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Am Rand der römischen Welt
Augustinus, 354 geboren, entstammte einem besonderen Milieu: der ethnisch, kulturell und religiös vielgestaltigen römischen Gesellschaft in Nordafrika. Zwar war seine Mutter Christin, aber Augustinus schloss sich zunächst der Religionsgemeinschaft der Manichäer an und studierte Rhetorik.
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Im August 430 wütete ein Krieg um die nordafrikanische Küstenstadt Hippo Regius (heute Annaba, Nordostalgerien). Die Vandalen berannten die Mauern des Ortes, und derjenige, dessen vorrangigste Aufgabe es gewesen wäre, der verängstigten Bevölkerung Halt und Zuversicht zu vermitteln, der greise Bischof Augustinus, lag im Sterben. Als ein kaiserlicher Bote in Afrika eintraf, um den Kirchenvater zum allgemeinen Konzil einzuladen, das in Ephesos zusammentreten sollte, konnte er nur noch die Todesnachricht entgegennehmen.
Geradezu sinnbildlich fiel Augustinus’ Tod mit dem Zusammenbruch der römischen Herrschaft in Nordafrika zusammen. Neun Jahre danach eroberten die Vandalen Karthago und konnten sich damit endgültig als die neuen Herren Afrikas feiern lassen. Wir wissen nicht, welche Gedanken den Bischof während seines Todeskampfes plagten; nicht ganz unwahrscheinlich ist jedoch, dass ihn zuletzt die Frage bewegte, warum es so weit hatte kommen können. Denn jenes Afrika, in das er 354 hineingeboren worden und in dem er aufgewachsen war, hatte noch ein ganz anderes Gesicht gezeigt.
Der schmale römisch beherrschte Landstreifen an der südlichen Mittelmeerküste, der sich über 2600 Kilometer von der Atlantikküste bis zur Großen Syrte hinzog und nach Süden hin allmählich in die Sahara überging, hatte seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung genommen. Er hatte sich zu jener Region im Westen des Imperium Romanum entwickelt, die den höchsten Urbanisierungsgrad erreichte.
Ein dichtes Straßennetz verband mehrere hundert größere und kleinere Städte, die vor allem in den Kernprovinzen, der Africa Proconsularis, der Byzacena (beide ungefähr im heutigen Tunesien) und im westlicher gelegenen Numidien, lagen; weniger dicht besiedelt waren die drei Mauretaniae (Sitifensis, Caesariensis, Tingitana) im Westen sowie die Tripolitana im Nordwesten des heutigen Libyen.
Selbstbewusste, florierende Städte mit der Tendenz zur Eigenwilligkeit
Jede einzelne der afrikanischen Städte war nach alter römischer Tradition organisiert, verfügte also über einen Kreis von Ratsherren, die über Finanzen und öffentliche Angelegenheiten, zum Beispiel Theater, Wasserversorgung, und Straßenbau, entschieden und als lokale Eliten eng miteinander vernetzt waren.
Öffentliche und religiöse Funktionsträger hielten argwöhnisch an ihren überkommenen Ehrentiteln fest. Und auf den Straßen tummelten sich Handwerker und Händler, die dazu beitrugen, Teilen der Bevölkerung einen für zeitgenössische Verhältnisse außerordentlichen Wohlstand zu ermöglichen.
Dieser Wohlstand basierte auf dem gewinnbringenden Export lokaler Qualitätsprodukte: Öl, Getreide, Fischsoße (garum) sowie anspruchsvolle Feinkeramik für den gehobenen Geschmack. Hinzu kamen die Erträge des Handels mit den Nomadengruppen am Wüstenrand, mit denen sich über die Jahrhunderte ein geradezu symbiotisches Verhältnis ausgebildet hatte, das eigens dafür abgestellte Amtsträger mit militärischer Macht sorgfältig absicherten, um den Frieden in den Provinzen zu erhalten.
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Andere Berbergruppen hatten sich inmitten der römischen Städte angesiedelt, wo sie das Bürgerrecht erhalten hatten und nun ebenfalls ihre Steuern entrichteten und den Kaisern die geforderten Loyalitätsbezeigungen entgegenbrachten. Römische, altpunische und berberische Traditionen, sesshafte Bevölkerungsgruppen und mobile Verbände lebten und kommunizierten in den afrikanischen Provinzen auf besondere Art und Weise miteinander; unterschiedliche Sprachen (berberische Dialekte, Punisch und Latein) sowie verschiedene religiöse und kulturelle Traditionen hatten eine Gemengelage geschaffen, die singulär war im Römischen Reich.
Diese nordafrikanische Gesellschaft hatte die Krise des Imperiums im 3. Jahrhundert überstanden, und auch im 4. Jahrhundert boomte die afrikanische Wirtschaft. Nichts wäre unzutreffender, als die Jahre um Augustinus’ Geburt als Phase des Niedergangs oder Verfalls zu betrachten – im Gegenteil: Die katastrophale ökonomische und finanzielle Situation, in die das Weströmische Reich mit der vandalischen Eroberung Afrikas taumelte, belegt eindrucksvoll, welche ökonomische Kraft von der Region weiterhin ausging. Nicht ohne Grund wird die These diskutiert, dass der Desintegrationsprozess Westroms erst in dem Moment unumkehrbar wurde, als Karthago verlorengegangen war.
Frieden und Wohlstand hatten allerdings auch ihren Preis: In Afrika standen nur wenige reguläre Soldaten – genug, um unruhige Berbergruppen in Schach zu halten, zu wenig jedoch, um einem Angriff wie dem der Vandalen seit 429 standzuhalten. An der Spitze dieser Truppen agierte der comes Africae, der oberste regionale Militärkommandeur. Ihm zur Seite stand der höchste zivile Amtsträger, der vicarius Africae, mit Sitz auf dem Burgberg Karthagos (Byrsa). Dieser leitete die Provinzadministration, fungierte als Richter und wachte über den Kaiserkult.
Der Statthalter und sein Stab bildeten die wichtigste Verbindung zum Zentrum des Reiches – ein elitärer Zirkel, auf den die lokalen Eliten neidisch blickten und in dem sie ihre vielversprechenden, ehrgeizigen Söhne unterzubringen suchten; so auch der Vater Augustinus’.
Obwohl Afrika seit Jahrhunderten Teil des römischen Weltreichs war, obwohl es großen Anteil an dessen wirtschaftlicher Wohlfahrt besaß, führte die Region doch auch stets ein Eigenleben; die afrikanischen Provinzen lagen am Rand der römischen Welt, und ihr besonderer, von der Koexistenz sesshafter und mobiler Gruppen geprägter Zuschnitt hatte Spuren hinterlassen.
Das ausgeprägte Selbstbewusstsein der Bevölkerung manifestierte sich nicht nur in der stolzen Zurschaustellung römischer Ämter und Titel, sondern auch in einer Starrsinnigkeit, die nicht zuletzt in religiösen Fragen besonders zutage tritt: die Rigorosität etwa, mit der Christen dort seit dem 3. Jahrhundert als Märtyrer auftraten; die Hartnäckigkeit, mit der lokale Vertreter der Kirche gegenüber Rom und Konstantinopel agierten; aber auch die Unabhängigkeit, die Statthalter vor allem seit dem ausgehenden 4. Jahrhundert gegenüber der Reichszentrale für sich reklamierten.
Nicht ohne Grund bildeten sich die Donatisten, eine besonders unbeugsame innerchristliche Gruppierung, zu Beginn des 4. Jahrhunderts ausgerechnet in Afrika heraus und ließen sich trotz kaiserlicher Verbote und Repressalien nicht einschüchtern: Als Augustinus das Licht der Welt erblickte, besaß jeder größere und so mancher kleinere Ort in Afrika zwei Bischöfe – einen katholischen und einen donatistischen. Das Problem bestand noch, als Augustinus 396 Bischof von Hippo wurde (siehe Artikel Seite 34).
Kehrseite des Booms: eine Vielzahl religiöser und sozialer Konflikte
Die Donatisten stehen aber auch für ein weiteres Phänomen, das charakteristisch für das spätrömische Afrika ist: die Verbindung religiöser und sozialer Spannungen. Denn der wirtschaftliche Boom, der gerade das 4. Jahrhundert prägte, hinterließ auch Verlierer und prekäre Existenzen: Das Los der Wanderarbeiter und Sklaven, die auf den Feldern der Landbesitzer arbeiteten – häufig auf ausgedehnten Domänen des Kaisers –, war alles andere als erstrebenswert.
Grundbesitzer versuchten zudem, die Handlungs- und Bewegungsspielräume von Kolonen, den an die Scholle gebundenen Kleinbauern, einzuschränken, denn diese Arbeitskräfte waren gefragt und umworben. Dem gewaltigen Reichtum der Reichseliten, die in unregelmäßigen Abständen eintrafen, um ihre Güter zu inspizieren, stand das von Augustinus beklagte „Elend auf dem Land“ (tristitia rusticana) entgegen.
Viele dieser Ausgebeuteten suchten Zuflucht bei den Donatisten, deren strenge Haltung und religiöse Verkündungen sie anzogen; andere schlossen sich einzelnen Gruppen an, die sengend und mordbrennend durch die Lande zogen und besonders die Großgrundbesitzer zu schädigen suchten: mittellose Landarbeiter, die sich häufig um die Vorratshäuser der Begüterten herumtrieben (Augustinus: cellas circumiens rusticanas) und deshalb „Circumcellionen“ genannt wurden. Sie selbst bezeichneten sich gerne als „Streiter [für den Herrn]“ (agonistici), und auch darin zeigt sich einmal mehr die für Afrika typische Verbindung religiöser und sozialer Spannungen. Noch eine weitere Entwicklung zeichnete sich im Afrika des 4. Jahrhunderts ab: Machtvolle Politiker arbeiteten zunehmend auf eigene Rechnung – dies war Teil und zugleich Beschleuniger eines Entfremdungsprozesses, der die afrikanischen Provinzen schrittweise vom Reich entfernte.
Diese Persönlichkeiten zettelten Aufstände an (so etwa Firmus, 372 bis 375), die mühevoll und blutig niedergeschlagen werden mussten, oder sie koppelten die Region phasenweise ganz von der Reichsregierung ab (so etwa Gildo, 397/98). Das Ausscheiden Afrikas aus dem Reichsverband war ein schleichender Prozess, der durch den Vandaleneinfall nicht ausgelöst, sondern abgeschlossen wurde. Für die Zeitgenossen war davon allerdings nur wenig erkennbar, als Augustin am 13. November 354 in Thagaste (Souk Ahras, Nordostalgerien) auf die Welt kam. Diese Welt war für den Knaben zunächst recht überschaubar: Thagaste war ein kleiner Ort in Numidien – aber nach römischem Verständnis eben auch eine stolze, sich selbst verwaltende Stadt. Eines der Mitglieder des Stadtrates (curia) war sein Vater Patricius, eher bescheiden begütert, aber voller Ehrgeiz, seinem Sohn jene Ausbildung zu finanzieren, die nötig war, um Karriere in der hohen Reichsadministration zu machen.
Vor Ort findet der Wissbegierige nicht das, was er braucht
Augustinus’ Verhältnis zu seinem Vater scheint nicht besonders innig gewesen zu sein, denn in seiner Autobiographie, den „Confessiones“ („Bekenntnisse“), spielt dieser jedenfalls keine besondere Rolle. Immerhin hören wir, dass Patricius, als Augustinus 16 Jahre alt war, den alten Kulten entsagte und ins Katechumenat – die Vorbereitung eines Taufbewerbers – eintrat; doch bereits ein Jahr später starb er. Nun war es an der Mutter Monnica, einer überzeugten Christin, die Familie durchzubringen – neben Augustinus den jüngeren Bruder Navigius sowie (mindestens) eine Schwester, die, verwitwet, ein Frauenkloster leitete.
In den „Confessiones“ erscheint Monnica denn auch als eigentliche Bezugsperson Augustinus’, und in diesem Punkt wird man der Autobiographie wohl vertrauen dürfen. Denn auch wenn uns keine Gestalt der Antike außer Cicero ähnlich gut durch schriftliche Zeugnisse erschließbar erscheint wie Augustinus, so ist doch ausgerechnet bei der Autobiographie höchste Vorsicht geboten. Ihr Verfasser wollte keineswegs eine präzise Chronik der ersten 33 Jahre seines Lebensweges geben, sondern hat seine Schrift vielmehr als Zwiegespräch mit Gott gestaltet, in dem sein Weg zur christlichen Erkenntnis nachgezeichnet wird (siehe Artikel Seite 22).
Jedenfalls nehmen wir in den „Confessiones“ Anteil daran, wie die Mutter sich intensiv bemühte, dem Sohn eine prinzipientreue christliche Erziehung angedeihen zu lassen. Einfach war das nicht und zunächst auch wenig erfolgreich.
Den römischen Gepflogenheiten folgend, besuchte der junge Augustinus in Thagaste den Elementar- und Grammatikunterricht. Dort kam er in Kontakt mit Klassikern der lateinischen Literatur: Vergil, Cicero, Sallust und Terenz. Doch seine Wissbegier wurde nicht befriedigt – dies sollte ein Leitmotiv seines Lebensweges werden –, denn die Autoren, ohnehin nur eine schmale Auswahl, wurden unter rein sprachlich-stilistischen Gesichtspunkten gelesen und memoriert, um Rhetoren, Virtuosen der lateinischen Sprache, als zukünftige Anwälte und imperiale Amtsträger heranzubilden.
Philosophie, Geschichte oder andere Disziplinen spielten keine Rolle. Hinzu kam die offenbar mangelnde Qualität des Unterrichts, der in Thagaste zu haben war. So musste Augustinus sein Leben lang mit dem Makel hadern, nur über rudimentäre Griechischkenntnisse zu verfügen – für einen philosophisch interessierten Geist eine mittlere Katastrophe.
Die Verhältnisse waren eng und die Mittel begrenzt. 365 schickte der Vater den Zögling ins benachbarte Madaura, um die Ausbildung zu verfeinern – immerhin die Heimatstadt des berühmten Literaten Apuleius, dessen Roman „Der goldene Esel“ (auch: „Metamorphosen“) heute noch eine Lektüre wert ist. Doch schon nach einem Jahr wurde Augustinus zurückgerufen – das Geld reichte nicht. Ein schwieriges Jahr in Thagaste folgte, bis die Familie endlich das nötige Vermögen erspart hatte, um den Sohn nach Karthago zu schicken. Hilfe leistete im Hintergrund Romanianus, ein wohlhabender Nachbar und Gönner mit Kontakten in höchste Kreise.
In Karthago taucht er tief ins Studentenleben ein
Nun also Karthago: nach Rom die zweitgrößte Stadt im Westen des Imperiums, das Tor zur Welt, ein gewaltiger Schmelztiegel, in dem sich zwischen 100 000 und 300 000 Menschen aus allen Teilen der damals bekannten Welt tummelten. Die Stadt war nach dem Ende des dritten Punischen Krieges 146 v. Chr. vollständig zerstört und verflucht worden. Die Wiederaufbaupläne Caesars hatte erst Kaiser Augustus umgesetzt, der im klassischen Schachbrettmuster um die Byrsa (den Burgberg) eine römische colonia erstehen ließ.
Diese wuchs und blühte. Selbstverständlich bot Karthago im 4. Jahrhundert alles, was das Herz begehrte: ein Amphitheater und einen Circus, ein Theater sowie das größte Odeion (ein überdachter Aufführungsraum) der römischen Welt, auch zahlreiche Thermen. Dazu kam ein großer Hafen.
Hier lernte Augustinus das Studentenleben kennen und tauchte tief darin ein. Theaterbesuche, nächtliche Trinkgelage und hektische Diskussionen unter Kommilitonen gehörten ebenso dazu wie die heißersehnten ersten sexuellen Erfahrungen: Der aufstrebende Rhetorikstudent nahm sich eine Konkubine und ging mit ihr ein eheähnliches Verhältnis ein – Alltag im Römischen Reich. Weit weniger erwünscht war jedoch die Geburt des Sohnes Adeodatus im Jahr 372. Er sollte bereits 389 sterben und blieb trotz offenbar hoher Begabung ein Fremdkörper in der Biographie des Augustinus: „Denn ich besaß an jenem Knaben keinen Anteil außer der Sünde“.
Die Jahre in Karthago (etwa 370 bis 373) führten den ewig Suchenden zu seinem ersten großen Fund (373): Ciceros (heute nicht mehr erhaltene) Schrift „Hortensius“. Diese Werbeschrift für ein von Philosophie geleitetes Leben, zog den Studenten in ihren Bann und weckte in ihm das Interesse an einer vertieften Bibellektüre. Doch Augustinus war wenig begeistert: Weder sprachlich noch inhaltlich überzeugte ihn die Heilige Schrift und damit das dogmatisch noch ungefestigte Christentum insgesamt. Den gesuchten Weg zur Weisheit fand er dort vorerst nicht; vor allem die Erzählungen des Alten Testaments stießen ihn ab.
Antworten auf seine unbeantworteten Fragen, insbesondere zum Ursprung des Bösen, glaubte er nun bei den Manichäern zu finden, einer religiösen Gemeinschaft, die auf den persischen Religionsstifter Mani des 3. Jahrhunderts zurückging, im Römischen Reich aber streng verboten war und zeitweise verfolgt wurde. Augustinus war fasziniert von der Welterklärung der Manichäer, die auf einem permanenten Kampf zwischen Gut und Böse basierte. Die Welt und den Menschen deuteten sie als Kampfplätze dieser beiden Prinzipien. Dabei absorbierten sie aber auch Elemente aus dem Christentum.
Eine einheitliche manichäische Lehre wurde nie entworfen – zumal einzelne Gruppen sich unterschiedlich entwickelten. Dennoch besaß der Manichäismus unter römischen Intellektuellen im 4. Jahrhundert eine hohe Anziehungskraft (gerade in Afrika), was nicht zuletzt die Karriere des ehrgeizigen Rhetorikers Augustinus fördern sollte.
Augustinus sah sich zunächst wohlgerüstet, als er 373 nach Thagaste zurückkehrte, um dort als Rhetoriklehrer zu wirken – obgleich die fromme Monnica dem manichäischen „Hörer“ (auditor), die niedrigste Stufe in der manichäischen Hierarchie, zunächst das Haus verschloss.
Den Unsteten hielt es ohnehin nicht lange in Thagaste: Bereits 375 sehen wir ihn wieder in Karthago, wo er endlich mit dem Manichäerbischof Faustus von Mileve zusammentreffen durfte, einer hochgelehrten Persönlichkeit, von der sich Augustinus Antworten auf all die Fragen erhoffte, die ihn umtrieben. Doch das intellektuelle Niveau, auf dem Faustus diskutierte, befriedigte Augustinus nicht – und damit begann ein langsamer Prozess der Emanzipation vom Manichäismus, der mit zunehmendem Interesse an griechischer Philosophie (vor allem dem Skeptizismus) und ihren Verbindungen zum christlichen Denken (im Neuplatonismus) einherging. Am Ende sollten es neun Jahre werden, die Augustinus dieser Religion anhing (373/74 –382/83). Bis 383 verdingte er sich in Karthago als Rhetoriklehrer und bereitete zielstrebig seine Karriere im Reichsdienst vor – nicht zuletzt aber auch über Beziehungen seiner manichäischen Freunde. Dann wagte er den großen Sprung. Unter Tränen versuchte Monnica, ihn zurückzuhalten, doch Augustinus brach heimlich in der Nacht auf. Sein Ziel lautete: Rom.
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