Vor ungefähr 2.000 Jahren begann die römische Besiedlung Germaniens. In den Jahren 55 und 53 v. Chr. sorgte bereits der in Gallien Krieg führende Caesar mit zwei Rheinüberquerungen für Aufsehen in Rom. Besonders in der Regierungszeit seines Adoptivsohns Kaiser Augustus und dessen Nachfolger versuchten einzelne Feldherrn immer wieder, eine römische Herrschaft in Germanien durchzusetzen. Erst vom Ende des ersten und dem Beginn des zweiten Jahrhunderts an gab man die ehrgeizigen Ziele einer großen Provinz Germaniens vom Rhein bis zur Elbe auf und konzentrierte sich auf die gesicherten Gebiete der um 90 n. Chr. eingerichteten Provinzen germania inferior und germania superior.
In der Landschaft und den Städten am Niederrhein finden sich noch heute zahlreiche sichtbare Zeugnisse der römischen Geschichte. Neben Xanten (Vetera Castra, Colonia Ulpia Traiana) und der Provinzhauptstadt Köln (Colonia Claudia Ara Agrippinensium) zählt auch die im Jahr 16 v. Chr. gegründete Siedlung Neuss (novaesium) zu den bedeutenden römischen Erinnerungsorten in Nordrhein-Westfalen. Der Ort an der Erftmündung in den Rhein bot nicht nur insgesamt sechs römischen Feldlagern und einem Reiterkastell Platz. Für die Zeit von 43 bis 105 n. Chr. ist darüber hinaus auch ein festes Legionslager für Neuss nachweisbar.
Die Ausstellung in Neuss geht der Frage nach, wie die Nahrungsmittel in Germanien angebaut und gemeinsam mit einheimischen Zutaten zu Speisen verarbeitet wurden. Dabei wird neben dem zivilen auch das militärische Leben beleuchtet. Lokaler Schwerpunkt der Betrachtung ist hierbei Köln und seine Umgebung. Aus der ehemaligen Provinzhauptstadt sind noch viele Spuren vorhanden, die über römische Essgewohnheiten aufklären. Das Clemens-Sels-Museum arbeitet für die Ausstellung mit dem Labor für Archäobotanik der Universität Köln zusammen. Die Exponate stammen aus verschiedenen Sammlungen. Kürzlich ausgegrabene Funde des Amtes für Bodendenkmalpflege des Landschaftverbands Rheinland (LVR) werden ebenso ausgestellt wie Objekte aus dem LVR-Landesmuseum Bonn und dem Römisch-Germanischem Museum Köln.
Das Neusser Heimatkunde- und Kunstmuseum, das nach dem ortsansässigen Kunstsammler und Förderer Clemens Sels aus dem 19. Jahrhundert benannt ist, lockt auch mit vielen zusätzlichen Angeboten in die Ausstellung: Neben einem Gewürzseminar und einer Weinprobe können verschiedene Kochkurse mit unterschiedlichen Schwerpunkten besucht werden. An zwei Terminen in den Herbstferien sind Kinder zu dem Ferienspaß „Der römischen Küche auf der Spur“ eingeladen; für Berufstätige werden „Mittagspausenführungen“ angeboten. Am 30. Oktober 2010 findet ein Konzert des Ensembles Musica Romana statt mit dem Titel „Vinum et musica“.





