Mumifizierung späterer Epochen.
Der mittlere Raum der Ausstellung widmet sich bisher unveröffentlichten Grabungen Georg Steindorffs. Im Rahmen des internationalen Giza-Projekts konnten seit 2006 die Fundzusammenhänge von Steindorffs frühen Grabungen (1903-1905) rekonstruiert werden. Erstmalig können somit die Funde aus den Gräbern des Tep-em-anch, des Memi, des Djascha und des Nefer-ihi gemeinsam und in ihrem ursprünglichen Kontext gezeigt werden. Zu diesem Zweck wurden die betretbaren Grabanlagen mit ihrer Mastaba-Architektur nachgebaut. Als Höhepunkt kann hierbei das Grab des Djascha gelten, in dem fünf Statuen des Grabherrn und seiner Familie sowie 15 Dienerfiguren gefunden wurden. Djascha war zunächst in der staatlichen Leinenherstellung tätig, bevor er die Ämter eines „Regierungspriesters des Königs“, „Gottesdieners der Königsmutter“ und „Ka-Dieners“ erhielt. Aufgrund dieser neuen Tätigkeiten im königlichen und privaten Totenkult war es ihm möglich, ein Grab zu errichten und mit zahlreichen Statuen auszustatten. Die gefundenen Statuen aus Djaschas Grab zeigen Diener, die Korn mahlen, Bier brauen oder Fleisch kochen. Es sind Momentaufnahmen zur ewigen Versorgung des Grabherren.





