Dass dies keineswegs den historischen Realitäten entspricht, das zeigt der Bildband von Andreas Z’Graggen. So wurde das städtische Patriziat der frühen Neuzeit aus Adligen und Bürgern gebildet. Aus den patrizischen Bürgern, die sich einen adligen Lebensstil aneigneten, und den Adligen, die noch zuvor auf Habsburger Seite gekämpft hatten und nun etwa Burger von Bern wurden, entstand eine neue politische Elite. Als Beispiel kann die anpassungsfähige Familie von Hallwyl dienen, einst Dienstadlige der Habsburger, dann Anführer der Eidgenossen gegen die Burgunder, schließlich Diplomaten für die Alpenrepublik. Die große Kunstsammlung von Theodor von Hallwyl bildete im 19. Jahrhundert den Grundstock des Kunstmuseums Bern.
Der originelle Bildband versammelt Porträts einzelner Adelsfamilien, ergänzt durch Interviews mit ihren heutigen Vertretern, gibt Informationen über adliges Leben in Mittelalter und früher Neuzeit und ermöglicht Einblicke in die vielfältige Schlösserlandschaft der Schweiz.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger
Andreas Z’Graggen
Adel in der Schweiz
Wie Herrschaftsfamilien unser Land über Jahrhunderte prägten
NZZ Libro/Schwabe Verlag, Basel 2018, 231 Seiten, € 54,–





