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Afrika-Reisender ohne imperiale Ambitionen
Von 1850 bis 1855 erforschte der Hamburger Geograph und Historiker Heinrich Barth Westafrika. Seine Schriften sind weitgehend frei von rassistischen Stereotypen. Bis heute sind sie eine wichtige historische Quelle für die Erforschung der Region, aber auch für die Wissenschaftsgeschichte.
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Fürchtet Euch nicht und seid unbesorgt um mich, ich hege das feste zuversichtliche Vertrauen, daß ich meinen Plan durchführen werde und ruhmvoll heimkehre …“ Mit diesen Worten versuchte Heinrich Barth (1821 –1865) seine besorgten Angehörigen zu beruhigen, als er Ende 1849 zu einer Reise aufbrach, die ihn von der nordafrikanischen Küste durch die Sahara zum Tschadsee führen sollte. Es wurde eine der bedeutendsten und ertragreichsten Forschungsreisen des Jahrhunderts, vergleichbar nur der Südamerika-Expedition Alexander von Humboldts ein halbes Jahrhundert zuvor.
Ein neugieriger Wissenschaftler, der sich eine Fremdsprache nach der anderen aneignet
Im Gegensatz zu Humboldt ist Barth, dessen Geburtstag sich am 16. Februar 2021 zum 200. Mal jährt, heute nur noch Spezialisten bekannt, obwohl er zu Lebzeiten in ganz Europa gefeiert worden war. Barth wurde nach seinem frühen Tod im Alter von 44 Jahren bald vergessen, denn er eignete sich nicht für eine nationalistische Vereinnahmung. Er war kein Vorkämpfer des Imperialismus und konnte von dessen Vertretern nicht für ihre Zwecke reklamiert werden. Im britischen Auftrag strebte er diplomatische und kommerzielle Beziehungen mit den afrikanischen Reichen an, die er als gleichberechtigte Partner behandelte.
Als der 28-Jährige zu seiner großen Expedition aufbrach, verfügte er bereits über Reiseerfahrung und eine umfassende Gelehrsamkeit, denn er hatte bei dem Althistoriker August Boeckh und dem noch berühmteren Geographen Carl Ritter an der Berliner Universität studiert. Nach der Promotion über Korinth als antike Handelsstadt hatte Barths Vater, ein wohlhabender Hamburger Kaufmann, seinem Sohn eine Reise um das Mittelmeer finanziert. Sie hatte ihn zwischen 1845 und Ende 1847 von Marokko durch ganz Nordafrika bis Ägypten, durch die Levante und Kleinasien nach Griechenland geführt.
Dabei kam ihm seine außerordentliche Sprachbegabung zugute. In der Schule hatte er neben den alten Sprachen Englisch und Französisch gelernt, während eines Studienaufenthaltes in Rom lernte er Italienisch, vor der Mittelmeer-Reise nahm er Arabisch-Unterricht, und auf dem Weg zum Mittelmeer eignete er sich innerhalb kurzer Zeit so gut Spanisch an, dass er sich während der Durchquerung der Iberischen Halbinsel problemlos verständigen konnte. Als Barth von seiner Mittelmeer-Reise zurück war, arbeitete er unverzüglich einen Reisebericht aus. Mit dem ersten Band über Nordafrika habilitierte er sich 1848 an der Berliner Universität bei Carl Ritter.
In London erfuhr der preußische Gesandte Christian Carl Josias von Bunsen, dass der Missionar James Richardson (1809 –1851) eine Reise durch die Sahara plante, die vor allem der Erschließung von Handelsmöglichkeiten dienen sollte. Der Handel sollte neue Absatzmärkte für britische Waren eröffnen und den Potentaten Afrikas eine Alternative zum Sklavenhandel nahelegen. Um die notwendige Unterstützung der britischen Regierung zu bekommen, musste die Reise allerdings auch einen wissenschaftlichen Ertrag erzielen.
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Bunsen kontaktierte unverzüglich seinen Freund Carl Ritter in Berlin, der Barth vorschlug. Zudem meldete sich mit Adolf Overweg (1822 –1852) ein weiterer deutscher Wissenschaftler, in diesem Fall ein Geologe, ebenfalls ein Hamburger, der in Berlin promoviert hatte. Schließlich reisten beide mit, zumal sie sich in ihren wissenschaftlichen Interessen gut ergänzten.
Die Sozialstrukturen der Tuareg erinnern ihn an die alten Spartaner
Schon in Nordafrika gewannen Barth und Overweg keinen günstigen Eindruck vom Direktor ihrer Expedition. Richardson war in Barths Augen ungeeignet. Er vergeudete viel Zeit, so dass die Expedition nicht rechtzeitig starten konnte. Außerdem setzte er durch, dass man nicht den direkten Weg von Tripolis über die Provinz Fessan im heutigen Zentrallibyen zum Tschadsee nahm, sondern im Westen zahlreiche andere Oasen besuchte. Dadurch geriet die Expedition in Bedrängnis durch die Tuareg. Barths Einwände wurden nicht berücksichtigt. Am 28. August 1850 schrieb er: „Zweimal schon sind wir in Lebensgefahr gewesen und nur ansehnliche Summen haben uns retten können.“
Verschiedene Gruppen von Tuareg bedrängten sie, denn mit den über die Expedition kursierenden Nachrichten hatten sich, wie Overweg berichtete, „zu unserem Unglück ganz fabelhafte Gerüchte über unsern Reichthum verbreitet. Das Boot, das wir in 3 Kameellasten mit uns führten, machte grosses Aufsehen, es sollte voll von Dollars stecken, unsere eisernen Biskuitkisten sollten voller Gold sein“.
Bezeichnenderweise reagierte Heinrich Barth nicht rassistisch, sondern suchte die Ursachen für das Verhalten der Tuareg in ihrer gesellschaftlichen Verfassung. So bezeichnete er in einem Brief an den Ägyptologen Richard Lepsius die Oasenstadt Ghat als „die Stadt der Sultane; denn jeder der Tuareghäupter, an 30 an Zahl, wähnt sich ein unabhängiger Fürst und besser als sein Nachbar; es ist eine Art Gemeinwessen, wie das altspartanische, eine geringe Anzahl von Herren, wie es scheint alle Hagara [die Adligen der Tuareg] zusammen nur an 500, Alles freie Krieger, dagegen ihre waffenfähigen Sklaven, die Metâthra, an 5000.“
Barth verglich diese Sozialstruktur also mit den alten Spartanern, was ein Beleg dafür ist, dass er kein generelles Zivilisationsgefälle annahm. Die Macht der Oberhäupter der Tuareg war begrenzt, denn ihre Autorität beruhte „ganz allein auf Austheilung von Proviant an ihre Anhänger“.
In dieser Situation war er froh, dass sie ihr Gepäck vorausschicken konnten, was ihre Karawane verkleinerte. Denn Barth hatte selbst erkannt, was der Ethnologe Gerd Spittler später an seinem Beispiel genauer analysierte: Je größer eine Expedition, desto stärker wirkte sie als Fremdkörper und erschwerte den Kontakt zur lokalen Bevölkerung. Barth unternahm kurz darauf allein eine Exkursion in die Stadt Agades und erlebte dabei eine völlig andere Behandlung: Der dortige Sultan war ausgesprochen gastfreundlich, versorgte ihn mit Lebensmitteln und trug bei einem öffentlichen Auftritt stolz die wertvolle Kleidung, die der europäische Gast ihm mitgebracht hatte.
Aus diesen Erfahrungen zog Barth den Schluss, dass es besser war, allein bzw. als einzelner Europäer gemeinsam mit Afrikanern zu reisen. Noch in der Sahara trennten sich die drei Reisenden und gingen auf unterschiedlichen Wegen nach Kuka, der Hauptstadt des Reiches Bornu. Richardson sollte dort nicht ankommen, denn er starb kurz vor Erreichen seines Ziels an der Ruhr.
Barth wurde daraufhin, obwohl er Deutscher war, von der britischen Regierung zum Chef der Expedition ernannt. Er und Overweg unternahmen einzeln und gemeinsam Exkursionen von Kuka aus, wo sie vom Sultan und seinem einflussreichen Wesir Hadsch Beschir freundlich aufgenommen wurden. Der Herrscher hoffte auf englische Unterstützung, zum Beispiel durch Waffenlieferungen, weil er eine militärische Expansion des Osmanischen Reiches befürchtete.
Barth konnte einen Freundschafts- und Handelsvertrag unter Dach und Fach bringen. Ähnliches gelang ihm später mit anderen afrikanischen Herrschern wie dem ungleich mächtigeren Sultan von Sokoto im heutigen Nordnigeria.
Die beiden Forscher wiesen erstmals nach, dass der Tschadsee keine Verbindung zum Nil im Osten oder zum Niger im Westen hatte. Dabei befragte Barth in methodisch reflektierter Weise Einheimische und durchreisende Afrikaner, oft Gelehrte auf dem Weg nach Mekka, etwa Faki Sambo vom Volk der Fulbe, der Platon und Aristoteles auswendig kannte.
Einheimische Gelehrte liefern viele wichtige Informationen
Auch bei seinen weiteren Reisen suchte er stets den Kontakt zu lokalen Gelehrten, die ihn nicht nur informierten, sondern oft auch schützten. Denn Barth lernte während seiner Reisen, bei denen er insgesamt etwa 15 000 Kilometer zurücklegte, vier afrikanische Sprachen und sammelte linguistisches Material über mehr als 30 andere. Weil er sich ohne Dolmetscher unterhalten konnte und die islamischen Schriften gut kannte, nahmen ihn die afrikanischen Gelehrten ernst und versahen ihn bereitwillig mit Informationen zur Geographie und zur Geschichte. Nur aufgrund dieser Angaben konnte er das Quellgebiet des Benue-Flusses, des wichtigsten Nebenflusses des Niger, so genau beschreiben, dass die spätere Forschung seine Ergebnisse bestätigte.
Erstaunlich ist insbesondere die Schnelligkeit, mit der er sich einen Überblick über die sprachlichen, ethnischen und historischen Verhältnisse des riesigen Raumes zwischen dem Nil und dem Atlantik verschaffte. So kann man aus seinem Reisebericht ablesen, wie er allein mittels der vielfachen Erkundigungen und der zahlreichen Gespräche mit afrikanischen Gelehrten Informationen von einer Genauigkeit zusammentrug, durch die sein Reisebericht bis heute eine der wichtigsten Quellen zur Geschichte Westafrikas im 19. Jahrhundert ist.
In jeder Stadt besuchte er die Märkte, notierte sich die Preise und untersuchte das Marktgeschehen und die sozialen Verhältnisse in der jeweiligen Region. Der Forscher kleidete sich wie ein Einheimischer, gab sich den Namen Abd el-Kerim („Diener des Allmächtigen“) und war ausgesprochen kontaktfreudig. So konnte er Informationen zu verschiedensten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens sammeln. Kano, das „afrikanische London“, die wichtigste Handelsmetropole, beobachtete er vom Sattel seines Kamels aus. Er sah „Bilder ruhiger Behaglichkeit und häuslichen Glückes, wie eitler Verschwendung und verzweifelten Elends, rüstiger Thätigkeit und schlaffer Trägheit“, wie er notierte.
Er erwarb sich einen so guten Ruf, dass Abd el-Kerim Jahrzehnte später unter den Afrikanern zu einer legendären Figur geworden war. Zudem war er ungemein fleißig und schrieb, wie man errechnet hat, im Durchschnitt täglich 8700 Wörter. Er notierte alles, was er sah und hörte, auf seinem Kamel reitend – selbst dann noch, wenn er am Fieber erkrankt war.
Am 27. September 1852 starb sein Begleiter Overweg am Fieber, wie Barth an Ritter berichtete: „Ich kann heute, wo ich meinen Brief an Sie zu beendigen beabsichtige, nicht mehr von uns sprechen; ich bin allein und verlassen, freund- und gefährtenlos. Gestern Nachmittags legte ich Overweg ins Grab. Sechs Tage heftigen Fieberkampfes haben aus dem rüstigen Wanderer eine starre leblose Leiche gemacht.“
Reise nach Timbuktu: ein Erfolg und eine lange Zitterpartie
Bald darauf brach Barth auf zu seinem größten Abenteuer. Sein Ziel war Timbuktu, die sagenumwobene Stadt der islamischen Gelehrsamkeit und des Transsahara-Handels, die bis dahin nur zwei Europäer erreicht hatten. Doch der britische Offizier Alexander Gordon Laing (1793 –1826) war kurz nach Verlassen der Stadt ermordet worden; dem zweiten, dem Franzosen René Caillié (1799 –1838), glaubte man nicht und hatte ihn, nicht zuletzt wegen seiner niedrigen sozialen Herkunft, für einen Schwindler gehalten, bis Barth seine Beschreibungen als korrekt bestätigte.
Nach monatelangen Reisen erreichte Barth das vom Tschadsee weit entfernte Timbuktu, das nördlich der Stelle lag, wo der Niger seinen bisherigen nordöstlichen Lauf in einem knieartigen Bogen in Richtung Südwesten änderte. Diese Lage am Fluss mit seinen Transportmöglichkeiten und der Wasserversorgung für die Karawanen verkürzte den Weg von Timbuktu nach Nordafrika und hatte der Stadt ihre Bedeutung als Handelsposten beschert.
Barth geriet nun in einem lokalen Machtkampf zwischen die Fronten. Sein Beschützer war der in Westafrika weithin bekannte und verehrte islamische Gelehrte Sidi Ahmad al-Baqqai (1803 –1865). Weiter südlich, am Oberlauf des Niger, war seit 1818 im Zuge einer von Sufi-Orden getragenen islamischen Revolution das Reich Massina mit seiner Hauptstadt Hamd-Allahi entstanden, das die Oberhoheit über Timbuktu beanspruchte.
Die Fulbe, welche die Führungsschicht dieses Reiches stellten, verlangten von al-Baqqai Barths Auslieferung, was dieser rundweg verweigerte. Al-Baqqai hatte mächtige Verbündete, nämlich die Auelimmiden, die westlichen Tuareg. Er rief sie zu Hilfe, wann immer die Fulbe bewaffnete Truppen nach Timbuktu schickten, um des „ungläubigen“ Europäers habhaft zu werden.
Für Barth war es ein ständiges Hin und Her, das sich über Monate hinzog. Was ihm am meisten zusetzte, waren die Ungewissheit, wann er abreisen könnte, und die ständigen Drohungen gegen ihn. Aus diesem Belagerungszustand, in dem er sich ein halbes Jahr lang in Timbuktu befand, schrieb er am 12. November 1853 an den preußischen Gesandten Bunsen im fernen London: „Gott der Allmächtige hat mich bis jetzt während meines fast dreimonatlichen Aufenthaltes dahier inmitten der drohendsten Gefahren beschützt und ich hege die zuversichtliche Hoffnung, daß mir mein Rückzug aus dieser anarchischen Stadt mit Hülfe meines edlen u. weithin geachteten und gefürchteten Freundes und Beschützers, Scheikh Ahmed el Bakay gelingen wird.“ Gegenüber seiner Familie klang er drei Wochen später weniger hoffnungsfroh: „Noch immer hier, in dieser Stadt ohne Herrn und mit vielen Herrn, klein nur von Umfang und doch groß von Bedeutung.“
Schließlich konnte er im Frühjahr 1854 abreisen, al-Baqqai und die Tuareg eskortierten ihn bis Gao, der alten Hauptstadt des Songhay-Reiches. Von dort folgte er dem Lauf des Niger abwärts, von dem er eine genaue Karte anfertigte, bis nach Say, wo er Richtung Osten abbog, durch das Reich von Sokoto weiterreiste und schließlich wieder in Bornu ankam.
Unterwegs traf er durch puren Zufall den ihm nachgesandten Astronomen Eduard Vogel, der etwas voreilig die Gerüchte über Barths Tod als gesicherte Tatsachen nach Europa gemeldet hatte. Schließlich kam Barth, diesmal auf direktem Weg, von Kuka zurück nach Tripolis, dann mit dem Schiff über Malta nach Marseille und weiter nach London. Dort traf er am 6. September 1855 ein.
Binnen drei Jahren entstehen 7000 Seiten Reisebericht
Ohne Erholungspause nach den Strapazen einer mehr als fünfjährigen Reise setzte er sich an die Abfassung seines Reisewerks, das er gleichzeitig in einer englischen und einer deutschen Version schrieb, jede fünf Bände stark, insgesamt mehr als 7000 Seiten, innerhalb von drei Jahren. Erst 1859 kehrte er nach Deutschland zurück und ließ sich in Berlin nieder, wo er 1863 die ersehnte Professur an der dortigen Universität erhielt.
In den folgenden Jahren festigte Barth seinen Ruf als wissenschaftliche Autorität zu Afrika, nicht nur in geographischer und historischer, sondern auch in linguistischer Hinsicht. Denn einige Jahre nach dem Reisebericht ließ er noch zwei Bände „Zentralafrikanische Vokabularien“ folgen, umfassende Wörtersammlungen von mehr als zehn Sprachen.
Nach Abschluss des Reiseberichts zog es Barth immer wieder in die Ferne, denn er hielt neben Afrika an seinem früheren Themenfeld, der Erforschung des Mittelmeerraums, fest. Jedes Jahr bereiste er eine andere Region, um seine Kenntnis des Mittelmeerraums und damit der Spuren des römischen Weltreichs und der hellenistischen Kultur aus eigener Anschauung zu vervollständigen. Geographie, das bedeutete für ihn: Wer darüber forschen und sprechen wollte, konnte dies nur in der Begehung der Natur selbst tun.
Barth, der die Einigung der deutschen Länder zu einem Staat befürwortete, verstand eine eigenständige deutsche Afrika-Forschung als Beitrag zum Einigungswerk. Denn wissenschaftliche Leistungen, die aus dem ganzen deutschen Sprachraum finanziert wurden, sollten vor Augen führen, zu welchen Erfolgen die Gemeinsamkeit führen könne. Trotz nationalistischer Tendenzen wurde Barth kein Chauvinist, vielmehr unterstützte er die italienische Nationalbewegung und war ein Bewunderer Garibaldis.
Im Gegensatz zu dem bedeutenden Kartographen August Petermann, der die Karten für seinen Reisebericht gezeichnet hatte, äußerte sich Barth nie abschätzig über Franzosen, ausgenommen Napoleon III., den er als Tyrannen verabscheute. Ebenso ließ er sich trotz negativer Erfahrungen nie zu Pauschalurteilen über Engländer hinreißen. Das galt auch für die Afrikaner, die er als Partner betrachtete. Barth hegte eine Abneigung gegen die christliche Missionstätigkeit, denn für ihn war der Islam die zivilisierende Kraft in Afrika. Das imperialistische Vordringen Frankreichs kritisierte er, weil die Franzosen die afrikanischen Muslime nicht als Partner und Verbündete betrachteten, sondern als Feinde, die es zu unterwerfen gelte.
Am 25. November 1865 starb Heinrich Barth im Alter von nur 44 Jahren. Gerhard Rohlfs, ein junger Forscher, der viel Unterstützung von Barth erfahren hatte, würdigte ihn: „Sein Name wird nur mit Hochachtung und Bewunderung genannt, was nicht bei allen anderen Reisenden der Fall ist. Abd el-Kerim hat allerdings durch seinen eigenthümlichen Takt und seine vielseitige Menschenkenntniss es möglich gemacht, Wege zu durchreisen, die selbst Mohamedanern, schwarzen und weissen, selten gelingen … Barth war der grösste Afrikareisende und wird es bleiben.“
Barth konnte seine Pläne einer umfassenden Darstellung der Geographie Afrikas und eines Buches über das Mittelmeer nicht mehr verwirklichen. Daher blieb er für die meisten ein rein empirischer Forscher.
Am 10. Oktober 1859 hatte er einen Satz notiert, der seine Gültigkeit nicht verloren hat: „Wer unter Völkerschaften des verschiedensten Charakters und der verschiedensten Glaubensformen gelebt hat und bei allen in ihrer Weise treffliche Menschen gefunden hat, wird sich vor Einseitigkeit der Anschauung menschlicher Lebensverhältnisse bewahren.“
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