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An der Seite der „Spartaner“
Die Griechenfreunde, Philhellenen, einte die Begeisterung für das antike Griechenland und der Wunsch, einem unterdrückten Volk zu helfen. Sie schlossen sich in Vereinen zusammen oder nahmen gleich selbst am Freiheitskampf gegen die Osmanen teil.
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Der griechische Unabhängigkeitskampf löste eine Reihe von Unterstützungs- und Solidaritätsbewegungen aus. Im Deutschen Bund, in Frankreich, in der Schweiz, in den Niederlanden, in England und Luxemburg – aber auch in den USA – kam es zur Bildung von Vereinen, Unterstützungsinitiativen und Spendenaktionen. Die Philhellenen ergriffen Partei für den griechischen Unabhängigkeitskrieg und sahen sich als Unterstützer eines kämpfenden und leidenden Volkes.
Angesichts des restaurativen gesellschaftspolitischen Klimas in der Folge des Wiener-Kongresses (1815) gelang den Vereinen, Initiativen und engagierten Einzelpersonen eine beachtenswerte soziale Mobilisierung. Auf Flugblättern, in Zeitungsartikeln, Büchern und Predigten, aber auch mit kulturellen Veranstaltungen, entfalteten die Griechenfreunde eine breite Resonanz für die Unterstützungswürdigkeit der griechischen Sache.
Klassik und Neuhumanismus wecken die Begeisterung für die antiken Griechen
Die Grundlage dieser Bewegung bildete die geistesgeschichtliche Strömung der Griechenlandbegeisterung in Gestalt der deutschen Klassik und des kulturell-ästhetischen Neuhumanismus. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gehörten beide zum Kanon der identitätsbezogenen Vergewisserung des Europäischen. Aber auch Freiheitsimpulse und das zunehmende Bewusstsein nationaler Identität und Einheit in Folge der Französischen Revolution trugen zur Begeisterung für das Unabhängigkeitsbestreben der Griechen bei.
Die national-liberale Ausrichtung der Philhellenen-Bewegung machte sich auch in der politischen Grundausrichtung der Vereine bemerkbar. Nimmt man den deutschen bzw. schweizerischen Philhellenismus zum Maßstab, so spielten die Griechenvereine eine maßgebliche Rolle bei der Formierung einer bürgerlich-liberalen Öffentlichkeit.
Diese Selbstorganisation wies charakteristische Merkmale einer zivilgesellschaftlichen Mobilisierung auf. Es wurde Wert darauf gelegt, dass jeder bei den Vereinen mitmachen konnte. Ein solcher freier Zweckverband setzte sich eindeutig von den Sozialformen der „alten Gesellschaft“ mit ihren geburtsständisch-korporativen Zügen ab. Im Gegensatz zu den Praktiken der tradierten Geheimbünde, zum Beispiel der Freimaurer, legte die Vereinsbewegung Wert auf Transparenz und Öffentlichkeit ihrer Aktivitäten. In einer Epoche geringer Mobilität bzw. eines ausgeprägten regionalen Partikularismus stieß die Philhellenen-Bewegung Projekte von nationaler Tragweite an und knüpfte überregionale und grenzüberschreitende Netzwerke.
Auf der Ebene des öffentlichen Diskurses standen die Rechtfertigung des Freiheitskampfes und der Aufruf zur Solidarität im Mittelpunkt. Diese Argumentationsfelder waren über weite Strecken deckungsgleich, aber nicht identisch. Der Grund dafür liegt darin, dass nicht alle Argumente, die für die Rechtmäßigkeit des Kampfes angeführt wurden, auch bei der Begründung der Solidarität Verwendung fanden.
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Der philhellenische Diskurs beschränkte sich aber nicht auf theoretische und propagandistische Texte. Ebenso wichtig war der Beitrag sowohl der bildenden Künste als auch von Literatur und Dichtung. Zahlreiche Maler visualisierten in ihren Werken den Kampf und das Leiden des griechischen Volkes. Prominente Beispiele sind Eugène Delacroix (1798–1863), Émile Jean Horace Vernet (1789–1863) und Ary Scheffer (1795–1858).
Auf der Seite der Dichter tat sich besonders Johann Ludwig Wilhelm Müller (1794–1827), auch der „Griechen-Müller“ genannt, hervor. Obwohl der Dessauer Dichter, ein Hauptrepräsentant der deutschen Romantik, nie griechischen Boden („sein Arkadien“) betreten hat, griff er gleich zu Beginn des Aufstandes zur Feder. Mit den „Liedern der Griechen“ setzte er dem Land seiner Bewunderung ein literarisches Denkmal.
Ludwig Wilhelm Müller ruft zur Unterstützung der Griechen auf
Im darauffolgenden Jahr veröffentlichte Müller ein zweites Heft mit acht weiteren Gedichten, darunter „Alexander Ypsilanti auf Munkacs“. In diesem Gedicht vergleicht er den Anführer der Aufständischen mit Leonidas, dem antiken König von Sparta: In Bezug auf Tapferkeit, Vaterlandsliebe und den republikanischen Freiheitshabitus stünden die zeitgenössischen Griechen ihren antiken Vorfahren in nichts nach.
1823 publizierte er „Neue Lieder der Griechen“. Er prangerte die Untätigkeit der europäischen Regierungen an und rief sie zur tatkräftigen Unterstützung des heroischen Volkes auf. Noch ein Jahr später erschien eine neue Gedichtsammlung („Neueste Lieder der Griechen“), in der Müller neben Porträts von heldenhaften Aufständischen und vier Gedichten über das Schicksal der Stadt Mesolongi auch dem britischen Hellenen-Unterstützer Lord Byron ein Gedicht widmete.
Eine andere dichterische Hommage an den griechischen Unabhängigkeitskrieg stammt aus der Feder von Victor Hugo (1802–1885). Insgesamt sechs Gedichte dokumentieren das langjährige philhellenische Engagement des berühmten französischen Schriftstellers. Später erschienen diese in dem Sammelband „Les Orientales“ (1829).
Inspiriert vom Ausbruch aus dem belagerten Mesolongi, lässt Hugo in dem Gedicht „Les têtes du Sérail“ („Die Köpfe des Serail“, 1826), zwei Anführer des Freiheitskampfes miteinander ins Gespräch treten. In den Gedichten „Navarin“ und „Enthousiasme“ (1827) besingt er die nach der Schlacht von Navarino (20. August 1827) eingeleitete Befreiung des Landes. Ein Jahr später erschienen zwei weitere Gedichte, „Kanaris“ und „Le Klephte“. Mit letzterem Werk bewies Hugo seine profunde Kenntnis des griechischen Volksliedguts.
Chronologisch kann man die Vereinsmobilisierung ganz grob in zwei Phasen unterteilen. Die erste Phase (1821–1823) ist geprägt vom Ziel, militärische Unterstützung für den griechischen Aufstand zu leisten. Dazu sollte ein Kontingent aus freiwilligen Kämpfern aufgestellt werden. Der philhellenische Beistand stand hier – mehr oder weniger – im Zeichen eines nationalen Freiheitsethos mit liberal-oppositionellen Untertönen.
Zu einer zweiten Welle solidarischer Anteilnahme kam es nach der für die Griechen so katastrophalen Belagerung von Mesolongi im Frühjahr 1826. Nun standen humanitäre Hilfeleistungen für die notleidenden Griechen im Mittelpunkt. Es gibt zahlreiche Beispiele für dieses Engagement. So wollte etwa ein Darmstädter Verein 1827 eine Armenschule einrichten. Der Berliner Philhellene und Arzt Friedrich Hufeland (1774–1839) regte die Unterstützung notleidender griechischer Ärzte und ihrer Witwen an.
Bereits 1821 werden die ersten Vereine gegründet
Im August 1821 war es der Leipziger Philosophieprofessor Wilhelm Traugott Krug (1770–1842) gewesen, der erstmals öffentlich zur Gründung von „Griechenvereinen“ aufrief. Krug sah den Zweck der Vereine darin, Geld zur Unterstützung von freiwilligen Kämpfern zu sammeln sowie Mittel zur Durchführung dieses Vorhabens bereitzustellen. Wenige Tage später präzisierte der Berliner Geograph und Germanist Johann August Zeune (1778–1853) in einem „Spendenaufruf zu Gunsten der Griechen“ den Zweck und die Funktion der zu bildenden Vereine. Er plädierte für die Einrichtung eines Unterstützungsfonds für griechische Familien, die im Kampf für die Unabhängigkeit ihr Eigentum und ihre Versorger verloren hatten.
Mit Ausnahme Österreichs und Preußens, wo restriktive Gesetze Unterstützungsaktionen kaum zuließen, fand die philhellenische Vereinsbewegung im Deutschen Bund rasch eine flächendeckende Verbreitung.
Die Zentren des engmaschigen Netzwerks des organisierten Philhellenismus bildeten sogenannte Hauptvereine, wie beispielsweise in Stuttgart („Stuttgarter Hilfsverein für Griechenland“, gegründet am 20. August 1821), Darmstadt, Heidelberg, Düsseldorf, Koblenz und Münster. Zusätzlich entfalteten mit der Zeit „Lokal-, Filial-‚ und Partikular“-Vereine eine rege Tätigkeiten, etwa in Nürnberg, Hamburg, Freiburg, Tübingen und Gießen. Eine führende Rolle in der zweiten Phase der Unterstützungstätigkeiten spielte der „Dresdner Verein zur Unterstützung hülfsbedürftiger Griechen“.
Den allgemeinen Tenor der deutschen Mobilisierung gibt der folgende Passus aus einem Rechenschaftsbericht des Griechen-Vereins in Freiburg (gegründet am 3. April 1823) wieder: „Auch dießmal wieder bethätigten sich christliche Liebe, barmherzige Theilnahme an fremden Leiden, kräftiger Sinn für Gerechtigkeit, und lebendiges Gefühl für bürgerliche und sittliche Freiheit, der Teutschen uraltes Erbe, auf ’s Erfreuliche.“
Eine besondere Stellung nahm der bayerische Vereinsphilhellenismus ein, der von Anfang an unter der Ägide hoheitlicher Staatspolitik stand. Unter der Schirmherrschaft des bayerischen Königs Ludwig I. (1786–1868) wurde 1826 der „Zentral-Griechenverein“ in München gegründet.
Der Philhellenismus fand in ganz Europa und sogar in den USA Zulauf. In England wies die Bewegung zwei Operationszentren auf: Im Jahr 1823 gründeten sich das „London Greek Committee“ und das „Quakers-Committee for the relief of the distressed Greeks“. Die französische Vereinsbewegung wurde vor allem durch die Philanthropische Gesellschaft („Société Philanthropique en faveur des Grecs“) und die „Société Philanthropique en faveur des Grecs à Marseille“ verkörpert (beide 1825 gegründet). Eine führende Rolle in der niederländischen Vereinsbewegung spielte die „Centraal filheleens komitee“ in Den Haag. Für den US-amerikanischen Philhellenismus war das „Committee for the Greek Fund“ (1823) besonders wichtig.
Einer der herausragenden deutschen Philhellenen und wichtigster Initiator des bayerischen Philhellenismus war Friedrich Wilhelm Thiersch (1784–1860). Der Professor für altgriechische Philologie an der Universität München wirkte vor seinem Engagement für den griechischen Unabhängigkeitskampf als zentrale Persönlichkeit der humanistischen Bildung in Bayern und war bildungspolitischer Berater von König Ludwig I.
Schon im August 1821 entwarf er Pläne für die Aufstellung eines Kontingents von freiwilligen Kämpfern aus Deutschland und der Schweiz, der sogenannten Deutschen Legion. Er spielte auch eine führende Rolle im 1826 gegründeten Münchener Verein zur Unterstützung der Griechen.
Als nach der Ausrufung der Unabhängigkeit wieder einmal Streit unter den Revolutionären ausbrach, reiste Thiersch 1831 nach Griechenland, wo er zwischen den Lagern zu vermitteln versuchte. Seine Anteilnahme am Geschick des neugegründeten Landes äußerte sich auch in seinen Vorschlägen zur Organisation des neuen Staats. Seine Entwicklungs- und Modernisierungskonzepte wurden später jedoch von der bayerischen Regentschaft unter Otto I. (1832/33–1862) abgelehnt.
Für die romantische Sensibilität des französischen Philhellenismus steht der Schriftsteller, Politiker und Diplomat François-René de Chateaubriand (1768–1848), Mitglied der Pariser „Société en faveur des Grecs“. 1806/07 hatte er Griechenland bereist. In seinem Bericht „Reise von Paris nach Jerusalem durch Griechenland und Kleinasien, und Rückreise nach Paris durch Aegypten, Nordafrika und Spanien“ (1811) pries er die Schönheit der Natur des Landes und der vernachlässigten historischen Denkmäler, die von der Größe der griechischen Kultur zeugten. Doch beschrieb er auch mit drastischen Worten die aus seiner Sicht schrecklichen Lebensbedingungen der versklavten Griechen. Sein 1825 verfasstes Werk „Note sur la Grèce“ wurde ein großer Erfolg und avancierte zum Manifest des europäischen Philhellenismus in seiner zweiten Phase.
Lord Byron wird zum tragischen Helden
Der vielleicht prominenteste Philhellene stammte aus Großbritannien: der Dichter Lord George Gordon Byron (1788–1824). Erstmals in Berührung mit Griechenland kam der Vertreter der englischen Romantik 1809. Als Teil der Grand Tour, der obligatorischen Bildungsreise für den Nachwuchs der englischen Oberschicht, bereiste er das Land. In Gedichten wie „Childe Harold’s Pilgrimage“ oder „The Isles of Greece“ besang er die Schönheit und Erhabenheit der Landschaft.
Im März 1823 gelang es dem „London Greek Committee“, Byron als Mitglied zu gewinnen. Vier Monate später reiste der Adlige, der zu dieser Zeit in Italien lebte, nach Kefalonia, eine der Ionischen Inseln unter englischer Besatzung. Sein Schiff war beladen mit Kriegsmaterial, einer beachtlichen Menge von Medikamenten und Geld in Form von mehreren tausend spanischen Pesos. Für den Rest des Jahres blieb er auf der Insel und bereitete sorgfältig seinen Einsatz vor.
Anfang 1824 zog Byron nach Mesolongi um, damals eines der Zentren des Aufstandes. Hier stellte er aus eigenen Mitteln ein Kontingent von erfahrenen Unabhängigkeitskämpfern zusammen und ließ Alexandros Mavrokordatos (1791–1865), dem Präsidenten der Exekutive, eine beachtliche Geldsumme für die griechische Marine zukommen. Mit Leutnant Leicester Stanhope (1784–1862), der als eine Art Militärattaché des Londoner Komitees fungierte, setzte er die militärischen Vorbereitungen fort.
Zudem unterstützte Byron die von dem schweizerischen Philhellenen Johann Jakob Meyer (1798–1826) herausgegebene erste griechische Zeitung, die „Elleniká Chroniká“. Die geplante Expedition zur Einnahme der benachbarten Festung in Nafpaktos schlug jedoch aufgrund der unzureichenden Bewaffnung mit Kanonen und der Disziplinlosigkeit der rekrutierten Kämpfer fehl. Nach der Niederlage verschlechterte sich die ohnehin angeschlagene Gesundheit des Dichters. Er starb am 19. April 1824. Aufgrund seines Engagements wird er in Griechenland bis heute verehrt.
Die gescheiterten Pläne Lord Byrons stehen stellvertretend für die enttäuschten Träume vieler freiwilliger Kämpfer aus ganz Europa. Sie mussten schmerzhaft erfahren, dass die Realität in Griechenland in vielerlei Hinsicht nicht ihren Vorstellungen vom edlen Freiheitskampf der Nachfahren der antiken Griechen entsprach.
In den Erinnerungen der europäischen Freiwilligen finden sich daher auch zahlreiche Berichte über unerfreuliche Erfahrungen mit den Aufständischen. Den allgemeinen Tenor trifft der Thüringer Johann Daniel Elster (1796–1857). Er kam 1822 nach Griechenland und begleitete die Kämpfer aus ganz Europa als Wundarzt. In seinem Werk „Das Bataillon der Philhellenen“ (1828) notierte er: „Fassen wir die Tendenz der Philhellenen gehörig ins Auge, so finden wir, daß sie zum Theile enttäuscht [waren] über die Erwartungen, mit denen die nach Hellas gekommen [sind]“.
Kurz nach seiner Rückkehr in die Schweiz veröffentlichte der Militärarzt Fridolin Stauffer (1797–1851) die Schrift „Die zwei Philhellenen, oder: Erzählendes Gespräch zwischen einem Recruten und einem Deserteur über den Freiheitskampf der Neugriechen und ihre Wehrmänner“ (1823). Ernüchtert beschreibt er darin die militärische Lage: „Wenn nicht einige tausend wohlgeübte, mit allen Hülfsmitteln versehene Wehrmänner, der griechischen Sache zu Gebothe stehen können, ohne mit den Griechen gemeinschaftlich zu kämpfen, so ist der Zweck gewiß verloren.“
Wie aus der Euphorie für die Sache der Griechen eine fast schon anti-griechische Stimmung werden konnte, macht das 1823 veröffentlichte Tagebuch des Juristen, Publizisten und Rechtsphilosophen Francis Lieber (1800–1872) deutlich. Von Januar bis März hatte er in Griechenland gekämpft. Seine Bilanz ist bitter: „Mir tut es weh, zwei Jünglinge dieselbe Bahn einschlagen sehen zu müssen, die ich so eben erst durchlaufen, d.h. sich aufopfern, in Griechenland herben Schmerz und Unmuth in sich saugen, durch die grause Täuschung abstumpfen und nach dem Festland zurückkehren vielleicht mit einem Gemüth, dem auf lange die rechte Lebenslust vergällt ist.“
Philhellenen bilden ein europaweites Netzwerk
Dennoch bewirkte das Engagement Positives: Am Beispiel der Ausbreitung der Philhellenenbewegung in Europa kann man Ansätze der Herausbildung einer europäischen Öffentlichkeit erkennen. Über die Verbreitung von Publikationen (Streitschriften, Appelle, Broschüren, Reise- und Kriegsberichte) hinaus, entwickelten die Philhellenenvereine ein dynamisches und länderübergreifendes Beziehungsgeflecht zum Austausch von Informationen und Handlungskonzepten.
Aufgrund ihrer gemeinsamen Bemühungen um die Befreiung Griechenlands wuchsen die Philhellenen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und der Schweiz zu einer Gemeinschaft zusammen. Durch reisende Delegationen, institutionalisierte Briefwechsel, Ausschüsse, Konferenzen und gemeinsame Kommissionen legten die nationalen Bewegungen ein hohes Maß an zivilgesellschaftlicher Kommunikation an den Tag.
Dies zeigt etwa die Entsendung freiwilliger Kämpfer im Herbst 1822: Auf einen Vorschlag aus Zürich hin einigten sich die Vereine in Stuttgart, Tübingen, Bern, Darmstadt und Heidelberg darauf, eine „Etappenstraße“ zu organisieren. So sollte den Freiwilligen auf ihrem Weg nach Marseille die nötige logistische Unterstützung gewährt werden.
Das enge Zusammenwirken deutscher (Stuttgart, Darmstadt) und schweizerischer Vereine (Zürich, Genf, Bern) erfuhr in der zweiten Hälfte des Jahres 1823 eine neue Dimension. Gestützt auf den systematischen Aufbau eines Netzes von Haupt- und Lokalvereinen sowie auf einzelne Personen, die in ihren Wirkungsbereichen Geld sammelten, bildete sich Ende des Jahres die deutsch-schweizerisch-englische Kommission in Griechenland.
Ihr Ziel bestand darin, die in Angriff genommenen Projekte der „Freiwilligenstrecke“ (1821) und der „Deutschen Legion“ (1822) fortzuführen. Das Netzwerk organisierte auch die Aufnahme und Verteilung von Flüchtlingen. Zudem wurden griechische Waisenkinder an die Griechenvereine aller Länder vermittelt.
Mit den Spenden wird auch der Aufbau einer Flotte finanziert
In der zweiten Hochphase der Philhellenbewegung standen, wie bereits erwähnt, die Spenden im Mittelpunkt. Gesammelte Gelder wurden von den Nebenvereinen an die beiden Hauptvereine in Paris und Genf überwiesen. Eine zentrale Rolle in dieser Phase der Vereinskooperation übernahm der Genfer Philhellene Jean-Gabriel Eynard (1775–1863), Bankier und späterer Mitbegründer der Nationalen Bank Griechenlands. Als Anfang 1826 der Genfer Verein seine Spendengelder an Paris weiterleitete, avancierte das dortige „Comité philhellenique“ (kurz „Comité Grec“) zum Hauptverein des europäischen Philhellenismus.
Ende 1826 kam es noch zu einem Gemeinschaftsprojekt, an dem sich außer Genf und Paris die Vereine in München und der Rest des seit 1825 inaktiven Londoner Komitees beteiligen: Es handelte sich dabei um den Bau einer Flotte von Segelschiffen für die griechische Marine.
Dass dies alles so reibungslos funktionierte, lag neben der kosmopolitischen Gesinnung vieler intellektueller Griechenfreunde nicht zuletzt auch an den guten Kontakten, die zwischen einzelnen Mitgliedern bestanden. Man kannte sich bereits durch frühere berufliche oder politische Tätigkeiten. So waren etwa die führenden Philhellenen Friedrich Thiersch, Emmerich Joseph von Dalberg (1773–1833), Jean Gabriel Eynard und Karl Wilhelm Freiherr von Heideck (1788–1861) Teilnehmer des Wiener Kongresses gewesen.
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