Für Qualm und Abgase haben unsere Vorfahren bereits gesorgt, seit sie sich die Macht des Feuers gezielt zunutze gemacht haben. Die Intensität hat dann natürlich im Zuge der Entwicklung von bestimmten Technologien stark zugenommen. Das gilt bekanntlich auch für die Herstellung von Keramiken: Töpferwaren werden durch die Hitze in Brennöfen in einen stabilen Zustand verwandelt. Auf diese Weise stellten auch die alten Römer ihr Geschirr her. Wie die Universität Tier berichtet, ist schon länger bekannt, dass es in der Römerzeit in der Eifel-Region eine bedeutende Keramikproduktion gab. Besonders bekannt ist dafür der Standort Mayen.
Antike Töpferei-Industrie im Visier
In der letzten Zeit wurde allerdings ein immer größeres Ausmaß in der Region deutlich: Das Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA) unter der Leitung von Holger Schaaff hatte die Gegend in der Südeifel systematisch geophysikalisch untersucht und neue Überreste aufgedeckt: Demnach gab es im Wald zwischen den Orten Speicher und Herforst einst zahlreiche Standorte römischer Töpfereien. Die Befunde legen nahe, dass sich dort in der Antike ein regelrechtes Industriegebiet bisher ungekannten Ausmaßes befunden hat. Dabei kam die Frage auf, was es mit diesem Standort auf sich hatte. Warum wurden die Anlagen nicht näher an der damals bedeutenden Römerstadt Trier errichtet?
Die Ergebnisse eines Forschungsprojekts der Universität Trier lassen nun vermuten, dass auch in der Antike wohl Luftverschmutzung bei der Standortwahl eine Rolle gespielt hat. In Kooperation mit dem LEIZA haben Studierende der Umweltgeowissenschaften das Luftverschmutzungspotenzial römischer Brennöfen untersucht und wie sich die damaligen „Industriegebiete“ auf ihre Umgebung ausgewirkt haben könnten. Dazu waren Informationen nötig, wie viel Brennstoff ein römischer Ofen verbrauchte, wie lange ein Brennvorgang dauert und welche Emissionen zu erwarten waren. Genau diese Informationen hat das Team im Labor für Experimentelle Archäologie des LEIZA in nachgebauten Brennöfen im Vulkanpark Mayen ermittelt.
Belastungen zeichnen sich ab
Auch weitere Aspekte waren wichtig, denn das Team orientierte sich daran, welche Regeln heute für die Genehmigung von Industrieanlagen gelten. Dazu gehört auch eine Untersuchung, wohin Luftschadstoffe an einem bestimmten Standort typischerweise vom Wind verweht werden. Deshalb entwickelte das Team Computersimulationen zur Ausbreitung der Luftbelastungen, die von den antiken Brennofen-Standorten ausgegangen sein könnten. Dazu wurden Wetterdaten und digitale Geländeinformationen in die Modelle integriert.
Die Ergebnisse belegten, dass die römischen Öfen trotz ihrer im Vergleich zu heutigen Anlagen bescheidenen Größe für erhebliche Abgase sorgten. Denn sie besaßen keinerlei Filter oder Abgasreinigungssysteme. In der Simulation zeigte sich, dass ein Brennofen in der Summe die heute gültigen Grenzwerte für Luftschadstoffe überschreiten würde, schreibt die Universität Trier. Lokal konnte es dadurch offenbar zu problematischen Belastungen kommen, zeigen die Simulationen.





