Der vorliegende Sammelband befaßt sich mit der Frage, wie Arbeit im Mittelalter bewertet wurde und wie die Wahrnehmung von Arbeit die soziale Struktur der Gesellschaft bestimmte. Im Gegensatz zu vielen anderen Tagungsbänden handelt es sich, zumindest im ersten Teil, nicht um eine Aneinanderreihung von Spezialstudien, die in ihrer Summe nur kleine Mosaiksteinchen zu einem Gesamtbild liefern, sondern um Kapitel eines Gesamtwerks, das aus der Sicht verschiedener Diszi-plinen das Thema in seiner ganzen Breite angeht. In seiner methodischen Einführung weist Hans-Werner Goetz darauf hin, daß Begrifflichkeit, Verständnis und Bewertung von Arbeit analytisch voneinander zu trennen sind. Als kaum haltbar erweist sich dabei die oft wiederholte, aber bislang nicht systematisch überprüfte These des französischen Historikers Jacques Le Goff, das Frühmittelalter habe die Arbeit allgemein verachtet, erst im Spätmittelalter habe sich die allgemeine Wertschätzung für sie herausgebildet. Vielmehr war die Bewertung der Arbeit im frühen wie im hohen und späten Mittelalter stets ambivalent. Bernhard Lang untersucht die biblischen Grundlagen der mittelalterlichen Theologie, Johannes Engels zeigt ergänzend die Perspektive der antiken heidnischen Philosophie auf, der die Arbeit der Masse der Bevölkerung als notwendig galt, jedoch als Zeichen ihrer Unfreiheit. Im Spiegel lateinischer Gedichte und Sprichwörter untersucht Thomas Haye den Gegensatz von Muße (otium) und Arbeit (labor) im Mittelalter. Ausführlich unternimmt Wolfgang Haubrichs den Versuch, das Wortfeld von „Arbeit“ und „Mühe“ im Mittelhochdeutschen zu vermessen. Die rechtliche Stellung der Arbeitenden im Mittelalter im Spannungsfeld von Status und Vertrag arbeitet Gerhard Dilcher heraus. Die Frage, ob das moderne Arbeits-ethos aus der Wertschätzung für die Arbeit im Mönchtum hergeleitet werden kann, steht im Mittelpunkt des Beitrags von Klaus Schreiner. Ergänzt werden diese grundlegenden Beiträge durch Spezialuntersuchungen zur archimedischen Schraube, zum Steinkohlebergbau eines Lütticher Zisterzienserklosters vom 13. bis zum 17. Jahrhundert, zur Selbst- und Fremdwahrnehmung ärztlicher Tätigkeit, zur Wahrnehmung des Wirkens von Musikern und Kompo‧-nisten und zur bildlichen Darstellung von Arbeitsprozessen.
Rezension: Eickels, Klaus van





