Das Ephesos Museum ist ein Erbe der Monarchie. Teile der antiken Schätze, die an der Schwelle des 20. Jahrhunderts österreichische Archäologen an der türkischen Ägäisküste ausgegraben hatten, sind ein Geschenk von Sultan Abdul Hamid II. (1876–1909) an Franz Joseph I. (1848–1916). Der Wiener Kaiser zeigte sich mit ein paar Lipizzanern erkenntlich, über die sich der Pferdenarr an der Hohen Pforte sehr gefreut haben soll. Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich waren damals verbündete Besatzungsmächte auf dem Balkan. 1907 brach die Geschenkdiplomatie jäh ab, als der Sultan ein striktes Ausfuhrverbot für antike Objekte verhängte.
Was während der zehn Jahre zuvor an gehobenen Kostbarkeiten nach Wien verfrachtet worden war, bildet bis heute den Grundstock des Ephesos Museums. Jedoch ging der Gründung ein Provisorium voraus, das sieben Jahrzehnte überdauerte: Wegen des Ausfuhrverbots war am Wiener Hof das Interesse für einen Museumsbau erlahmt, man begnügte sich mit Einzelausstellungen an verschiedenen Orten. So, wie sich das Museum heute Besuchern in den Prunkräumen der Neuen Hofburg präsentiert, dem einstigen Machtzentrum der Donaumonarchie, existiert es erst seit Ende 1978. Es ist Teil des Wiener Kunsthistorischen Museums (KHM).
Seit 125 Jahren arbeitet ein Grabungsteam des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI) in Ephesos, das einstmals zu den bedeutendsten Macht- und Wirtschaftsmetropolen des Altertums zählte. Das Prunkstück der Grabungsstätte, etwa 80 Kilometer südlich der Küstenmetropole Izmir gelegen, ist die vor rund 40 Jahren wiederaufgebaute Fassade der Celsus-Bibliothek. „Das Ephesos-Projekt gilt als einer der Höhepunkte der österreichischen Archäologiegeschichte“, wie Museumsdirektor Georg A. Plattner nicht ohne Stolz bemerkt.
Ephesos, von den Ioniern gegründet, lag einmal am Meer, das sich im Lauf der Jahrhunderte immer weiter zurückzog. Ein Modell im Maßstab 1 zu 500 bietet Museumsbesuchern eine realistische Vorstellung von der Lage der einstigen Hafenstadt, die strategisch geschickt in eine Hügellandschaft eingebettet war. Außerhalb der Stadtmauern stand auch eines der sieben Weltwunder, der Artemis-Tempel, den der geltungssüchtige Brandstifter Herostratos zerstörte.
Die Ruinen verraten eine urbane Kultur mit Tempeln, Schulen, Theater, Bibliotheken, Bädern, Märkten und Prachtboulevards. Römerkaiser Augustus erhob das damals rund 200 000 Einwohner zählende Ephesus, so der lateinische Name, zur Hauptstadt der Provinz Asia. Aus deren Blütezeit –1. und 2. Jahrhundert n. Chr. – stammen auch die meisten im Museum ausgestellten Funde.
Die größte Attraktion ist das Parther-Monument, „ein einzigartiger römischer Reliefzyklus, von dem das Museum 40 der vielleicht einst bis zu 70 Laufmeter präsentiert“, schwärmt Plattner. Die Motive auf den zwei Meter hohen und tonnenschweren Platten dienten vorwiegend der Verherrlichung des Römischen Reichs, seiner Kaiser und Feldherren – antike Propagandaschriften in Marmor.





