Daniel Rosenberg/Anthony Grafton, Die Zeit in Karten. Eine Bilderreise durch die Geschichte. Verlag Philipp von Zabern, Darmstadt 2015, 304 Seiten, € 79,95. Mehr zum Thema Walter Leisering (Hrsg.), Historischer Weltatlas. marixverlag in der Verlagshaus Römerweg GmbH, Wiesbaden 2015, 223 Seiten, € 12,99.
Dies geschieht durch „Zeittafeln“, die parallele Ereignisse der Weltgeschichte vergleichend darstellen, indem sie diese tabellarisch in Spalten aufführen. Solche auf den Kirchenvater Eusebius zurückgehenden Darstellungsformen fanden seit dem Mittelalter zahlreiche Variationen und wurden im Lauf der Jahrhunderte immer stärker differenziert. Sie wurden ergänzt durch baum- oder flussartige Graphiken, die darüber hinaus auch geographische Informationen berücksichtigten und sich zu ebenso beeindruckenden wie unter Zeitgenossen beliebten Kunstwerken entwickelten.
Einen revolutionären Wandel sehen Rosenberg und Grafton in zwei Abbildungen von Joseph Priestley, einem umtriebigen Universalgelehrten, der sich auch als Pädagoge und Historiker betätigte. Dieser veröffentlichte 1765 einen „Chart of Biography“ mit einer graphischen Darstellung der Lebensdaten von über 2000 berühmten Persönlichkeiten in Form von horizontalen Linien. Wenige Jahre später folgte der „New Chart of History“, der 78 Imperien und Königreiche in ihrer chronologischen Entwicklung visualisierte. Diese beiden „Meisterwerke visueller Ökonomie“ unterschieden sich von allen vorangegangenen Versuchen vor allem dadurch, dass sie die Zeit exakt linear darstellten, also für alle Unterteilungen der insgesamt abgebildeten 3000 Jahre dieselbe Breite wählten. Seither hat sich die Darstellung des historischen Verlaufs anhand einer linearen Zeitleiste als Standard etabliert. Dennoch wurden in der Folgezeit immer wieder Alternativen ausprobiert, die sich auch der zunehmenden drucktechnischen Möglichkeiten bedienten und mittelalterliche und neuzeitliche Konzepte in oftmals erstaunlicher Komplexität kombinierten. Rosenberg und Grafton entfalten in diesem Band mit annähernd 300 herausragend fotografierten und reproduzierten Darstellungen (zu großen Teilen aus den Beständen der Rare Books and Special Collections der Princeton University Library) nicht nur ein eindrucksvolles Panorama vergangener Visualisierung von Informationen, sondern bereichern diese mit souveränen Erläuterungen und überraschenden Querverbindungen. Ein Prachtband und ein wirklich großartiges Buch! Dr. Thomas Rahlf
Die „Pille“ in der DDR Das Bild auf dem Einband des Buchs über die „Wunschkindpille“ ist Programm: Es zeigt einen Herrn in Anzug und Krawatte inmitten eines Ehebettes sitzend und mit erhobenem Zeigefinger dozierend, eingerahmt von ei-
nem sichtlich gelangweilten Paar, gleichsam als Ausweis für das SED-staatliche Vordringen bis in die Schlafzimmer der DDR. Als 1965 „Ovosiston“ des „VEB Jenapharm“ als Kontrazeptivum auf der Leipziger Messe präsentiert und ausgezeichnet wurde, war der Startschuss zur Verhütungsrevolution auch für die damaligen Ostblock-Staaten gefal-





