
Stattdessen präsentiert sich das Buch als eine Mischung aus persönlichem Erfahrungsbericht, assoziativ kombinierten historischen Phänomenen und essayistisch eingefügten politischen und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, die dem Leser die historische Bedeutung der großen Flüsse mehr suggeriert als historisch sauber argumentierend erklärt; Zusammenhänge und Entwicklungen werden nicht selten als „Hintergrundgeschichte“ geliefert oder verlieren sich in der Schilderung politischer Ereignisse.
Dabei beschränkt sich der Autor weitgehend auf das 19. und 20. Jahrhundert und die jüngste Zeit, konzentriert auf die US-amerikanische Geschichte, wobei der postkoloniale Diskurs natürlich nicht zu kurz kommt. Die Antike mit ihren bedeutenden Stromtalkulturen wird mit rund 20 Seiten abgehandelt, obwohl sie historisch ungemein lehrreiche Leistungen bei der Nutzung und Bändigung großer und kleiner Flusssysteme hervorgebracht hat; dies und die jüngeren Erkenntnisse zum frühen China und Indien werden kaum zur Kenntnis genommen. Das Mittelalter muss mit zwei Seiten auskommen, bevor der Autor zum amerikanischen Kontinent wechselt, dann immer wieder auf China zu sprechen kommt, aber sich nie scheut, auf knappstem Raum zwischen den Zeiten, Räumen und Kulturen zu springen.
Dabei weiß das Buch manch Interessantes zu berichten, etwa über die strategische Bedeutung der großen Flüsse während des amerikanischen Bürgerkrieges, die Kanonenboot-Politik der kolonialen Großmächte am Jangtse oder die logistische Bedeutung der Flüsse Indochinas während des Vietnam-Krieges. Doch all dies ist weder neu noch wird klar, wie sich die vorgeführten Phänomene in einer Weltgeschichte verorten. Ganz in seinem Element ist dagegen der Autor, wenn er die wirtschaftlichen und naturalen Konsequenzen sowie die staatlichen Versäumnisse von Flutkatastrophen, Staudammprojekten und Flussverschmutzungen erläutert. Hier liegen die Stärken des Buches. Sie zeigen sich immer dann, wenn der Autor seine geophysikalischen und hydrologischen Kompetenzen ausspielen und mit der jüngeren Politikgeschichte verbinden kann. Wer sich darauf einlassen will und mit leichter Feder durch die Probleme, Leistungen und Fehler des Umgangs mit den großen Flüssen geführt werden will, wird das Werk gerne konsultieren. Tieflotende historische Erkenntnisse und Zusammenhangwissen im weltgeschichtlichen Kontext darf man nicht erwarten.
Rezension: Prof. Dr. Raimund Schulz
Laurence C. Smith





