Eine „Globalgeschichte dieser Zeitenwende“ (so die barocke Verlagsankündigung), die alle wesentlichen europäischen und zum Teil außereuropäischen Entwicklungen zwischen 1918 und 1923 abzubilden und einzuordnen sucht, bedingt Redundanzen, Häufungen und Wiederholungen, aber auch manche (unnötigen) Pointierungen nahezu zwangsläufig. Im Einzelnen schildert Leonhard die Vorgeschichte des Kriegs seit 1916, das lange Kriegsende 1918, die revolutionären Ereignisse im Spätherbst, den Zusammenbruch und die Auflösung der imperialen Verlierermächte, die Demobilisierung der Soldaten, die Bildung der Nachfolgestaaten sowie die kolonialen Gesellschaften in Asien und Afrika.
Danach werden das Wiederaufkommen der Gewalt in etlichen europäischen Nachkriegsgesellschaften bis hin zu erneuten Kriegen (vor allem in Ostmitteleuropa), das Schicksal der Kriegs- und Nachkriegsflüchtlinge sowie die Pariser Friedenskonferenz mit ihren fünf Vorort-Verträgen (mit besonderem Augenmerk auf den Deutschland betreffenden Versailler Vertrag), deren Revisionen und Auswirkungen und schließlich das Ringen um eine dauerhafte Nachkriegsordnung geschildert.
Jörn Leonhards Meistererzählung vom Ende des Großen Krieges, von den Fortsetzungen und Erbschaften dieses weltweit geführten industrialisierten Massenkriegs sowie den nicht erreichten Friedensschlüssen und den Neuordnungsprojekten ist ein wichtiges Werk. Es schildert anschaulich und nachvollziehbar, warum der Frieden von 1918/19 nicht gelingen konnte, er schlicht „überfordert“ war. Auch wenn Geschichte sich nicht wiederholt und einfache Analogien sich verbieten, trägt die Lektüre dieses Buches etliches zum Verständnis unserer Gegenwart bei.
Rezension: Prof. Dr. Gerhard Hirschfeld
Jörn Leonhard
Der überforderte Frieden
Versailles und die Welt 1918 –1923
Verlag C. H. Beck, München 2018, 1531 Seiten, € 39,95





