In der Nähe von Saint-Césaire im französischen Département Charente-Maritime liegt die archäologische Stätte La Roche-à-Pierrot. Dieser Ort wurde seit der Altsteinzeit von verschiedenen Menschengruppen bewohnt, davon mindestens 30.000 Jahre durchgehend. Davon zeugen diverse Relikte, die Archäologen in Saint-Césaire seit 1976 schrittweise ausgegraben haben. Unter den prähistorischen Bewohnern waren sowohl Neandertaler als auch Vertreter des Homo sapiens.
Eine Mischform vom Übergang dieser Menschengruppen stellt die sogenannte Châtelperronien-Kultur dar. Vor 55.000 bis 42.000 Jahren wurden die letzten Neandertaler in Frankreich und Nordspanien nach und nach durch Gruppen von Homo sapiens ersetzt, die aus Afrika kamen. Bei Werkzeugen und Gegenständen aus dieser Zeit des langsamen demografischen Wandels ist daher oft unklar, ob sie von der einen oder anderen Gruppe geschaffen wurden.

42.000 Jahre alte Schmuckwerkstatt
Jetzt haben Forschende um François Bachellerie von der französischen Forschungsorganisation CNRS an dieser Stelle einen weiteren spektakulären Fund freigelegt: eine Werkstatt zur Herstellung von Muschelschmuck. Das Team fand in La Roche-à-Pierrot perforierte und unbehandelte Muschelschalen der Meeresschnecke Littorina obtusata, Steinwerkzeuge zu deren Bearbeitung sowie rote und gelbe Farbpigmente, die mindestens 42.000 Jahre alt sind. Demnach haben die Menschen der Châtelperronien-Kultur damals schon Perlen aus bemalten Muscheln hergestellt. Ähnliche Funde gibt es zwar aus Italien und Griechenland, allerdings jüngeren Datums. Es handelt sich damit um die älteste Werkstatt dieser Art in Westeuropa und die erste Industrieanlage der Altsteinzeit.






