Alter und Tod sollten die Menschen von den unsterblichen Göttern unterscheiden. Daher schickte Zeus ihnen in der Büchse der Pandora Krankheit und Verfall. Ausgehend von jenen frühen Mythen der Vergänglichkeit, nähert sich Beate Wagner-Hasel gedankenvoll dem „Alter in der Antike“. Von den griechischen Poleis bis ins kaiserzeitliche Rom reicht der zeit‧liche Rahmen. Ausblicke in die frühchristliche Lebenswelt ergänzen ihn bis in die Spätantike. Die Autorin analysiert, wie diese Gesellschaften das Alter wahrnahmen und werteten. Antiken Kulturen gemein war die Wertschätzung des hohen Lebensalters, wie sie etwa in der hochrangigen Stellung betagter Männer in der Politik zum Ausdruck kam. Dieses Ansehen war ein Merkmal oraler Gemeinschaften, deren Wissen vom persönlichen Erfahrungsschatz abhing. Dessen Tradierung war Aufgabe der Alten beider Geschlechter. Diesem „Alterslob“ stellt Wagner-Hasel jedoch auch Generationenkonflikte gegenüber, wie sie am drastischsten im Vatermord zum Ausdruck kamen. Er taucht etwa in römischen Rechtstexten des 2. Jahrhunderts v. Chr. auf. Wagner-Hasel fügt eine komplexe Kulturgeschichte des Alters zusammen, die der Ambivalenz der Altersbilder Rechnung trägt.
Rezension: Ulrike Schröder





