Die Stadt Artaxata lag in der Antike auf einer Flusshalbinsel am Fuße des Berges Ararat. Sie wurde um 190 vor Christus vom armenischen König Artaxias I. gegründet und diente fortan als Hauptstadt des armenischen Königreichs. Der griechische Geschichtsschreiber Plutarch berichtet, dass es der legendäre Karthager Hannibal war, der dem Herrscher diesen Ort als Herrschaftssitz empfahl. Zu Recht, wie sich zeigte: Artaxata entwickelte sich in hellenistischer Zeit zu einer bedeutenden Metropole und blieb knapp sechs Jahrhunderte lang die Hauptstadt des Königreichs Armenien.
Artaxata, der heilige Gregor und das frühe Christentum
Doch auch aus frühchristlicher Zeit gibt es Legenden rund um das antike Artaxata: Demnach soll in diesem Ort auch Gregor der Erleuchter gefangen gehalten worden sein. Dieser um 240 nach Christus geborene Spross eines parthischen Fürstenhauses wurde christlich erzogen und spielte eine entscheidende Rolle für Verbreitung des Christentums im antiken Armenien. Ende des dritten Jahrhunderts wurde Gregor jedoch vom damals noch heidnischen König Tiridates III. gefangen genommen und soll der Überlieferung nach in der Artaxata-Ebene mehrere Jahre eingekerkert geblieben sein. Erst im Jahr 301 kam er frei, als der armenische König sich bekehrt hatte.
Armenien gilt daher als der erste christliche Staat der Welt. Wann in dieser Region aber die ersten Kirchen entstanden, war unklar. Zwar hatten die seit den 1970er Jahren stattfindenden Ausgrabungen rund 30 bis 35 Hektar der die antiken Metropole Artaxata inklusive der 3,8 Kilometer langen Stadtmauer untersucht. Auch Hinweise auf die Lage des Königspalasts waren gefunden worden. Doch einige Teile der auf mehreren Hügeln erbauten Stadt blieben weitgehend unerforscht. Auf sie konzentriert sich seit 2018 ein armenisch-deutsches Archäologenteam. Bei ihren jährlichen Grabungskampagnen haben sie bereits die Nekropole der Stadt, ein Aquädukt sowie einen mehr als 60 Meter langen Monumentalbau entdeckt.
Achteckiger Kirchenbau aus frühchristlicher Zeit
Jetzt ist ein weiterer bedeutender Fund dazu gekommen: Die Archäologen haben die Reste einer bisher unbekannten frühchristlichen Kirche in Artaxata entdeckt. Der Sakralbau umfasst einen Achteckbau mit kreuzförmigen Anbauten. In diesen stießen die Forscher auf Überreste von Holzplattformen, deren Alter sie mithilfe der Radiokarbondatierung bestimmen konnten. Das spektakuläre Ergebnis: Diese Kirchenruine ist bereits mehr als 1600 Jahre alt. „Bei dem Gebäude aus dem 4. Jahrhundert handelt es sich um die älteste archäologisch belegte Kirche des Landes – ein sensationelles Zeugnis für das frühe Christentum in Armenien“, sagt Achim Lichtenberger von der Universität Münster.





