Die höchste staatliche Sportbehörde hatte zuvor mehr Ressourcen im Umfang von einer Million Mark für die Auslandsarbeit des DDR-Sports in den Entwicklungsländern und dort speziell in Afrika eingefordert, die dem kleineren deutschen Staat zu mehr internationaler Aufmerksamkeit in seinem Kampf um die vielerorts noch ausstehende diplomatische Anerkennung verhelfen sollte.
Sportfunktionär Ewald lehnt Forderungen ab
Den Fokus bereits voll auf die Olympischen Spiele 1964 gerichtet, wehrte der Sportchef jegliche Mehrbelastungen für den DDR-Sport ab. Mehr Personal oder gar neue Gremien im internationalen Bereich seien „völlig überflüssig“ und „Verschwendung“. Der – von der SED hoch subventionierte – DTSB könne keine Mittel dafür bereitstellen und schon gar keinen Plänen folgen, denen zufolge „für die Entwicklung des DDR-Sports dringend notwendige Maßnahmen zurückgestellt werden, während wir gleichzeitig gewaltige Summen für die Auslandsarbeit aufwenden“. Zudem sei hier „Bescheidenheit entsprechend der Lage in unserem Lande angebracht“, polterte der DTSB-Chef weiter.
Und wozu überhaupt die ganze Debatte? Zwar sei auch der DTSB für den Ausbau der Sportbeziehungen mit den damals als „junge Nationalstaaten“ deklarierten Entwicklungsländern, doch einem monetären oder organisatorischen Mehraufwand könne man „in keiner Weise zustimmen“. Und sollte damit nicht jede Diskussion beendet sein, so der mit „sozialistischem Gruß“ schließende Sport- und Parteifunktionär Ewald, so müssten „derartige Probleme von der Parteiführung entschieden werden“. Rumms! Auch im Sport der untergegangenen DDR hatte die SED im Zweifelsfall immer das letzte Wort.
Mit diesem Ausschnitt aus dem Innenleben des DDR-Sports verbunden sind mehrere sportpolitische Themenstränge seiner fast vergessenen Afrika-Arbeit, die nun von der jüngst am Berliner Institut für Leistungssport & Trainerbildung vorgelegten Kontinentalstudie „Turnschuhdiplomatie“ (zugleich Dissertation an der Universität Potsdam) erstmals offengelegt wird.
Seit Beginn der 1950er Jahre hatte die DDR für den politischen Systemwettstreit mit der Bundesrepublik und zur Aushöhlung der von Bonn verfügten Hallstein-Doktrin (und deren Drohung, die DDR anerkennende Drittstaaten wirtschaftlich oder diplomatisch zu sanktionieren) auch außenpolitisch ihren Sport in Stellung gebracht. Entsprechend wurden siegreiche Athleten alsbald als „Diplomaten im Trainingsanzug“ inszeniert, so etwa die 1960 sensationell die Tennismeisterschaften von Ägypten gewinnenden Profis Eva Johannes und Horst Stahlberg.
In der DDR seien, so die Fachzeitung „Tennis“ über den Turniercoup in außenpolitischer Lesart, „Sportler auch gute Diplomaten; überwiegend sind es sogar glänzende Repräsentanten ihres Landes, die durch ihre Erfolge und ihr Auftreten sehr viel zur Ehre und zum Ruhme der Heimat zu tun vermögen. … Wer den Ruhm und das Ansehen seiner Heimat mehrt, der erhält bei uns auch die volle Anerkennung.“





